ARBON: «Bevölkerung wird desavouiert»

Stadtrat und Kanton wollen via Gestaltungsplan 309 Gebäude für schutzwürdig erklären. Die Stimmberechtigten haben nur 187 gutgeheissen. Der Hauseigentümerverband ruft zur Einsprache auf.

Tanja von Arx
Drucken
Teilen
Auch das Haus an der Schmiedgasse 6 soll in den Schutzplan der Stadt aufgenommen werden. Hier ist eine Redaktion der «Thurgauer Zeitung» situiert. (Bild: Tanja von Arx)

Auch das Haus an der Schmiedgasse 6 soll in den Schutzplan der Stadt aufgenommen werden. Hier ist eine Redaktion der «Thurgauer Zeitung» situiert. (Bild: Tanja von Arx)

Tanja von Arx

tanja.vonarx@thurgauerzeitung.ch

Mit diesem Schritt würden der Stadtrat und das kantonale Departement für Bau und Umwelt (DBU) den Willen der Bevölkerung desavouieren. Der Vorstand des Hauseigentümerverbandes Region Arbon (HEV) zeigt sich erstaunt ob der Erweiterung des Schutzplans, genau genommen ob des Ausmasses und des Vor­gehens der zuständigen Stellen. Laut Vizepräsident Cyrill Stadler soll Arbon beim Schützen von Gebäuden auf einmal «eine nationale Führungsrolle» einnehmen. Erst 2014 sprachen sich die Stimmberechtigten denn noch für den Schutzplan mit 187 Gebäuden aus (siehe Kasten). Jetzt sollen im Rahmen eines erweiterten Gestaltungsplans aber 122 Gebäude zusätzlich unter Schutz gestellt werden, womit man auf rund 309 käme, wie die Stadt kürzlich mitteilte.

Angst vor ungewissen Kosten

Vor dieser Richtlinie hat der Verbandsvorstand Respekt, allem voran, weil die damit verbundenen Kosten nicht abschätzbar seien. «Sicher ist es ein Zeichen der spannenden Arboner Geschichte, dass jedes zehnte Gebäude in die Schutzplanung aufgenommen wird», sagt Stadler. Für Stadt und Kanton würde es jedoch hohe Beiträge bedeuten, wenn etwa ein schutzwürdiges Gebäude saniert werden müsste. Auch bei Rechtsfällen ginge es an, tief in die Kasse zu greifen. Zudem sei für betroffene Eigentümer damit ein Wertverlust verbunden, der sich auf die Finanzierung auswirken könne.

In diesem Kontext gibt es laut dem HEV-Vorstand ein weiteres Problem. Was genau geschützt werden soll, bleibe dem Stadtrat und dem DBU vorbehalten. «Der Eigentümer wird nicht dezidiert informiert.» Die Stadt habe lediglich eine lange Liste mit Adressen publiziert. Und jene Infos würden die Basis für den Entscheid bilden, Einsprache zu ­machen – das einzige Mittel, um gegen die Pläne rund um die Schutzwürdigkeit vorzugehen. «Wir sprechen von etwas völlig anderem, wenn lediglich die Fassade des Gebäudes schutzwürdig ist oder aber die Gesamtstruktur», sagt Stadler.

Die Einsprachefrist sei ferner sehr kurzfristig angesetzt. Sie läuft von morgen bis am 24. Mai. «Ist jemand in den Ferien, wie soll er dann die Frist schaffen?», fragt Stadler. Der Verbandsvorstand resümiert: «Für die Betroffenen bedeutet das eine plötz­liche Veränderung der Grund­lagen, verbunden mit grossen Einschränkungen und zusätzlichen Vorschriften.»

Stadler wirft dem Stadtrat auch vor, nicht klar zu kommunizieren, und spricht von einem «Kniefall vor dem Diktat der kantonalen Stelle». Der zuständige Stadtrat Peter Gubser sprach vorgängig von einer Einigung mit dem DBU. «Das Wort ist in dem Zusammenhang vermessen. Wir liegen mindestens fünfzig Prozent daneben.» Falls sich die Situation für die Stadt schwierig gestaltet habe, so hätte er erwartet, dass der Stadtrat den Anwohnern aufzeigt: «Wir können nicht anders handeln.»

Gratis-Rechtsberatung im Breitehof

Der HEV bietet betroffenen Hauseigentümern übernächste Woche eine kostenlose Rechtsberatung an. Anwalt Philipp Juchli beantwortet am Montag, den 15. Mai, im Breitehof von 14 bis 17 Uhr Fragen. Auch telefonisch steht er unter 071 447 88 95 zur Verfügung. Anmeldung für den Anlass erwünscht.