ARBON: Chinesen fahren auf Saurer ab

Seit der Industriekonzern Jinsengh Saurer Embroidery übernommen hat, ist der alte Firmenstolz wieder erwacht. Und Pan Xuepeng, der oberste Chef, ist ein erklärter Fan und grosszügiger Donator des Saurer-Museums.

Max Eichenberger
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Ruedi Baer empfängt chinesische Delegation: Parteigrösse Quan Zhezhu (im dunklen Mantel), daneben Jinsengh-Eigner Pan Xuepeng. (Bild: PD)

Ruedi Baer empfängt chinesische Delegation: Parteigrösse Quan Zhezhu (im dunklen Mantel), daneben Jinsengh-Eigner Pan Xuepeng. (Bild: PD)

Max Eichenberger

max.eichenberger@thurgauerzeitung.ch

Schon dreimal stattete der Konzernchef dem Museum einen Besuch ab. Einmal mit einer hochrangigen Regierungsdelegation. Ein nächster ist angekündigt, was die Freiwilligen des Oldtimerclubs Saurer (OCS) um Präsident Ruedi Baer, die unter der Stiftung als Trägerschaft das Museum betreiben, ganz schön auf Trab hält.

2013 haben die Chinesen einen Teil des OS-Oerlikon-Textilgeschäftes übernommen. Davor war die verbliebene Saurer-Stickmaschinen-Sparte Teil des OC-Oerlikon-Verbunds. Nach der Übernahme durch Jinsengh ordneten die neuen Eigentümer an, dass wieder, wie einst, die Saurer-Lettern auf der Industriehalle zu installieren seien. Damit war Saurer quasi wieder auferstanden. Damit erwachte bei den langjährigen Beschäftigten auch wieder der ursprüngliche Firmenstolz.

Umgekehrt war dies eine Reverenz der Spitze des Konzerns, der weltweit in 132 Ländern 24000 Menschen beschäftigt, an die Tradition wie an die Ingenieursleistung des alteingesessenen, wenngleich geschrumpften Arboner Unternehmens. Der Übernahmevertrag war übrigens im Bundeskanzleramt unter den Augen von Kanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble unterzeichnet worden.

Grosszügiger Donator des Saurer-Museums

Offensichtlich empfinde Investor Pan Xuepeng das Saurer-Stickmaschinengeschäft als «Perle», weiss Ruedi Baer, Präsident des Oldtimerclubs Saurer, um dessen Interesse an Saurer – auch an der Firmengeschichte. «Schon dreimal war er höchstpersönlich im Saurer-Museum zu Besuch.»

Nach der ersten Visite sei Pan derart beeindruckt gewesen, dass er den Betreibern, dem Oldtimerclub Saurer, auf Weihnachten gleich einen Check über 50 000 Franken zukommen liess.

Damit finanzieren die Museumsmacher ihr Projekt «Wissensradar», das im Juni startet. Ein aufwendiges Projekt: Eine grosse Datenbank, die unter anderem mit Clips und Interviews bestückt wird, ist im Aufbau begriffen, damit «noch lebendes Wissen» über das Unternehmen und das Funktionieren von Technik, Maschinen und Systemen nicht verloren geht.

Bevor eine exklusive Delegation von chinesischen Regierungs- und Wirtschaftsvertretern – mit dabei: Pan Xuepeng selbstverständlich – vor vierzehn Tagen vom Bundesrat empfangen worden war, stattete sie dem Saurer- Museum einen Besuch ab. Man habe nicht gewusst, welche wichtigen Leute alles da waren, die sich in der Schweiz auf Einkaufstour begaben, sagt Baer. So waren er und seine Mitstreiter verblüfft, dass mit Quan Zhezhu eines der ranghöchsten Mitglieder des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei und weitere Spitzenfunktionäre zugegen waren.

Die wichtigen Leute haben die grössten Visitenkarten

«Die einflussreichsten Leute haben immer die grössten Visitenkarten und unterschreiben auch am ausgreifendsten», weiss Hans Stacher, der zunächst eigentlich Pan eine Stickerei übergeben wollte. Quan Zhezhus Unterschrift füllte fast eine Seite im Gästebuch. «Wir wissen nicht, was die Herren sonst noch ins Gästebuch geschrieben haben. Aber es sieht so richtig chinesisch aus», lacht Baer.

Die Chinesen halten die Museumsmacher auf Trab. Auf gestern Mittwoch hat sich ein Vertreter einer Filmproduktionsequipe angekündigt. Im Museum rekognosziert er für den Dreh eines Trailers über die Firmengruppe.

«Grossartig – eine grössere Wertschätzung gibt es kaum», schwärmt Ruedi Baer. Und kann sich vorstellen, wer da die Hand im Spiel gehabt hat. Kurzerhand übernimmt er noch eine Führung einer französischsprachigen Gruppe. Und bekommt soeben eine Nachricht aus Jintan, China, weitergeleitet: Herr Pan, der Saurer-Fan, will am 23. Juni schon wieder nach Arbon kommen.