ARBON: Die Chronik der Arbeiterstadt

Zum 100-Jahr-Jubiläum der SP Arbon hat alt Regierungsrat Claudius Graf-Schelling ein Buch geschrieben. Es erzählt von der sachten Parteigründung, Notstandsarbeiten und davon, wie die Roten der Stadt ihr Gesicht gaben.

Tanja von Arx
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Claudius Graf-Schelling alt Regierungsrat und Buchautor (Bild: Benjamin Manser)

Claudius Graf-Schelling alt Regierungsrat und Buchautor (Bild: Benjamin Manser)

ARBON. Im Oktober sprach man noch von einer Broschüre mit 40 Seiten, und heute liegt ein 136seitiges Buch vor. Anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums der SP Arbon hat alt Regierungsrat Claudius Graf-Schelling die Geschichte des «Roten Arbon» aufgearbeitet. In «Roth und Röter» zeigt der Autor anhand von Versen, Zitaten und Illustrationen, wie die Arbeiterbewegung das Bodenseestädtli zu dem gemacht hat, was es heute ist.

«Es ist eigentlich seltsam»

«Eigentlich seltsam», sagt Graf-Schelling. Zwar wirkten die Sozialdemokraten von Arbon schon 1906 an der Gründung der SP Thurgau mit, und deren Präsidium lag bis 1962 fast ausschliesslich in Arboner Händen. Dennoch war die Bewegung bis 1916 ein Agglomerat eigenständiger politischer Vereine, die antragsberechtigt waren gegenüber der kantonalen und nationalen Partei. Erst während des Ersten Weltkriegs kam die Parteieinheit, den Durchbruch schaffte die SP Arbon 1925 und als der Rote August Roth Gemeindeammann wurde.

Claudius Graf-Schelling alt Regierungsrat und Buchautor (Bild: Benjamin Manser)

Claudius Graf-Schelling alt Regierungsrat und Buchautor (Bild: Benjamin Manser)

«Die 30er-Jahre und die Notstandsarbeiten sind dürftig dokumentiert», sagt Graf-Schelling. Es sei aufwendig gewesen, die Dokumente zu beschaffen, nach denen man in aller Regel im Staatsarchiv Thurgau und im Museum Arbon recherchierte. Der Alt-Regierungsrat vermutet, dass schlechtere Zeiten wie die Arbeitslosigkeit infolge Wirtschaftskrise in besseren Zeiten verdrängt wurden.

Insgesamt sichtete man viel Material, sagt Graf-Schelling; das Buch zählt 104 Abbildungen. Teils solche, die erstmals veröffentlicht wurden, teils solche, an die man sich nicht zurückerinnert. Ihm sei nach seiner Pensionierung genügend Zeit zur Verfügung gestanden, sagt Graf-Schelling. «Da ich immer in Arbon gewohnt habe, erlaubte es mir den Blick zurück – ich konnte vieles einordnen.»

Als grössten Verdienst der Arboner Roten erachtet Claudius Graf-Schelling, dass sie das Ufer öffentlich gemacht hätten. «Durch den Kauf des Schlosshofs war die Seeufergestaltung möglich.» Man habe Aufschüttungen vom Hafen bis zum Seeparksaal gemacht, die der Stadt ihr heutiges Gesicht geben.

Heute noch die stärkste Partei

Auch wenn laut Chronik die Zeit des «Roten Arbon» 1957 endet, ist die SP noch heute die stärkste Partei im Stadtparlament. Graf-Schelling verweist darauf, dass die SP als einzige Schweizer Partei den Namen nie geändert hat. Das zeige ihre Stärke und ihren Status, besonders in Arbon. Durch die konstruktive und sachbezogene Politik– «Politik vom Volk fürs Volk», wie der Alt-Regierungsrat sagt – würden Probleme auch in Zukunft klug und realistisch gelöst.

Graf-Schelling: Roth und Röter, 136 S., käuflich bei Arbon Tourismus.

Eine Chronik im Uhrzeigersinn: Die SP Arbon beim 1.-Mai-Umzug 1991, die Wahlbroschüre der Arbeiterschaft aus dem Jahr 1949 sowie der rote Gemeindeammann und die treibende Parteikraft August Roth. (Bilder: pd)

Eine Chronik im Uhrzeigersinn: Die SP Arbon beim 1.-Mai-Umzug 1991, die Wahlbroschüre der Arbeiterschaft aus dem Jahr 1949 sowie der rote Gemeindeammann und die treibende Parteikraft August Roth. (Bilder: pd)