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ARBON: «Das geht überhaupt nicht»

Im Saurer Werk Zwei lässt Zalando Retourenartikel verarbeiten. Sozialhilfebezüger und Arbeitslose haben so zu Arbeit gefunden. Für einen Stundenlohn von 17 Franken. Kritik übt die Gewerkschaft, die Stadt ist froh um die Jobs.
Maria Keller
In der ehemaligen Saurer-Halle an der Textilstrasse werden neuerdings Retourenartikel von Zalando kontrolliert. (Bild: Max Eichenberger)

In der ehemaligen Saurer-Halle an der Textilstrasse werden neuerdings Retourenartikel von Zalando kontrolliert. (Bild: Max Eichenberger)

Maria Keller

maria.keller@thurgauerzeitung.ch

Die MS Direct AG hat eine ehemalige Saurer-Industriehalle an der Textilstrasse bezogen. In der Halle werden seit Oktober von hundert Angestellten Retourenpäckli von Zalando kontrolliert. Der Einstiegslohn erhitzt die ­Gemüter. 17 Franken seien zu ­wenig, heisst es in den sozialen Netzwerken von allen Seiten. Die Stadt sieht hingegen vermehrt den positiven Aspekt dahinter.

Sozialhilfebezüger in Tagesstruktur einführen

«Ich bin grundsätzlich positiv eingestellt, ich begrüsse diese niederschwelligen Angebote», sagt der Arboner Stadtrat Hans-Ulrich Züllig, Verantwortlicher des Ressorts Soziales und Gesellschaft. Natürlich sei der Lohn tief, «aber was ist die Alternative? Es braucht Arbeitsplätze für Menschen wie Sozialhilfebezüger. Und das Wichtigste ist, dass sie dadurch in eine Gemeinschaft und in eine Tagesstruktur eingeführt werden.» Auch für die Stadt Arbon bedeute das schliesslich eine Entlastung, wenn solche Menschen wieder eine Arbeit fänden. Auch Lukas Feierabend, Leiter der Abteilung Soziales bei der Stadt Arbon, zeigt sich erfreut über diese Stellen für ungelernte Menschen. «Die Realität sieht nun einmal einen niedrigen Lohn vor, diese Arbeit stellt aber eine Chance für viele dar, die sonst auf der Sozialhilfe sitzen bleiben würden.» Er habe eine liberale Ansicht diesbezüglich, es sei gut, dass solche Arbeitsplätze geschaffen würden. «Der tiefe Lohn bleibt dabei der einzige Wermutstropfen.»

«Recht auf faire Bezahlung»

Scharf fällt hingegen die Stellungnahme von Stefan Brülis­auer, Leiter der Sektion Säntis-Bodensee der Gewerkschaft Unia, aus. «Mit einem solchen Lohn wird die Notsituation von sozial schwachen Leuten natürlich ausgenutzt. Das geht für uns überhaupt nicht», hält er fest. Auch Sozialhilfebezüger haben laut Brülisauer ein Recht auf eine faire Bezahlung. Korrekt wäre seiner Ansicht nach ein Mindestlohn von 22 Franken. «Natürlich sind wir froh, wenn jemand den Einstieg in den Arbeitsmarkt ­wieder schafft, das macht das Ganze aber auch nicht korrekter», sagt Stefan Brülisauer weiter. Schliesslich hätten die Angestellten nicht viel mehr in der ­Tasche, als wenn sie vom Sozialamt abhängig geblieben wären, das sei natürlich nicht der Sinn und Zweck. Grosse Unternehmen sollten laut Brülisauer dazu fähig sein, ihren Mitarbeitern einen gerechten Lohn zahlen zu können.

Zu einer einzelnen Firma möchte sich Judith Müller, stellvertretende Leiterin des Amts für Wirtschaft und Arbeit (AWA), nicht äussern. «Es lässt sich ­sagen, dass der Stundenlohn von 17 Franken in der Verpackung für ungelernte Arbeitskräfte üblich ist.» Dies sei auch so im Lohnbuch Schweiz verzeichnet, sagt Judith Müller. Generell prüfe aber die Tripartite Kommission des Kantons regelmässig, ob ein Betrieb die orts-, berufs- und branchenüblichen Löhne missbräuchlich unterschreite.

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