ARBON: Die Trümpfe besser ausspielen

Nach Kräften bemüht sich Arbon Tourismus, mit den beschränkten Mitteln Gäste in Arbon zu halten. Die Stadt könnte noch mehr tun, ihr Potenzial und die Lage am See besser zu nutzen. Präsident Kaspar Hug würde eine überlagernde Tourismuszone begrüssen.

Max Eichenberger
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Kaspar Hug, Präsident von Arbon Tourismus, und Bernadette Keller, Leiterin des Infocenters, in dessen Räumlichkeiten. (Bild: Max Eichenberger)

Kaspar Hug, Präsident von Arbon Tourismus, und Bernadette Keller, Leiterin des Infocenters, in dessen Räumlichkeiten. (Bild: Max Eichenberger)

Max Eichenberger

max.eichenberger@thurgauerzeitung.ch

Arbon Tourismus buhlt um Gäste, vermarktet die Stadt und die Region als Destination von Urlaubern und vermittelt Dienstleistungen. Wo und wie machen eigentlich Sie selber Ferien?

Kaspar Hug: Zu Sommerbeginn bin ich mit meiner Frau auf ein Angebot von Schweiz Tourismus eingestiegen. Wir machten eine Woche die Grand Tour Schweiz mit dem Auto, meist auf Nebenstrassen. Ein sehr schönes Erlebnis: wir entdeckten so Orte, wo wir zuvor noch nie waren.

Bernadette Keller: Ende September, Anfang Oktober reise ich nach Portugal. Dort wohnt meine Tochter.

In der Ferienzeit ist Präsenz aber im Infocenter gefragt.

Keller: Wir kümmern uns um die Touristen und deren Anliegen – das ist unser Tagesgeschäft. Hauptsächlich sind es Anfragen, zum Beispiel, was man hier unternehmen kann, welche Angebot es gibt von einer Schifffahrt auf dem See bis zu Museumsführungen. Oder sie fragen nach einer Unterkunft. Im Juni hatten wir 971 Kontakte, davon 275 telefonische. Dann beantworteten wir 233 schriftliche Anfragen, der überwiegende Teil Mails. 463 Personen standen im Büro hier an der Schmiedgasse.

Zimmer zu vermitteln, dürfte nicht einfacher geworden sein, seitdem in verschiedenen Kategorien Betten verschwunden sind (Hotel Metropol, Sonnenhof). Wonach fragen die Leute?

Keller: Das Angebot ist das eine, der Preis und der starke Franken spielen auch eine wesentliche Rolle. In diesem Jahr vermittelten wir mehr Übernachtungen in Privatunterkünften als in Hotels. Vor allem günstige Zimmer sind gefragt und am besten belegt. Meist sind hundert Franken das oberste Limit. Der Aufwand ist oft recht gross: Manchmal müssen wir eine halbe Stunde beraten und telefonieren, bis wir Gästen weiterhelfen und sie unterbringen können. Auch sind Anbieter nicht immer erreichbar.

Hug: Eine Familie mit Kindern oder ein Paar will nicht 250 Franken zum Schlafen ausgeben. Das ist neben der Währungssituation bei ausländischen Touristen die Krux. Privatzimmer sind mehrheitlich ausgebucht. Sogar Ferienwohnungen laufen gut.

Dann fehlt es an Hotelbetten im günstigeren, erschwinglichen «Budget»-Segment?

Hug: Ein Dreistern-Hotel fehlt, ja. Oder eine entsprechende Pension in einem vernünftigen Preissegment. Da sähe ich einen Markt – nicht für ein Spitzenhotel mit vier oder gar fünf Sternen. Viele Leute sind einerseits anspruchsvoll, wollen aber doch nicht viel ausgeben.

Im ehemaligen Saurer-Areal plant HRS das Hotel WerkZwei – als Alternative zum stillgelegten «Metropol», wo der Investor die Überbauung Riva realisieren will. Das Konzept mit dem breiten Angebotssegment von Budget, Familien, Ferien bis Business käme dem Markt entgegen…

Hug: Genau! Das könnte Arbon bestens brauchen. Das wäre ideal.

