ARBON: Doch nicht gänzlich geschreddert

Die planerische Option, die «Spange Süd» als Verbindung von Stachen zum A1-Zubringer eines Tages doch noch bauen zu können, raubt sich der Stadtrat nun doch nicht selber. Sie verbleibt im kommunalen Richtplan, wird aber auf die ganz lange Bank geschoben.

Max Eichenberger
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Auf dem Trasse der Spange Süd wird die Erschliessungsstrasse Rietli so oder so gebaut. (Bild: Max Eichenberger)

Auf dem Trasse der Spange Süd wird die Erschliessungsstrasse Rietli so oder so gebaut. (Bild: Max Eichenberger)

Max Eichenberger

max.eichenberger@thurgauerzeitung.ch

Die Information aus dem Stadthaus hatte vor genau einem Jahr für ziemliches Aufsehen und grosse Irritation gesorgt. Düpiert fühlte sich auch die Nachbargemeinde Roggwil. Der Stadtrat liess nämlich verlauten, er verzichte auf die Realisierung der sogenannten «Spange Süd» – die einst geplante Verbindung zwischen Stachen und dem A1-Zubringer-Anschluss Süd. Die Pläne erklärte er für Makulatur.

Begründet worden war dieser Verzichtsentscheid damit, die neue Kantonsstrasse (NLK) habe alleine schon eine «spürbare Verkehrsentlastung» bewirkt – auch auf der Arboner Landquartstrasse. Es brauche die Spange daher nicht noch zusätzlich.

Das tönte vor acht Jahren noch ganz anders. Vor der Abstimmung über den NLK-Kredit hiess es, das NLK-Strassenbauprojekt bedinge die Realisierung der Spange, um beim Verkehr die angestrebte Entlastungswirkung zu erreichen. Am 11. Januar 2016 dann beschloss der Stadtrat überraschend, er verzichte auf den Bau der Spange Süd. Diese sei nicht mehr nötig, weil sich die Situation geändert habe und eine Abwägung zwischen Kosten und Nutzen «klar gegen die Realisierung der Spange» spreche.

Längerer zeitlicher Horizont

Bestärkt in seinem Sinneswandel wurde der Stadtrat durch eine Analyse eines beigezogenen Verkehrsspezialisten. Beim Verzichtsentscheid dürfte indes auch die angespannte finanzielle Situation der Stadt eine wesentliche Rolle gespielt haben. Vergrault hatte der Stadtrat damit die Nachbargemeinde Roggwil. Die Spange war als Gemeinschaftsprojekt angelegt, weil Roggwil unnötigen Umwegverkehr aus dem Dorf abführen möchte.

Der Arboner Stadtrat wollte gar – wie er dies anfänglich kommunizierte – die Spange aus dem Verkehrsrichtplan kippen. Doch dagegen regte sich geballter Widerspruch im Parlament. Zwanzig Volksvertreter hatten eine CVP-EVP-Motion unterzeichnet, die forderte, die Spange Süd sei im Richtplan zu belassen: «Man hat so später, wenn sich eine Notwendigkeit ergeben sollte, immer noch die Möglichkeit, darauf zurück zu kommen.» Eine gänzliche Streichung wäre «ein Fehler, der sich später einmal rächen könnte», warnte Kaspar Hug. Denn wenn das Gebiet Rietli einmal mit Wohnungen überbaut würde, wäre ein Zurückkommen vollends durch zu erwartende Einsprachen blockiert.

So heiss gegessen wurde die Suppe dann doch nicht. Der Stadtrat buchstabierte zurück und präzisierte: Die Spange verbleibe zwar im Richtplan, aber auf einer unverbindlicheren Stufe. Sprich: «mit längerem zeitlichen Horizont», wie der Stadtrat erklärt. Und damit nun die Motion erledigt haben möchte.

Die nächste Parlamentssitzung findet am Dienstag, 21. März, um 19 Uhr, im Seeparksaal statt.