ARBON: Die Flügel ausfahren

Die Altstadt ist um eine Ausstellung reicher. Bei der Installation «Nester» geht es um Schwalben und deren Behausung. Start ist beim ehemaligen Portierhaus Saurer Werk I in der Altstadt.

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Gut besucht war die Vernissage beim ehemaligen Saurer-Portierhaus in der Altstadt. (Bild: Hedy Züger)

Gut besucht war die Vernissage beim ehemaligen Saurer-Portierhaus in der Altstadt. (Bild: Hedy Züger)

Viele Zugvögel sind zurück und werden bald brüten. Dies nimmt die Zürcher Künstlerin Regula Weber zum Anlass, mit der Installation «Nester» auf die schwindende Artenvielfalt in der Vogelwelt aufmerksam zu machen. Sie eröffnete ihre Ausstellung in der Arboner Altstadt, begleitet von der Projektleiterin Heidi Heine und einer bedeutenden Gruppe. Fast in jeder Gasse ist ein künstliches Schwalbennest platziert. Wer der Liste am Portierhaus des Saurer Werks I folgt, muss den Blick spähend aufwärts richten, um es zu entdecken.

Während es für echte Schwalbennester 1500 kleine, mit Speichel vermischte Lehmkugeln braucht, die von den Schwalbenpaaren viel Fleiss fordern, setzte Regula Weber für ihre Installation Aluminium ein, das gekonnt in die Form der Schwalbennester gegossen wurde. Die erste Ausstellung hatte sie 2015 im Tessiner Dorf Bedigliora durchgeführt. Auch dort zeigten sich früher viele Schwalben – inzwischen ist ihr Bestand jedoch landesweit stark zurückgegangen.

«Nach Arbon kommen die Schwalben noch», sagte Heidi Heine an der Vernissage vor dem Haus zur Schwalbe, «nur die Mauersegler im Schlossturm sind noch nicht gesichtet worden.» Sie erwähnte den grossen Vogelzug, der sich jedes Jahr zwischen Europa und Afrika abspielt. Leider warteten an den Durchflugstrecken zahlreiche Vogelfänger auf Beute. In Europa seien es ­Pestizide, die den Vogelbestand dezimierten. «Mehlschwalben kommen heute nicht mehr ohne künstliche Nisthilfen aus», schreibt der am Kunstanlass beteiligte Natur- und Vogelschutz Meise. Sie dürften die Kunstinstallation von Regula Weber, Nester aus Aluminium, trotzdem nicht fürs Brutgeschäft wählen. Das ist auch nicht das Ziel der Ausstellung, die auf die grosse Problematik und die kleinen Dienste aufmerksam machen will, die wir – und die Vogelwarte Sempach – für die Vögel und die Natur allgemein leisten können.

Ausstellung läuft, so lange die Schwalben da sind

Die Ausstellung ist zum Wiedersehen mit den Schwalben eröffnet worden und wird beim ­Wegflug im Herbst abgebaut. Mehrere Führungen und poetische Rundgänge sind vorgesehen. Auch ein Wettbewerb wird damit verbunden: Wer verfasst die schönste Geschichte, malt das schönste Bild, wem gelingt die beste Fotografie zum Thema Vogelnester? Einzureichen sind sie im Geschichtenbüro im Portierhaus Werk I oder per E-Mail an mail@arboner-geschichten.org.

Hedy Züger

arbon

@thurgauerzeitung.ch