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ARBON: Denksport im Alter

Im Pflegeheim Sonnhalden wird geknobelt. Wöchentlich bietet Melanie Thalmann ein Gedächtnistraining für die Bewohner an. So sollen die Seniorinnen und Senioren geistig fit bleiben. Die Herausforderung bereitet ihnen auch Spass.
Maria Keller
Das Worträtsel der Kursleiterin fordert die Teilnehmer heraus. (Bild: Maria Keller)

Das Worträtsel der Kursleiterin fordert die Teilnehmer heraus. (Bild: Maria Keller)

Maria Keller

maria.keller@thurgauerzeitung.ch

Viele kennen es. Wenn die Grosseltern von früheren Zeiten erzählen, erinnern sie sich noch an das exakte Datum der Heuernte vor fünfzig Jahren oder gehen bis ins kleinste Detail bei der Beschreibung ihres Elternhauses. Wenn es aber darum geht, die Namen aller zehn Enkelkinder aufzuzählen, kommt der Grossvater doch ins Überlegen. Im Pflegeheim Sonnhalden wird jeden Dienstag ein Gedächtnistraining angeboten. Damit das Gehirn auch im Alter noch fit bleibt.

«Ich bin nicht ihre Lehrerin»

Melanie Thalmann organisiert das wöchentliche Gedächtnistraining im Pflegeheim Sonnhalden. In den eineinhalb Stunden leitet sie verschiedene Übungen an, die nicht nur das Kurzzeit­gedächtnis, sondern möglichst alle Bereiche des Gedächtnisses ­trainieren sollen. «Das Langzeitgedächtnis ist meist besser erhalten.» Viele Leute würden ausserdem denken, dass die Gehirn­plastizität mit dem Alter verloren gehe. Das Gehirn könne sich aber weiterhin neu strukturieren.

Ein Ziel der Übungen sei es, die beiden Gehirnhälften mit­einander zu verbinden. «Erst ist da noch ein Trampelpfad, der die linke und rechte Hälfte miteinander verbindet, später soll er zum Wanderweg und schliesslich zur Autobahn werden», sagt Melanie Thalmann. Sie arbeitet seit viereinhalb Jahren im Pflegeheim Sonnhalden als Leiterin der Aktivierung und Alltagsgestaltung.

Pünktlich um neun Uhr trudeln sieben Bewohner des Pflegeheims ein und versammeln sich um den Tisch. Das heutige Motto ist der Herbst. Passend dazu liegen Herbstblätter in allen Farben auf dem Tisch. Als Erstes werden auf einem ausgeteilten Bild alle Gegenstände mit H wie Herbst genannt. Keine Herausforderung für die Senioren. Später schreiben sie individuell zehn Dinge auf, die sie bei einem Herbstspaziergang sehen oder riechen. Diese sollen sie danach auswendig lernen. Zum Ende erzählt jeder Einzelne von seinem individuellen Spaziergang. Eine Frau kommt ins Schwärmen und schweift beim Erzählen ab. «Das war, als wären wir alle zusammen auf ihren Spaziergang gegangen», sagt Melanie Thalmann. Die anderen nicken zustimmend.

Zwischendurch singt man zusammen «Bunt sind schon die Wälder», um sich danach auf ein nächstes Worträtsel konzentrieren zu können. Dieses fordert heraus. Gedächtnistrainerin Melanie Thalmann will auf unterschiedliche Niveaus eingehen und allen eine Chance zum Knobeln geben. Fast wie in der Schule. Mit dem Unterschied, dass sie sich nicht als Lehrerin der Gruppe sieht. «Diese Menschen haben eine grosse Lebenserfahrung und brauchen keine Lehrerin.» Sie sehe es oft, wie Leute beim Arbeiten mit älteren Menschen in die Kindersprache abrutschen würden. Das ärgere sie jeweils sehr.

Freude an der Herausforderung

Man merkt, dass die Seniorinnen und Senioren Spass an der Herausforderung haben. «Sie verlangen manchmal sogar Hausaufgaben, das war nicht meine Idee», sagt Thalmann lachend. Es mache Freude, auch Erfolge beobachten zu können. Sie erinnere sich an das Beispiel einer Frau, die anfangs grosse Schwierigkeiten bei den Übungen hatte. «Irgendwann ist sie richtig aufgeblüht und hat grosse Fortschritte gemacht.» Neben dem Gedächtnistraining soll das Angebot auch die soziale Kompetenz stärken. Es wird zusammen ausgetauscht und gelacht.

Das Pflegeheim Sonnhalden bietet neben dem Gedächtnistraining zahlreiche weitere Beschäftigungsmöglichkeiten an. Darunter Turnen, Krafttraining, Kochen, Vorlesen, Handarbeiten, kreatives Gestalten sowie Singen und Musizieren.

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