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ARBON: Altrocker werden älter

Am Wochenende werden wieder 24000 Musikfans an den See pilgern. Das Summerdays Festival ist eine Erfolgsgeschichte. Trotzdem müsse es sich erneuern, sagt Veranstalter Cyrill Stadler. Bodenständig werde es bleiben.
Max Eichenberger
Vom Bauhelfer zum Festivalpräsidenten: Cyrill Stadler hat die Summerdays nach Arbon geholt. Es erlebt seine neunte Auflage. (Bild: Max Eichenberger)

Vom Bauhelfer zum Festivalpräsidenten: Cyrill Stadler hat die Summerdays nach Arbon geholt. Es erlebt seine neunte Auflage. (Bild: Max Eichenberger)

Max Eichenberger

max.eichenberger@thurgauerzeitung.ch

Die lachsfarbenen Shorts passen fast wie die Faust aufs Auge zum frischen Logo des Summerdays Festivals. Cyrill Stadler lehnt an die Banderole, die das Areal in den Arboner Quaianlagen umzäunen – und ist entspannt-zufrieden, wie der Aufbau der Festivalstadt auf dem Gelände direkt am Wasser, zwischen Hafen und Schwimmbad, vorankommt.

Der 43-Jährige hat als Festivalmanager, der mit seiner gewachsenen Organisation auch das Open Air St. Gallen sowie neu das Seaside Festival in Spiez und die Zürcher Unique Moments mitverantwortet, ein Heimspiel. Seit 2002 nämlich wohnt der Teilhaber einer St. Galler Vermögensverwaltungsfirma in Arbon und mischt als FDP-Fraktionsmitglied im Parlament auch in der Politik mit. Der See und die Aussicht auf einen Bootsplatz haben den zweifachen Familien­vater hier sesshaft werden lassen. Er schwärmt von der prächtigen Lage der Stadt am Bodensee.

Wo die Kulisse zum Gesamtangebot gehört

Diese Lage war denn auch ein starker Beweggrund, das Jonschwiler Open Air nach Arbon zu holen und daraus eine neue Marke zu kreieren. Das war 2009. Begründet wurde damit eine Erfolgsgeschichte. Am Entscheid mitbeteiligt war seinerzeit Christof Huber, einer, der als Initiant des Open-Air-Kinos auf dem Fliegerdenkmalplatz aus eigener Erfahrung genau wusste, was diese Kulisse wert ist für einen Eventveranstalter. Huber, damals schon in Personalunion in der St. Galler Open-Air-Organisation dabei, ist heute noch Programmverantwortlicher auch für das Summerdays Festival. «Wir wussten beide, dass wir in Jonsch­wil auf die Jahre hinaus nicht glücklich werden würden», blickt Stadler auf den Entscheid zurück.

Offene Türen eingerannt haben die beiden im Stadthaus. «Der damalige Stadtpräsident Martin Klöti war begeistert und sagte sofort: ‹Das müsst Ihr machen!›» Alle hätten sofort gewusst, wovon man sprach: Ein qualitativ hochstehendes Festival sollte es werden, «eine gepflegte Veranstaltung mit Stil und gehobenem Komfortstandard, die in den Rahmen der Quaianlage passt, die sich von gewöhnlichen Open Airs abhebt und dabei trotzdem faire Ticketpreise bietet». Das habe man eingelöst.

Im Teenageralter als Bauhelfer angefangen

In Abtwil war Cyrill Stadler sozusagen mit Open Airs aufgewachsen. Sein Jungschar-Leiter Freddy «Gagi» Geiger hatte den legendär gewordenen St. Galler Event in Abtwil begründet. Das landwirtschaftliche Festivalgelände hatte später Stadlers Vater gar erworben. Cyrill Stadler heuerte als Fünfzehnjähriger als Bauhelfer an. «Über die Freizeitschiene – die musikalische kam später.» Seither hat er einen Fuss in der Szene – und ist darin in ständig gewachsenen, immer stärker professionalisierten Strukturen gross geworden. Mit anderen Weggefährten aus Jungschar-Zeiten, wie Felix Grubenmann, heute für den Foodbereich zuständig.

Unter dem Holdingdach Wepromote AG, in deren Verwaltungsrat Cyrill Stadler sitzt, operieren mittlerweile ein halbes Dutzend Entertainmentgesellschaften autonom und doch eng vernetzt – mit dreissig festen Mitarbeitern. Allein die Geschäftsstelle für St. Gallen und Arbon ist mit 700 Stellenprozenten dotiert. Weitere Funktionen werden auf Mandatsbasis extern wahrgenommen. Hinzu kommen in Arbon über 700 Helfer. Für die Festivals wendet der passionierte Segler inzwischen mehr als die Hälfte seiner Arbeitszeit auf. Einkunftsmässig resultiert indessen weniger als über das berufliche Standbein in der Vermögensverwaltung. Diese Woche weilt Stadler in Spiez (Seaside Festival), wo am selben Wochenende – als Premiere – das Summerdays-Programm gespiegelt wird. «Am Wochenende bin ich dann natürlich wieder in Arbon.»

Nahe bei den Künstlern und Bands

Dank der ebenfalls in der Holding einverleibten Gesellschaften Wildpony und Gadget haben die Festivalmacher über das eigene Netzwerk guten Booking-Zugriff auf Musiker und Bands. Festivalmanager Stadler weiss, dass das Erfolgsmodell Arbon («Classic Rock am Freitag und ein tendenziell jüngeres, frischeres Programm am Samstag») um eine konzeptionelle Erneuerung nicht herumkommt: «Die Woodstock-Kapellen, um es einmal salopp zu formulieren, sterben langsam aus» – und mit ihnen langsam auch das Publikum. So rocken Status Quo am Freitag ohne ihren im Dezember verstorbenen Rick Parfitt. 2013 war Nazareth-Sänger Dan McCafferty bei seinem Arboner Auftritt kollabiert.

Der bodenständige Touch werde bleiben, versichert Cyrill Stadler. In den Fokus dürfte vermehrt die Fraktion der Achtzigerjahre rücken, schwebt ihm etwa eine Gianna Nannini oder ein ­Brian Adams vor. Zudem arbeite man an der Location: «Was das Gesamtpaket anbelangt, wollen wir noch perfekter werden und den Lifestyle in unserem Angebot abbilden, insbesondere auch im Gastronomiebereich.» Ein gesittetes Publikum sind die Arboner Festivalbesucher schon lange: «Mit dem Abfall haben wir überhaupt nie ein Problem, wohl auch, weil auf dem Gelände nicht campiert wird. Das Pfandsysten würde es nicht einmal brauchen. Allein die tolle Lage gebietet Respekt genug.»

www.summerdays.ch

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