ARBON: Das Wasser geht weite Wege

Die Wasserversorgung der Stadt liefert täglich durchschnittlich 9500 Kubikmeter Trinkwasser. Wichtig für die Versorgung ist das Reservoir in Berg mit drei Kammern, die nachts gefüllt werden.

Ramona Riedener
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Brunnenmeister Marcus Glinz im Reservoir in Berg. (Bild: Ramona Riedener)

Brunnenmeister Marcus Glinz im Reservoir in Berg. (Bild: Ramona Riedener)

Ramona Riedener

arbon@thurgauerzeitung.ch

Wenn nach monatelanger Dürre endlich das kostbare Nass vom Himmel fällt, führen die Bewohner einiger Teile dieser Erde Freudentänze auf und danken ihrem Wassergott für den Segen. In der spanischen Hafenstadt Valencia treffen sich heute noch jeden Donnerstagmittag beim Tor der Kathedrale acht historisch gekleidete Richter zum «Tribunal de las Aquas», dem Wassergericht. Sie entscheiden dort öffentlich über die Wasserverteilung auf den Feldern der Huertas und über Streitigkeiten zwischen den Bauern und Landbesitzern.

Vor rund 200 Jahren versorgten sich die Arbonerinnen und Arboner von gerade mal vier öffentlichen Brunnen. Dieser Gang zum Brunnen gehörte zum täglichen Leben, denn fliessendes Wasser im Haus gab es noch nicht. Das kostbare Gut zum Trinken, Kochen, für die Körperpflege, zum Wäschewaschen und zum Tränken der Tiere musste mühevoll angeschleppt werden. In unseren Bereitengraden kann man sich diese Probleme kaum vorstellen. Zuverlässig und sicher sprudelt heute jeden Tag die gewünschte Menge, meist in der gewünschten Temperatur und in bester Trinkqualität aus den Wasserhähnen.

Vom Seewasser zum Trinkwasser

Die Stadt Arbon verfügt über ein ausgeklügeltes System, welches dafür sorgt, dass die rund 14300 Einwohnerinnen und Einwohner, die Industrie und die Landwirtschaft sowie teilweise Nachbargemeinden jederzeit mit ausreichend Wasser versorgt werden. Marcus Glinz von der Arbon Energie AG trägt seit 14 Jahren seinen Teil dazu bei. Er und seine Arbeitskollegen sind zuständig für die Wasserversorgung der Stadt. Der Kreislauf des Wassers beginnt im Wasserwerk beim Schwimmbad. Dort wird das Wasser aus dem Bodensee gepumpt und mit modernsten technischen Anlagen zu Trinkwasser aufbereitet, bevor es über ein ausgeklügeltes Rohrsystem zu den Verbrauchern oder ins Reservoir in die Nachbargemeinde Berg gepumpt wird.

Was sich dort verbirgt, sieht man dem unscheinbaren kleinen Gebäude nicht an. «Nachts, wenn der Strom günstiger ist, wird das Wasser in die drei Kammern des Reservoirs gepumpt», erklärt Brunnenmeister Glinz. Dort wird es aufbewahrt. Eine Mircrofilteranlage sorgt dafür, dass die Luft zwischen Wasserspiegel und Kammerdecke gereinigt wird. Eine Niveaumessung überwacht den Wasserstand in den Kammern. «Während des Tages werden Haushaltungen und Industrie von hier aus mit frischem Wasser beliefert.

Durchschnittlich sind es täglich 9500 Kubikmeter, die verbraucht werden», erklärt der Fachmann. Jetzt in der Ferienzeit sei der Wasserabgang mit 90 Litern in der Sekunde relativ gering. Im Normalfall sind es 120 bis 150 Liter. Der diesjährige Rekord mit 20000 Kubikmetern beziehungsweise 20 Millionen Litern sei an einem Junitag gemessen worden.

Türen riegeln Kammern hermetisch ab

Fast wie ein futuristischer Swimmingpool in einem Bunker sehen die Wasserkammern aus. Sie verführen bei den heissen Tempe-raturen geradezu zu einer Ab-kühlung. «Das wäre nicht zu empfehlen! Das Wasser hat ge-rade mal sieben Grad», warnt Glinz schmunzelnd.

Eine Tür riegelt die Wasserkammern hermetisch ab. Dies einerseits, um ein Auslaufen zu verhindern. Und anderseits, damit keine Keime eindringen können. Dies ist gleichzeitig die grösste Sorge der Zuständigen, dass es zu Verschmutzungen des Wassers kommen könnte. Zum Beispiel durch einen Unfall mit auslaufendem Öl oder Chemikalien auf dem Bodensee.

«Zum Glück ist das noch nie passiert.» Die Wasserqualität wird laufend vom Kanton überwacht. «Unsere monatlichen Wasserproben sind stets in Ordnung», freut sich der Wassermeister.