Arbon besitzt Bodenschätze

ARBON. 39 archäologische Eingriffe sind zwischen 2010 und 2015 in Arbon vorgenommen worden. So kamen Münzen und Gebeine ans Licht, zuvor auch ein römisches Bad und ein Pestfriedhof.

Hedy Züger
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Hansjörg Brem Leiter Amt für Archäologie (Bild: pd)

Hansjörg Brem Leiter Amt für Archäologie (Bild: pd)

Ob im Schlossareal, in der Bleiche, auf dem Bergli oder an anderen Stellen der Stadt – Arbon war früh besiedelt. Der Boden gibt immer wieder Schätze frei. Bei den Grabungen der letzten fünf Jahre wurde einiges ans Tageslicht geholt. Die Archäologen Hansjörg Brem und Simone Benguerel informierten auf Einladung der Museumsgesellschaft im Landenbergsaal. Sie wiesen auch auf das Unesco-Kulturerbe in der Bleiche hin.

Bleiche teilweise erforscht

In der Bleiche wurde mehrmals gegraben, unter der Liegenschaft von Päddy Sport liegen aber weitere nicht erforschte Schichten früherer Siedler. In zwei Jahren wird eine Kernbohrung zeigen, ob die Fundschichten noch im Wasser gesichert sind. Zwingende Massnahme für Arbon war, die Ausgrabungsplätze in den Schutzplan aufzunehmen. Neben dem Mayr-Haus befindet sich das Gebiet Bleiche I. «Das Meiste liegt noch im Boden, ob hier gegraben wird, hängt von der baulichen Entwicklung ab», sagte Brem.

Konfession offengelegt

Als 1986 die Martinskirche renoviert und eine Grabung durchgeführt wurde, legte diese ein römisches Bad frei. Weitere Funde aus der Römerzeit blieben bei der Grabung 2015 ausserhalb der Kirche aus. Dafür wurden weitere Gräber in mehreren Schichten entdeckt, da sich bei der Kirche während Jahrhunderten der Friedhof befunden hatte. Während einer Pestepidemie wurde an der Romanshornerstrasse ein weiterer Begräbnisplatz eingerichtet, bis zu 1500 Gräber seien im Zusammenhang mit Bauprojekten entdeckt worden, erklärte Hansjörg Brem. Skelette katholischer Arboner Einwohner habe man am kleinen Kreuz erkannt, das sie auf der Brust trugen. An der Römerstrasse wurden bei Leitungsbauten Gräber entdeckt. Archäologische Grabungen erlebten auch der Fischmarktplatz und die Schäfliwiese.

Simone Benguerel widersprach der Ansicht, es führe zu Verzögerungen am Bau, wenn die Archäologie beigezogen werde. Von sämtlichen Bodeneingriffen müsse diese Abteilung des Kantons Kenntnis haben.

1400 Jahre seit Gallus

Brem wartete mit Bildern und Angaben über frühere grosse Ausgrabungen auf. 1945 war interniertes polnisches Militär für Grabungen in der Bleiche eingesetzt worden, wo Funde aus der Bronzezeit sichergestellt wurden. Arbon habe mit dem Recht, Funde zu behalten, im Thurgau einen Sonderstatus. Brem wies auch auf die Kontinuität in der Besiedlung des Stadtgebietes hin, von der Römerzeit bis ins 21. Jahrhundert. Freude empfanden die Zuhörer bei der Aussage, Gallus habe in Arbon gelebt, höchstens mal in der Nähe etwas Ruhe gesucht. Gallus sei ein Arboner.

Eingeladen hatte die Museumsgesellschaft. Vizepräsident Albert Kehl rundete die Referate ab mit der Bemerkung: «Arbon ist reich, der Reichtum liegt mehrheitlich unter dem Boden. Wir Arboner sind von den Ergebnissen der Grabungen immer wieder fasziniert.»