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ARBON: Er selber war Programm

Angst davor, irgendwann einmal in Vergessenheit zu geraten, hat Beni Thurnheer nicht, wohl aber davor, dass die No-Billag-Initiative durchkommen könnte.
Christof Lampart
Einblick hinter die TV-Kulissen: Bernard Thurnheer. (Bild: Christof Lampart)

Einblick hinter die TV-Kulissen: Bernard Thurnheer. (Bild: Christof Lampart)

Christof Lampart

arbon@thurgauerzeitung.ch

Der einstige «Schnurri der Nation» erzählte am Seegarten-Meeting der SVP-Ortsparteien Arbon und Horn aus seinem langen Leben als Quizmaster und Sportreporter. Dass er nach seinem abgeschlossenen Jus-Studium 1973 einen Talentwettbewerb beim Schweizer Fernsehen gewonnen habe, sei «ein Teil der Legendenbildung», räumte er schmunzelnd ein. Vielmehr sei er unter den dreissig Personen gewesen, die am Ende aus 1600 Bewerbungen übrig geblieben waren. «Aus diesem Pool haben sich Radio und Fernsehen bedient.»

Auf der «Shit»-Liste ganz oben

Sein Glück sei es gewesen, dass er beim Radio eine Festanstellung erhalten habe. Von da an sei es aufwärtsgegangen und der Bekanntheitsgrad ständig gestiegen. Was allerdings auch nicht allzu schwer gewesen sei, denn: «Wer Mitte der 1970er-Jahre in der Schweiz Fernsehen geschaut hat, hat entweder mich geschaut oder gar nichts – weil es einfach kein anderes Programm gab.»

Er selbst habe zwar das Fernsehen geliebt, sich selbst jedoch nie zu wichtig genommen. «Mir wurde von meinen Eltern beigebracht, dass man sich nicht selbst rühmen sollte.» Umso schwieriger sei manchmal der Umgang mit den Stars gewesen: «Im Vorfeld kam das Umfeld mit vielen Forderungen auf uns zu. Vor Ort war aber etwa Paul McCartney total unkompliziert, so dass alle von ihm begeistert waren.

Nicht immer habe man als Schweizer Fernsehen einen grossen Star holen können – und manchmal hätte man das besser auch sein lassen, denn Leute wie Dieter Bohlen oder André Rieu hätten sich im Umgang mit der Studio-Crew als «echte Kotzbrocken» erwiesen. «Die standen bei uns auf der internen «Shit»-Liste ganz oben», so Bernard Thurnheer. Ganz anders sei die Sportberichterstattung über die Bühne gegangen. «Da ging es nie darum, nach einem Spiel ein tiefsinniges Interview zu führen. Da war es wichtig, dass man sagen konnte: ‹De händ mir gha›. Denn hätten wir den dreifachen Torschützen, der keinen einzigen richtigen Satz formulieren kann, nicht interviewt, so wäre uns das am nächsten Tag vom ‹Blick› und den anderen Medien sicherlich als Versäumnis vorgehalten worden.»

Christoph Daum sorgte sich um seine Frau

Nebst vielen freudvollen, gab es auch leidvolle Momente als Kommentator. So etwa die Barrage 2005 zwischen der Türkei und der Schweiz in Istanbul. Gastkommentator war damals der in der Türkei arbeitende deutsche Trainer Christoph Daum. «Wenn die Kamera lief, beschwichtigte er, wenn sie aus war, erklärte er, er könne doch das und jenes jetzt nicht sagen, weil die Türken ansonsten seine Frau verhaften würden.» Lange «verfolgt» habe ihn auch das Drama im Brüsseler Heysel-Stadium anlässlich des Finals um den Landesmeistercup zwischen Juventus Turin und Liverpool im Mai 1985. «Ich konnte von meinem Platz aus nur das Spielfeld sehen, nicht aber auf die Ränge, und habe kommentiert. Erst als ich merkte, wie viele Leute auf den Rasen liefen, merkte ich: da ist etwas gar nicht so, wie es sein sollte. Wir haben die erste Halbzeit gezeigt; ich habe noch nie ein Spiel so lustlos kommentiert, wie dieses.»

«Wir können stolz sein auf unsere Nati»

Warnend hob Thurnheer den Finger vor einem Ja zur No-Billag-Initiative. Wer der Abschaffung der Konzessionsgebühren zustimme, müsse sich im Klaren sein, was er dann noch an Qualitätsjournalismus bekomme: «Dann haben wir nur noch Privatfernsehen à la Berlusconi und eingekaufte Sendungen wie ­‹Bachelor› oder ‹Bauer, ledig, sucht…›. Diese bringen dann zwar Quote, dürften aber nicht gerade das sein, was man unter Qualitätsjournalismus versteht.»

Und darauf angesprochen, welche Fussball-Nati ihm besser gefalle, die «schweizerische» von 1994 (Sutter, Bregy, Chapuisat, Knup und Sforza) oder die heutige, welche zum grossen Teil aus Secondos (Seferovic, Shaqiri, Rodriguez, Xhaka, Embolo) bestehe, antwortete Thurnheer klar und unmissverständlich: «Die heutige Nati bringt alles mit, damit wir Schweizer stolz auf sie sein können. Jetzt muss sie nur mal in den Viertelfinal kommen, das wäre toll.»

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