ARBON: Eher Weile denn Eile beim Römerhof

Das Projekt einer Begegnungszone in der Altstadt soll bald die Volkshürde nehmen. Am Obertor geht vorläufig noch nichts: die von privaten Investoren geplante Römerhof-Überbauung liegt weiter auf Eis.
Max Eichenberger
Visualisierung der Projektidee von Architekt Lukas Imhof. (Bild: PD)

Visualisierung der Projektidee von Architekt Lukas Imhof. (Bild: PD)

Max Eichenberger

max.eichenberger@thurgauerzeitung.ch

Für die Zukunft der Arboner Altstadt wird 2018 zum Jahr wichtiger Entscheidungen: Nach langen Geburtswehen kommt nun das Projekt, das mit gestalterischen Massnahmen das Städtli aufwerten soll, ins Parlament. Weil der Bund aus dem Agglomerationsfonds kräftig an das Teilprojekt der NLK (neue Kantonsstrasse) mitzahlt, verbleiben der Stadt Nettokosten von 2,67 Millionen Franken – sofern Parlament und dann noch das Volk im Herbst dem Vorhaben zustimmen.

Nach der Präsentation 2013 der grosse Bremser

Dabei ist bei der Light-Version gegenüber ursprünglichen Varianten abgespeckt worden (zuletzt noch um eine halbe Million Franken), um angesichts der finanziell angespannten Situation der Stadt die Chancen auf ein Ja offen zu halten. Zudem besteht auch die Absicht, die Bauzeit so zu verkürzen, dass die Einschränkungen verträglich und absehbar sein würden.

An den Nahtstellen gibt es weitere private Projekte, die mit der politisch initiierten Aufwertung der Altstadt, wozu die Stadt gegenüber dem NLK-Mitfinancier Bund in der Pflicht steht, in einem indirekten Zusammenhang stehen. Zum einen sind dies die weiteren Ausbauetappen im ZIK, im ehemaligen Saurer Werk 1. Und beim Obertor, an der Pforte zur Altstadt, ist es die geplante Römerhof-Überbauung.

Dort herrscht schon seit längerer Zeit Funkstille. An dieser städtebaulich heiklen Schnittstelle liessen die Grundeigentümer – die Geschwister Hansruedi Schoop, ehemaliger Bischofszeller Gemeindeammann, und Annemarie Lehrmann-Schoop – über einen Wettbewerb ein Vorkonzept entwickeln. Das Ergebnis wurde vor mittlerweile fünf Jahren präsentiert. Eigentlich sollten Gestaltungsplan und Baugesuch 2014 die Verfahrenshürden nehmen.

Doch gegen eine Wohnüberbauung auf dem Römerhof-Areal mit dem markanten siebengeschossigen Kopfbau gab es heftigen Widerstand. Dieser gipfelte in einer Petition mit 900 Unterschriften gegen das Vorhaben. Die Petitionäre um Kaspar Lämmler drängen auf eine Redimensionierung der Baukörper; der Turm schiesse «über das Verträgliche hinaus».

Deal mit der Stadt: dreissig öffentliche U-Parking-Plätze

Die Stadt sähe dort gerne die Schliessung der Baulücke im Geviert zwischen Schädler, Römerhof, Walhallastrasse und Farbgasse. Nach dem Abbruch der Häuser, die vorher dort gestanden hatten, besteht schon seit Jahren ein – provisorischer – Parkplatz. Die Stadt hat neben dem städtebaulichen noch ein anderes Interesse: Sie würde einen Spickel Land abtreten, bekäme dafür gemäss einem Deal mit den Grundeigentümern dreissig öffentliche Plätze im U-Parking.

Schoop selber hat der Widerstand gekränkt. Insbesondere auch der Vorwurf spekulativer Absichten. Diese wies er vehement von sich. Das Vorhaben wurde vorderhand nicht weiter verfolgt und auf Eis gelegt.

«Wir befinden uns in der Warteschlaufe»

Und jetzt, da ein Gestaltungskonzept für die Altstadt erarbeitet und das Städtli Schub bräuchte? «Wir befinden uns sozusagen in einer Warteschlaufe», sagt Miteigentümerin Annemarie Lehmann-Schoop. Die letzte Besprechung habe man 2017 geführt, unter anderem mit der Verwaltung. Ein Bauvorhaben sei aber noch nicht spruchreif. Man habe keinen Zeitdruck und werde sicher nicht in ein Hochrisikoprojekt hineingehen. So stünden Abklärungen bezüglich Marktfähigkeit und auch mit der Denkmal- pflege an: «Der Haupteinwand gegen das Überbauungskonzept war dessen städtebauliche Verträglichkeit.» Allenfalls würden Abklärungen darin münden, volumenmässig etwas anzupassen.

«Es wäre gut, wenn hier etwas realisiert würde»

Im Stadtrat sind die Meinungen offenbar geteilt. Stadtpräsident Andreas Balg, der im Wettbewerbsverfahren beteiligt gewesen war, bekräftigt, dass ihm das Projekt gefalle. «Grundsätzlich wäre es gut, wenn an diesem Standort etwas entstünde und dem Städtli Auftrieb verleiht.» Punkto Wohnungen und vor allem Eigentum sei Arbon ein gefragter Standort, sagt Balg.

Die Petitionäre wollen den Grundeigentümern nicht einfach Knebel zwischen die Beine werfen und sind nicht grundsätzlich gegen eine Überbauung des Areals, die früher oder später komme. Aber sie müsste verträglich sein, sagt Claudia Lämmler. «Ein Siebenstöcker – das geht nicht», müsste für sie ein Projekt redimensioniert daherkommen, wolle es Chancen auf Akzentanz und Realisierung haben.

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