ARBON: Deutsch als Startkapital

Damit fremdsprachige Kinder beim Schuleintritt genügend Deutschkenntnisse mitbringen, sollen diese spielerisch schon früh gefördert werden. Die Eltern nehmen dabei eine wichtige Rolle ein.

Maria Keller
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Das Lernen der deutschen Sprache soll in der Spielgruppe spielend integriert werden. (Bild: Max Eichenberger)

Das Lernen der deutschen Sprache soll in der Spielgruppe spielend integriert werden. (Bild: Max Eichenberger)

Maria Keller

maria.keller@thurgauerzeitung.ch

 

«Sprich Deutsch», sagt die Mutter zu ihrem Kind, das mit einem Gschpänli Verkaufslädeli spielt. Daheim spricht sie mit ihrer Tochter nicht Deutsch. In der Spielgruppe aber soll die Vierjährige mit der Sprache vertrauter werden, um so mit genügend Vorkenntnissen in den Kindergarten zu starten. Das ist ein Ziel des Projekts «Frühe Förderung – Bildungslandschaft Arbon», das vor bald zwei Jahren gestartet wurde. Projektleiterin Annette Beichl stellt klar: «Das ist keine Schule und kein Trainingskurs. Die Spielgruppe bleibt die Spielgruppe.»

Steigender Förderbedarf in Kindergärten

Immer mehr Kinder haben beim Eintritt in die Spielgruppe ungenügende Deutschkenntnisse. In den Kindergärten steigt der Förderbedarf. Dieser Entwicklung wirkt die Stadt entgegen. Im Rahmen des Projekts «Frühe Förderung – Bildungslandschaft Arbon» lassen die Leiterinnen neben der Motorik und Sozialkompetenz vermehrt das Erlernen der deutschen Sprache spielerisch in ihre Arbeit einfliessen. Neben Arbon sind die Spielgruppen auch in Frasnacht und Stachen vertreten. Zu Beginn der zweieinhalb Stunden versammeln sich alle Kinder im Kreis. Spielgruppenleiterin Leyla Ceylan gestaltet den Einstieg. Es wird eine kurze Geschichte vorgelesen und zusammen gesungen. Es sei schon wichtig, dass die Kinder lernen, ihre Sachen ordentlich hinzulegen, sagt Beichl. «Die Kindergärtnerinnen sehen schnell, welche Kinder in der Spielgruppe waren. Dieses Netzwerk zwischen Spielgruppen und Kindergärten ist enorm wichtig», sagt Beichl. Vorstandsmitglied Gabriella Romano hat es an ihren eigenen drei Kindern festgestellt. «Sie sind nach der Spielgruppe um einiges selbstständiger, konfliktfähiger und auch selbstbewusster.» Die Eltern werden aktiv in die Förderung ihrer Kinder mit einbezogen. Im Elternprogramm der Bildungslandschaft Arbon werden nach einem obligatorischen Einführungsabend verschiedene Elternbildungskurse angeboten.

Im Sommer Entscheid über Weiterführung

Wie kann ein fremdsprachiges Kind im Kindergarten den Anschluss finden? Was erwartet die Eltern, wenn ihr Kind in der Schweiz in den Kindergarten kommt? Fragen wie diese werden an den Abenden geklärt. «Es ist so schön zu sehen, wie die Eltern mitmachen», sagt Beichl. Der Austausch zwischen den Eltern aller Kulturen werde gefördert. Beichl schaut als Kursleiterin darauf, dass deutsch- und fremdsprachige Eltern ins Gespräch kommen. «Es soll ein Austausch stattfinden. Wer kann, hilft bei Übersetzungen, und man verständigt sich mit Händen und Füssen.» Wie die Kinder. Die Möglichkeit zur zweisprachigen Erziehung werde als Geschenk gesehen. «Dieses Alter ist der ideale Zeitpunkt, um die Zweisprachigkeit der Kinder zu fördern.» Das Interesse seitens der Eltern sei da. «Irgendwann kommen die Eltern auch mit eigenen Fragen auf uns zu.» Das Projekt wird finanziert durch die Stadt Arbon, die Primarschulbehörde, den Kanton Thurgau und die Jacobs Foundation. Wissenschaftlich erwiesen sei, dass der Besuch von zwei Wochenkursen für die Förderung am erfolgreichsten ist. Aktuell könne noch nicht gesagt werden, wie es mit dem Projekt weitergehen werde. Im Sommer 2018 endet die Pilotphase. «Wir sind daran, die Ergebnisse auszuwerten. Gemeinsam suchen wir nach Möglichkeiten der Weiterführung, denn das Angebot ist über Erwarten gut genutzt worden.»

Infos zur Weiterführung des Projekts sind ab Januar auf: ( www.spielgruppe-arbon.ch )