ARBON: Das Froschkonzert bleibt aus

Grüne Lungen sind lebenswichtig. Die Biologen Laurenz Winkler und Erica Willi zeigen auf, warum Wiesen besser sind als Rasen.

Hedy Züger
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Park Werk Zwei: beispielhafte extensive Gestaltung. (Bild: Max Eichenberger)

Park Werk Zwei: beispielhafte extensive Gestaltung. (Bild: Max Eichenberger)

Weder verkleben Mücken neuerdings unsere Autoscheiben, noch surren sie nachts um unsere Ohren. Das lässt aufhorchen. Laurenz Winkler und Erica Willi berichten an einem Informationsabend über die städtischen Grünanlagen, dass der Uhu nicht mehr im Simishölzli hockt, die Schleiereule nicht mehr nach Kratzern kommt und das Froschkonzert am Philosophenweg seit manchem Frühling ausfällt. Diese Beobachtungen gäben zu denken.

Aufnahmen aus Quartieren belegen Verarmung

Im SP-Lokal ging es den beiden Referenten vor einer grösseren Zuhörerschaft darum, negative und positive Zeichen und Entwicklungen aufzuzeigen – und Eigeninitiative anzustacheln. «Die Nachkommen sollen doch auch noch Vögel und Grünräume er­leben.» Laurenz Winkler und Erica Willi verwiesen auf Handlungsfelder hier und beispielhafte ­Aktivitäten dort. In Städten wie ­Zürich und Basel wurde erkannt, dass das Aussterben von Vögeln und Insekten – ihre Bestände sind dramatisch am Schwinden – die Menschen selber gefährdet. «Es ist nicht einfach, diese Entwicklung zu stoppen, denken wir ­darüber nach.» Der Begriff Bio­diversität schliesst alles Leben und alle Tier- und Pflanzenarten ein. Die Umsetzung von Vereinbarungen werde auch bei uns vernachlässigt, so Winkler. Seine Aufnahmen aus den Quartieren sind klare Beweismittel. «Biodiversität erbringt aber unverzichtbare Leistungen für die Wirtschaft und die Gesellschaft», sagt er. Es gehe auch um unsere Gesundheit.

Einfacher ist oft besser und unterhaltsarmer

Was zu tun sei: Nichts mehr zubetonieren, natürliche Böden erhalten, für Parkflächen offene Steine verwenden, Hecken aus diversen Gebüschen gestalten. In intensiv genutzten Gebieten ist für Ausgleich zu sorgen: für kleine Grünflächen und grosse Bäume. Die Stadt muss sparen? Diesem Einwand setzte Erica Willi gerechnete Beispiele von Blumenbeeten mit Wechselflora kontra Grünflächen mit Gehölz entgegen. Diese brauchen, ebenso wie Blumenwiesen statt Rasen, weniger Pflege, was die Kosten halbiert. Verbliebene Grünräume sind zu erhalten, nicht zu überbauen, auch nicht mit Park­feldern, die kein Regenwasser schlucken können. Schulen und Kirchgemeinden schliessen bei den Biologen gut ab. Positiv fallen die Grünstreifen an der NLK auf, besonders in der Blütezeit. Honig- und Wildbienen fliegen diese ­Adresse an.

Hedy Züger

arbon@thurgauerzeitung.ch