ARBON: Die Konkurrenz ausstechen

Trotz des regierungsrätlichen Aufschubs rüstet die Stadt auf im Standort-Seilziehen um das Historische Museum Thurgau. Eine Arbeitsgruppe arbeitet an einem Konzept, das all die Trümpfe ausspielt.

Max Eichenberger
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Das Schloss könnte dereinst das Historische Museum Thurgau beherbergen – mit Einbezug der Umgebung. (Bilder: Max Eichenberger)

Das Schloss könnte dereinst das Historische Museum Thurgau beherbergen – mit Einbezug der Umgebung. (Bilder: Max Eichenberger)

Max Eichenberger

max.eichenberger@thurgauerzeitung.ch

Beim Gezänke, wer denn nun in mittlerer Zukunft als Standortgemeinde das Historische Museum des Kantons beherbergen soll, ist gegenwärtig «Ringpause». Der Kanton habe zwar die Evaluation auf Eis gelegt und wolle prioritär die Neukonzeption des Kunstmuseums angehen. Für die Stadt Arbon, die sich um das Museum bemüht, spiele das «nicht eine so grosse Rolle, weil es sich um ein langfristiges Projekt handelt», sagt Max Gimmel.

Er hat als einer der Ersten mit Mitstreitern die Stadt Arbon als künftigen Standort für das Historische Museum ins Spiel gebracht und damit die spätere offiziell durch Stadtpräsident Andreas Balg und Stadtrat Peter Gubser in Frauenfeld deponierte Bewerbung ausgelöst. Nun gehört Gimmel einer hochkarätigen siebenköpfigen Arbeitsgruppe an, die der Stadtrat bestellt hat. Neben Balg, Gubser, Vizestadtpräsident Patrick Hug und Kantonsrat Andrea Vonlanthen vervollständigen Achim Schäfer, Präsident der Musemsgesellschaft Arbon, und Rudolf Bär, Leiter des Saurer Museums, die Arbeitsgruppe.

«Die Industriegeschichte hat im Schloss begonnen»

Diese Arbeitsgruppe soll nun ein Konzept erarbeiten, das im Buhlen um die «Vergabe» bei den kantonalen Instanzen sticht. Neben Frauenfeld (jetziger Standort im Schloss) ist auch Romanshorn im Rennen. Der durch den Regierungsrat verordnete Aufschub bedeute nun nicht, dass man in Arbon hadert und den Fuss vom Pedal nimmt: «Trotz regierungsrätlicher Bremse: wir bleiben beharrlich dran», bekräftigt Gimmel. «Wir haben jetzt Gelegenheit, Ideen zu konkretisieren und ein fundiertes, bestechendes Konzept zu erarbeiten.» Binnen eines Jahres ungefähr soll dieses erstellt sein. Zunächst brauche es eine sorgfältige Analyse. Die Gruppe hat sich bereits an die Arbeit gemacht.

In Arbon gäbe es verschiedene Optionen (Saurer Webmaschinenhalle, Schloss) und ergänzende Kombinationsmöglichkeiten. Über den Standort in der Stadt müsse man «noch nicht gross philosophieren». Es liege auf der Hand, dass das Schloss «eine grössere Bedeutung hat und auf lange Sicht einem stimmigen Zweck zugeführt werden könnte». Gimmel erinnert daran, dass auch die Industriegeschichte einst mit Saurer im Schloss begonnen hatte. Weil es alleine die konzeptionellen Anforderungen nicht zu erfüllen vermöge, gebe es Möglichkeiten, die Umgebung einzubeziehen. Etwa nebenan im alten Saurer Werk (ZiK-ZaK-ZuK). «Im Rahmen der weiteren Entwicklung des Areals könnte man sich eine moderne Ergänzung grundsätzlich vorstellen», sagt ZiK-Immo-AG-Teilhaber Konradin Fischer. «Aber dies müsste sicher in Absprache mit der FPT Motorenforschung erfolgen um sicherzustellen, dass deren Entwicklung nicht eingeschränkt würde.»

«Arbon hat ein Alleinstellungsmerkmal»

Im Gegensatz zu Frauenfeld habe Arbon geschichtlich vielfältige, ganz direkte Bezüge, verweist Max Gimmel auf einen Zeitbogen von 5500 Jahren Geschichte, die in Arbon Spuren hinterlassen hat. «Die Geschichte ist nirgendwo im Kanton so breit abgebildet wie in Arbon – von den jungsteinzeitlichen Siedlern bis zur Industrieepoche. Das ist unser Alleinstellungsmerkmal», betont Achim Schäfer, Präsident der Museumsgesellschaft Arbon als Trägerin des lokalen Historischen Museums im Schloss. Seine Zukunftsvision ist, dass dieses im neuen kantonalen Museum in Arbon aufgehen wird. Etliche Fundexponate am heutigen Museumsstandort Frauenfeld stammten übrigens auch aus Arbon.

Gimmel verweist zudem darauf, dass das moderne Museumsverständnis über Hellebarden, Ritterausrüstungen und Kerker hinausgeht. «Und wenn man von der Denkmalpflege des öftern das Gefühl vermittelt bekommt, Arbon mit Zeitzeugen aus allen Epochen sei ein Denkmal, sollte man dem auch Rechnung tragen und uns das Museum geben, worin sich diese Geschichte spiegelt.» Demgegenüber habe Frauenfeld bisher nicht mehr zu bieten als einen Kasernenumbau.

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