Jetzt sistiert HRS aber vorläufig das Hotel-Projekt, bis der Arealentwickler die Freigabe für die «Metropol»-Überbauung bekommt …

Hug: Also, objektiv gesehen muss man das «Metropol» abbrechen und das Projekt Riva bauen können. Ich bin aber der Meinung, drei oder vier Stockwerke weniger als die vierzig Meter täten es auch. So bekäme man wohl eine Einigung hin. Der ganzen Region wäre so am besten gedient. Man kann nicht alles unter eine Käseglocke stülpen.

Im Riva-Sockelgeschoss gäbe es einen grösseren Restaurationsbetrieb und einen Saal.

Hug: Ja, und das am See. Wenn ich mir die Landkarte anschaue, dann hat Arbon – als Trumpf – viel Seeanstoss. Das ist ein grosses Kapital, unser Aufhänger sozusagen. Wir müssen die Lage am Wasser besser in unser touristisches Gesamtpaket einbauen und vermarkten.

 

Fehlt denn aus Ihrer Sicht ein touristisches Gesamtkonzept? Und eine überlagernde Tourismuszone am See? Man hat zuweilen den Eindruck, es werde nur partiell mal da oder dort etwas angestossen. Und dann versäumt selbst die Stadt auf dem Hafendamm eine Umzonung für einen Gastro-Pavillon …

Hug: Ein touristisches Entwicklungskonzept für die ganze Seemeile würden wir sehr begrüssen, um gezielter und koordiniert in Richtung Attraktivitätssteigerung arbeiten zu können. Das Restaurant beim Seepark etwa ist für diese Lage zu klein und müsste vergrössert werden. Projektstudien hat es gegeben. Das Land mit der Kühlschrankfabrik müsste man einbeziehen. Als Ersatz für die Wunderbar ist dereinst das «Seehus» im ZuK geplant. Etwas in der Art eines Biergartens wäre noch wünschenswert.

Keller: Das Angebot am See ist zu bescheiden, auch restaurationsmässig. Es fehlt die Atmosphäre, wie sie andere Ufergemeinden ausstrahlen. Man sollte nicht alles mit Wohnbauten zupflastern. Es gibt Ideen für eine Belebung der Promenade, die mit relativ wenig Aufwand realisierbar wären. Von der Gelateria bis zu einer E-Bike-Ladestation. Man muss nur wollen.

Arbon hat nicht nur den See, sondern auch eine historische Altstadt, die Potenzial hätte…

Hug: … in die aber unbedingt wieder mehr Leben gepumpt werden sollte. Es gibt viele tote Räume. Um mehr Leben hinein zu bringen und Möglichkeiten zu schaffen zum Beispiel für die Gastronomie, müsste man sich auch hier eine überlagernde Tourismuszone überlegen. Ein Paradebeispiel, was möglich ist, ist die «Usestuehlete». Im Schloss sollte eine Wirtschaft ins Erdgeschoss, so dass man den Innenhof einbeziehen könnte.

Keller: Wir haben wohl Tagestouristen, aber wenn diesen wenig geboten wird, sind sie bald wieder weg. Mit unseren beschränkten Möglichkeiten bemühen wir uns sehr, auch neue Angebote zu entwickeln, damit die Leute hier verweilen.

Zum Beispiel?

Hug: «Auf den Spuren des Heiligen Gallus» ist eine geführte Wanderung das Steinacher Tobel hinauf. Es gibt eine Stadtführung auf dem Rad, eine geführte 22 Kilometer lange Radtour durch die Region. Der neben einigen anderen Verzeichnissen, die jeweils aktualisiert werden, neue Prospekt «Freizeit und Kultur» etwa enthält beschriebene und mit Kartenmaterial ergänzte Spazierrouten in der Region. Wir vermitteln Museumsführungen, veranstalten selber Stadtführungen. Neu erklärt Hansjörg Willi Besuchern die «Kunst im öffentlichen Raum». Nächstes Jahr planen wir etwas in der Art mit den Wirtschaften, historisch angereichert.