ARBON: Ein Städtli zum Wohlfühlen

Der Streit um das Verkehrsregime hat das Vorhaben blockiert. Einen Konsens hat man jetzt gefunden, um die Altstadt auch gestalterisch aufzuwerten. Das Projekt kostet netto drei Millionen. Das Volk soll im Herbst abstimmen.

Max Eichenberger
Drucken
Teilen
Die Visualisierung zeigt, wie der Marktplatz ohne Trottoirs künftig aussehen soll. Die Hauptstrasse wird Tempo-20-Zone. (Bilder: Max Eichenberger)

Die Visualisierung zeigt, wie der Marktplatz ohne Trottoirs künftig aussehen soll. Die Hauptstrasse wird Tempo-20-Zone. (Bilder: Max Eichenberger)

Max Eichenberger

max.eichenberger@thurgauerzeitung.ch

Es geht um ziemlich viel, stellt Stadtpräsident Andreas Balg das Paket in einen grösseren Zusammenhang: zentral um die Zukunft der Altstadt, um deren wirtschaftliche und touristische Belebung. Um eine qualitative Aufwertung und die Rückeroberung öffentlicher Räume. Verkehrsflächen sollen zurückgedämmt, dafür Platz gewonnen werden. So, damit sich in attraktiven Flanier- und Aufenthaltszonen pulsierendes Leben entfalten kann. Dieser einladende Rahmen biete auch Geschäften eine Perspektive und erhöhe die Wohnqualität.

Vorrang dem Langsamverkehr und dessen Sicherheit: Das ist primär die Devise. Dies, nachdem die neue Kantonsstrasse (NLK) inzwischen schon vier Jahre in Betrieb ist und den Durchgangsverkehr grösstenteils übernommen hat. Die gestalterische Umsetzung sei nun fällig, macht Balg am Infoabend deutlich. Oder, bemüht er den Planer-Jargon: «die siedlungsgerechte Umgestaltung des Strassenraums».

Der lange Weg zum grösstmöglichen Konsens

Balg erinnert daran, dass die Stadt in der Pflicht stehe. Eine entsprechende Vorgabe nämlich, durch die NLK entlastete Verkehrsachsen durch gestalterische Massnahmen zu beruhigen (und im Übrigen auch öffentliche Verkehrsangebote auszubauen), leite sich aus dem NLK-Agglomerationsprojekt ab. Sie waren an die Finanzierungsbeteiligung des Bundes gekoppelt. «So ist die Aufwertung der Arboner Altstadt als Teil des Agglo-Projekts zu begreifen.» Bei der Landquartstrasse ist die Aufgabe erledigt. Die Bahnhofstrasse folgt später.

«Es ist relativ schwierig, Lösungen zu finden, die alle gleichermassen befriedigen», erinnert Stadtrat Peter Gubser an den harzigen Projektstart auf dem Weg zu einer Begegnungszone im Städtli. So entbrannte schon in der Frage des Verkehrsregimes, das die Grundlage setzen sollte, ein gehässiger Streit. Nicht gerade geschickt stellte sich dabei auch die Stadt an. Das scheint nun überwunden. Man hat jetzt, jenseits partikularer Interessen, das gemeinsame übergeordnete Ziel im Visier – nachdem man die Projektarbeit, auch aus finanziellen Gründen, ein Jahr sistiert hat.

«Wir haben versucht, durch verschiedene Massnahmen viele Pluspunkte bei wenig negativen Folgeerscheinungen zu schaffen und den meisten Bedürfnissen entgegenzukommen», schildert Gubser den zähen Weg zum grösstmöglichen Konsens.

So gibt es eine Rückkehr zum Einbahnregime – wie während der Versuchsphase. Doch künftig soll der verbliebene Verkehr im Uhrzeigersinn durch die Hauptstrasse (und teilweise noch die Promenadenstrasse) zirkulieren: vom Römerhof am Stadthaus vorbei zum Marktplatz. Ein Teil des Zielverkehrs könne so über die Schmied-/Weitegasse und die Schäfli-/Gerbergasse zurück via Grabenstrasse wieder abfliessen. An der übrigen Signalisation wird sich Gubser zufolge ansonsten nichts ändern.

Begegnungszone: Arbon will mehr, als Kanton zugesteht

Der Kanton – er ist Bewilligungsinstanz – wolle die angestrebte Begegnungszone, wo statt mit Tempo 30 nur mit 20 gefahren werden kann, auf den Abschnitt Hauptstrasse mit angrenzenden Gassen beschränken. Eingegeben hatte der Stadtrat auch den Bereich Schädler/Denner bis Stadtgarten/Promenadenschulhaus/Ludi-Distel-Platz. «Wir hoffen und setzen alles daran, dass wir das noch durchbringen», gibt sich Gubser mit guten Argumenten kämpferisch. Die Promenadenstrasse querten hingegen zu wenig Fussgänger, um den ­Anforderungen an eine Begegnungszone zu genügen.

Der Strassenraum werde auf fünf Meter reduziert, skizziert Rainer Heeb, Leiter Tiefbau bei der Stadt, das Projekt. Beidseits der Fahrbahn gibt es niveaugleich mehr begehbare Fläche, Aufenthaltsräume und Platz für Velofahrer. Der Marktplatz etwa werde mit Elementen wie Sitzbänke und Veloständer möbliert. Bei Bedarf (Veranstaltungen) könnten sie temporär rasch demontiert werden. Am Unter- wie am Obertor, an den Eingängen in die Altstadt, verlängern eingelassene und flächig geschliffene Steine optisch die Stadtmauer. Vor dem Stadthaus verengen Natursteinplatten den Querschnitt. Es gibt punktuell Grünbereiche, Schotterrasen und chaussierte Wege und Plätze. Die Arbon Energie AG wird teils auf eigene Kosten (172000 von 286000 Franken übernimmt sie) das Beleuchtungskonzept der St. Galler Art Light GmbH (Architekten: Van de Wetering, Zürich) realisieren. Für Stadtpräsident Balg wird die neue massgeschneiderte Beleuchtung, abgestimmt auf den jeweiligen Zweck, die Bedürfnisse und das Sicherheitsempfinden, ein stimmiges Highlight werden: «Hell ist das Licht dort, wo es das so braucht, im Verkehrsbereich; warm zum Beispiel bei der Stadthaus-Arkade.»

Votanten regen an, die Kosten (netto 3,14 Millionen) zu optimieren, um die Chancen eines positiven Abstimmungsausgangs zu erhöhen. «Wir sehen da keinen grossen Spielraum. Wir sind schon sehr sparsam unterwegs», dämpft Jens Dreyer, externer Verkehrsplaner im Projektteam.