ARBON: Es darf gespielt werden

Die dritte Arbonale in den Quaianlagen verbindet Klang und Spiel. «Spielenderweise» ist diesmal das Thema der Klangfestivals. Animiert werden dabei die Besucher. 250 Schüler wirkten bei den Vorbereitungen mit.

Max Eichenberger
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Stefan Philippi, Initiant der Arbonale, in seiner Klangwerkstatt. Er steckt mittendrin in den Vorbereitungen der Auflage 2017. (Bild: Max Eichenberger)

Stefan Philippi, Initiant der Arbonale, in seiner Klangwerkstatt. Er steckt mittendrin in den Vorbereitungen der Auflage 2017. (Bild: Max Eichenberger)

Max Eichenberger

max.eichenberger@thurgauerzeitung.ch

Seine Werkstatt in der früheren Saurer-Dreherei ist überstellt mit teils ungewöhnlichen Objekten und Gegenständen aus unterschiedlichsten Materialien. Allen ist gemein: Sie klingen, wenn man sie antippt, bewegt, bespielt oder sie in den Wind stellt. Es sind Resonanzkörper, bestückt mit einfacher bis raffinierter Klangmechanik. Der hohe Raum im ZiK, in dem es immer noch nach Fabrik riecht, ist das Reich des Klangkünstlers Stefan Philippi.

Hier, in der Klangwerkstatt am See, baut und experimentiert, kreiert und verwirft er, um wieder Neues zu probieren. Philippi steckt mitten in den Vorbereitungen der Arbonale – des Klangfestivals, das er 2014 als Nachfolgeveranstaltung der H2Art initiiert hat. Nach einem Intermezzo «indoor» findet die Arbonale vom 17. September bis 15. Oktober ­wieder unter freiem Himmel in den Quaianlagen zwischen Hafen und Waschplatz statt.

«Der Spieltrieb ist etwas Archaisches, Uraltes»

«Spielenderweise» ist das Thema des diesjährigen Klangfestivals. «In meiner Arbeit geht es viel ums Spielen», sagt Philippi. «Der Spieltrieb ist etwas ganz Archaisches, Uraltes.» Denn das Spielen komme nicht aus der Vernunft heraus. Auch Tiere spielen. So kam Philippi die Idee, beides zu verbinden: Spiel und Klang.

«Wenn ich an die Kindheit denke, so bleiben mir Mikado, Mühle und Eile mit Weile gegenwärtig – populäre Spiele, die es immer noch gibt, während andere schnelllebig sind.» Diese «Klassiker» werden übergross den interaktiven Einstieg bilden in das Gelände der Arbonale ’17. «Es darf gespielt werden.» Die quadratischen Spielfelder aus beständigen dreischichtigen Fichtenplatten sind je fünfeinhalb Meter gross. Die Spielsteine sind lavabogross. Wenn man sie bewegt und setzt, klingen sie. Der Resonanzkörper ist aus Holz ­gefertigt. Darin eingebaut ist die Klangmechanik. Massgeblich mitgewirkt am Bau haben 250 Primarschüler vom Stacherholz. Dies im Rahmen einer Projektwoche. «Ich wollte schon immer Schüler gewinnen», sagt Philippi.

Als Lehrerin Regina Morgenegg vor zwei Jahren mit ihrer Klasse das Klangfestival besucht hatte und beeindruckt war, kam man ins Gespräch. Schulleiter Marco Roduner gab grünes Licht, Judith Huber besorgte die Koordination. Eine Woche lang wurde das Stacherholz zur Klangwelt und Töne verdrängten Mathe und andere Fächer. Im Schulzimmer, das zur Klangwerkstatt umfunktioniert wurde, bauten die Schüler die vorgefertigten Mühlesteine und Töggel und bemalten sie. Sie lernten dabei, dass lange Stäbe tief klingen. Zwei Meter lang sind die aus Lindenholz gefertigten Mikadostäbe. Vor Spielbeginn sind sie gefasst von Bändern. Löst man diese, fallen sie klangvoll aufs Spielfeld. «Die Schüler haben gejauchzt», berichtet Stefan Philippi von einer «unglaublich tollen Stimmung». Zu den bekannten setzen die Arbonale-Macher mit archaischen Spielen einen Kontrast. So hat der Rorschacher Steinbidhauer Fritz Baack das Strategiespiel Kalaha in Stein gemeisselt.

Wind bringt Harfensaiten zum Schwingen

In einem zweiten Bereich performen gegen ein Dutzend Künstler eigene Spielobjekte. Ein Schachbrett mit klingenden Figuren («Rohrschach») bespielt Philippi selber. «Eingefroren» ist der Stand der WW-Partie zwischen Bobby Fischer und Boris Spassky 1973 nach dem 19. Zug.

In unmittelbarer Nähe zum alten Saurer-Werk werden auch Maschinen Klänge erzeugen («Vorsicht: Starkklang!»): etwa über Bewegungsmelder. Poesie verspricht die Windharfe: Während man auf einer Bank sitzt und auf den See blickt, bringt darüber der Wind die Saiten zum Schwingen. Besucher können beim Infocenter, das in einer Jurte eingerichtet wird, XXL-Windharfenhandys, welche die Künstlerin Jutta Kelm entwickelt hat, für den Rundgang mieten. Oder «Sonnenschirme» von Stefan Philippi.

«Weil Stille ein Teil des Klangs ist», so der Initiant, ist ein dritter Teil der Kontemplation ­gewidmet. So kann man dem «Liebesspiel» beiwohnen, wenn Baumstücke von der Insel Mainau Parkbäume am See umarmen.