ARBON: Es droht eine Flut von Einsprachen

Widerstand macht sich breit. Das Vorgehen der Stadt bei der Aufnahme von 122 Häusern in den Schutzplan ist für viele Hauseigentümer zu forsch. Der Stadtrat prüft nun eine Verlängerung der Einsprachefrist.

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Bettina Hedinger vom Amt für Denkmalpflege und Stadtpräsident Andreas Balg erklären den Betroffenen im Seeparksaal, welche Konsequenzen für sie entstehen. (Bild: Manuel Nagel)

Bettina Hedinger vom Amt für Denkmalpflege und Stadtpräsident Andreas Balg erklären den Betroffenen im Seeparksaal, welche Konsequenzen für sie entstehen. (Bild: Manuel Nagel)

Den Besitzern von etwas mehr als hundert Liegenschaften flatterte ein Brief ins Haus. Obwohl nur ein A4-Blatt, so war es dennoch dicke Post für viele Hausbesitzer. So dick, dass der Hauseigentümerverband umgehend reagiert hat (TZ vom 4. Mai).

Die Stadt kündigte an, dass künftig 122 zusätzliche Gebäude in den kommunalen Schutzplan aufgenommen werden sollen und lud gleichzeitig für den Donnerstagabend zur Informationsveranstaltung in den Seeparksaal. An die hundert Personen machten von diesem Angebot Gebrauch und hörten zuerst während mehr als einer Stunde den fünf Referenten zu. Stadtrat Peter Gubser machte den Anfang, indem er den Werdegang des Schutzplanes in Erinnerung rief. Architekt ­Raphael Künzler, Mitglied der Ortsbildkommission, zeigte danach auf, dass sich mit dem neuen Schutzplan die rechtliche Situation für die Besitzer von 105 Objekten verbessere. Im Schutzplan 2014 seien sie im Richtplan gewesen, bei dem das Holprinzip galt. Im Schutzplan gelte jedoch die Bringschuld – die Stadt würde die Besitzer informieren.

Liegenschaften verlieren nicht an Wert

Weitere 17 Objekte, die im Schutzplan von 2014 aus der Liste gestrichen wurden, mussten aufgrund der Einsprache des Heimatschutzes wieder ins Inventar der schützenswerten Gebäude aufgenommen werden – unter anderen auch das Haus von Stadtrat Gubser. Uwe Moor, Präsident des Thurgauer Heimatschutzes, richtete ebenfalls ein paar Worte an die Besucher und warb um Verständnis. Nebst Jürg Niggli, der erst kürzlich mit Hilfe der Denkmalpflege sein Haus im Bergli ­renoviert hatte und von seinen positiven Erfahrungen berichtete, kam auch Denkmalpflegerin ­Bettina Hedinger zu Wort. Sie legte dar, dass es nicht zwingend nachteilig sei, wenn man eine Liegenschaft im Schutzplan habe. Man habe zwar Pflichten, könne aber im Gegenzug auch vom Wissen der Denkmalpflege profitieren und bei Renovationsarbeiten auch mit finanzieller Unterstützung rechnen. Die Liegenschaft verliere auch nicht an Wert – ganz im Gegenteil.

Nach den fünf Referenten startete Stadtpräsident Balg als Moderator eine angeregte Diskussion, in der schnell klar wurde, dass bei den betroffenen Liegenschaftsbesitzern viel Unmut und Unsicherheit herrschte. Kritisiert wurde unter anderem, dass man nicht informiert werde, weshalb denn das eigene Haus im Schutzplan sei, dass man sich diese Informationen selber besorgen müsse, obwohl man vorhin neu von einer «Bringschuld der Stadt» gesprochen habe.

Ein weiterer Kritikpunkt richtete sich gegen den straffen Zeitplan. Gestern Freitag begann die Auflage, die 20 Tage dauert. Es sei in dieser Zeit gar nicht allen Hausbesitzern der betroffenen 122 Liegenschaften möglich, die gewünschten Informationen von der Bauverwaltung oder der Denkmalpflege zu bekommen. «Ihr zwingt uns, einfach mal pro forma eine Einsprache zu machen, um Zeit zu gewinnen, obwohl wir vielleicht gar nicht gegen den Schutzplan wären», meinte ein Besucher. Das könne es doch nicht sein. Ob man nicht die Einsprachefrist über den 24. Mai ­hinaus verlängern könne? Auch Bettina Hedinger meinte: «Jede Einsprache, die man so verhindern könnte, wäre wünschenswert.»

Stadtpräsident Andreas Balg versprach, dass man dieses Anliegen in der Stadtratssitzung am Montag prüfen werde. Doch ob das überhaupt noch möglich ist, wussten weder er noch Stadtplaner Thomas Wiegand auf Anhieb.

Manuel Nagel

manuel.nagel@thurgauerzeitung.ch