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ARBON: Am Grössenwahn gescheitert

Der Gesundheitstag lockt viel Publikum in den Hamel. Neben Fachvorträgen erinnert Albert Kehl an die Zeit der Industrialisierung.
Den Namen Heine mochte niemand mehr hören. Später schrieb Hamel ein neues Kapitel des Stickmaschinenbaus. (Bild: Max Eichenberger)

Den Namen Heine mochte niemand mehr hören. Später schrieb Hamel ein neues Kapitel des Stickmaschinenbaus. (Bild: Max Eichenberger)

So viele Besucher wie am gestrigen Sonntag hatte es im Hamel-Markt nur an der Eröffnung und zuvor bei den Baustellenführungen. Anbieter von Dienstleistungen im Gesundheitsbereich – von Physio, Gehörberatung bis Fitness – öffneten ihre Türen. Verschiedene Fachvorträge weckten ein beachtlich grosses Interesse bei Besuchern. Auf dem Rundgang bot sich Gelegenheit, populär aufgearbeitete wissenschaftliche Informationen und Tipps von Spezialisten aufzunehmen. Neben praxisnahen Demonstrationen konnten en passant auch Checks gemacht werden.

Börsencrash und Machtstreben

Albert Kehl, Vizepräsident der Museumsgesellschaft Arbon, fesselte die Zuhörer mit einem Lichtbildervortrag zur Entstehungsgeschichte der Heine-Stickereifabrik und des späteren ­Hamel. Dabei bediente er sich Projektionen von Fotografien aus dem Bestand des Museums.

Angefangen hatte es damit, dass Adolph Saurer sich dafür bei der Ortsgemeinde einsetzte, dass diese dem Deutschamerikaner Arnold Baruch Heine Sumpfland im Südosten der Gemeinde abtrete. 1908 beschäftigte Heine in seiner Fabrik, die er in rasantem Tempo aus dem Riedland ­gestampft hatte, bereits über 2200 Arbeiter – und dazu ebenso viele Heimarbeiterinnen. Die Fabrik betrieb drei eigene Dampfturbinen zur Stromversorgung.

Die «Lust an der Grösse und der Macht», schilderte Kehl einen Charakterzug Heines, brach dem Industriellen jedoch bald schon das Genick. Der Börsencrash 1907 in den USA und eine wirtschaftliche Hochrisikostrategie standen am Anfang des jähen Zusammenbruchs des Heine-­Imperiums. Jährliche Schulden von zwei bis drei Millionen Franken, damals eine enorme Summe, verkraftete das Unternehmen nicht. Das «Bluff-System», wie Kritiker Heines Imperium bezeichnet hatten, fiel in sich zusammen. Heine selber entzog sich nach seiner Entmachtung der Strafverfolgung durch Flucht in die USA. Die Verfolger der Gläubigerbank folgten ihm auf der «Titanic». Sie überlebten das Schiffsunglück.

Albert Kehl erinnerte, dass das schnelle Wachstum und der hohe Ausländeranteil von 50 Prozent schon um 1910, als es noch 118 Wirtschaften gab in Arbon und schon 10000 Menschen in der Stadt wohnten, von sozialen Spannungen begleitet war. (me)

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