ARBON: «Es geht um die Seele von Arbon»

Der Weg, der zwischen Dissonanzen und Mehrheiten in eine Begegnungszone in der Altstadt münden soll, war lang und verlief nicht schnurgerade. Im April will der Stadtrat nun das Gestaltungskonzept öffentlich machen.

Max Eichenberger
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Stadtrat Peter Gubser erklärt auf einem Rundgang den Besuchern – hier vor dem Römerhof – die Eckpunkte des Konzepts. (Bild: Max Eichenberger)

Stadtrat Peter Gubser erklärt auf einem Rundgang den Besuchern – hier vor dem Römerhof – die Eckpunkte des Konzepts. (Bild: Max Eichenberger)

Über sechzig Personen sind gekommen und bekunden ihr Interesse an der Altstadt. Sie haben sich im Kappeli versammelt. Der Ort ist sinnbildlich. Das Kappeli, an dessen Wänden Fresken zum Teil wieder sichtbar gemacht worden sind, ist eine Langzeit-Baustelle, weil die Stadt wegen knapper Finanzen das Projekt über Jahre erstrecken muss.

Ähnlich verhält es sich mit der Altstadt rundum. Das Projekt einer Begegnungszone, lanciert vor acht Jahren mit Interviews, in bedächtigen basisdemokratischen Schritten skizziert und zur Grundlage gereift in späteren Workshop-Serien, hat der Stadtrat zuletzt sistiert. Dies, nachdem die Arboner das Budget zurückgewiesen hatten. Da machte es keinen Sinn, eine Millionenvorlage zu bringen und an der Urne einen Schiffbruch zu riskieren.

Stadt rechnet mit Kosten von vier Millionen brutto

Das Verkehrsregime ist inzwischen wieder das alte, weil ein Provisorium mit Einbahnverkehrsführung nicht länger haltbar war. Der Rechtsstreit hat eine Konsenslösung nicht eben befördert und Wunden geschlagen – und lenkte vom eigentlichen Ziel ab: nämlich den Lebensraum Altstadt attraktiver zu gestalten.

Dabei wäre eine Grundvoraussetzung geschaffen, die in Frauenfeld nicht gegeben ist, wie Stadtentwickler Heinz Egli betont: In Arbon besteht mit der neuen Kantonsstrasse (NLK) inzwischen eine Achse, den Durchgangsverkehr vorbeizuführen. 10 000 Fahrzeuge befuhren vor 2013 täglich die Altstadt, erinnert SP-Fraktionsmitglied Lukas Graf am Informationsanlass, den die SP organisiert hat; nach der Inbetriebnahme der NLK sind es noch je rund 1500 Bewegungen.

Wie der Verkehr künftig organisiert und geführt werden soll und wie schnell gefahren werden darf, war in den Workshops die eine Hauptfrage. Wie der Raum gestaltet und wie gross die Begegnungszone mit Tempo 20, die bald mehrheitsfähig in den Vordergrund rückte, ausgelegt und wie sie genutzt werden soll, die andere. Also: welches Leben das Städtli erfüllen und was Impulse setzen soll. «Es ist viel gearbeitet worden», lobte Graf diesen langen Prozess. Jetzt soll dieser wieder Fahrt aufnehmen und in ein Gestaltungskonzept münden, das der Stadtrat nach Gesprächsrunden mit Gastronomen und Liegenschaftsbesitzern unter anderem noch im April öffentlich zu präsentieren beabsichtigt.

Die Stadt rechne mit Bruttokosten von vier Millionen Franken, sagte Stadtrat Peter Gubser auf dem Rundgang. Davon würden, nach Abzug der Beiträge von Bund und Kanton, drei Millionen der Stadt verbleiben. Eine halbe Million ginge zu Lasten der Kanalerneuerung. Ursprünglich war einmal von Kosten von fünf bis sechs Millionen die Rede. Wichtige Eckpunkte des Projekts seien die Schaffung einer Begegnungszone in einem begrenzten Rayon Haupt-/Promenadenstrasse. Der Kanton habe sich dagegen ausgesprochen, diese Zone auf die gesamte Altstadt zu legen.

Verkehr: Für alle Varianten gibt es gute Gründe

Die heutige Hauptstrasse würde als Fläche niveaugleich – also ohne Trottoir – «von Hauswand zu Hauswand» gestaltet. Über die vorgesehene Oberflächenbeschaffenheit ist indes noch nichts bekannt. Fussgänger haben in der künftigen Begegnungszone, wo Tempo 20 gilt, Vortritt.

Noch nicht in Stein gemeisselt sei das Verkehrsregime: ob mit Gegen-, Einbahnverkehr oder verkehrsfrei mit Zufahrten – für alle drei Varianten gebe es gute Gründe. Für ihn, so Gubser, steht im Vordergrund, den Verkehr «zu minimieren, zu verlangsamen und nicht zu verteilen».

Ob die Begegnungszone in einem Zug oder in Etappen zu realisieren ist, sei noch offen. Das Parlament werde letztlich bestimmen, was dem Volk vorgelegt wird. Die Überlegung dürfte da mitspielen, dass es ohne Etappierung womöglich schwieriger werde, mindestens eine Mehrheit zu bekommen. Diese Variante könnte anderseits Kosten sparen.

Eine lebendige Flanier- und Aufenthaltsmeile

In Verkehrs- und Gestaltungsfragen gibt es wohl da und dort Mehrheiten, aber grundsätzlich immer verschiedene Meinungen. Das spiegelte auch die Diskussion beim SP-Anlass im Kappeli – etwa, ob gepflästert oder ein anderer Belag gewählt werden soll. Einigkeit herrschte darin, dass das Städtli wieder zu einer lebendigen Flanier- und Aufenthaltsmeile werden soll, wozu auch eine Bushaltestelle gehöre. Es gehe hier um die «Seele von Arbon», einem Kulturerbe, dem Sorge zu tragen sei. (me)