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ARBON: Affront gegenüber Kulturmachern

Der Verein Haus Max Burkhardt fühlt sich brüskiert: Der Stadtrat missachte den Auftrag des Parlamentes, wenn er die Jugendstilvilla nun doch verkaufen will. Und auch den Willen der Erblasser. Die Reaktion fällt harsch aus.
Max Eichenberger
Die Musikgesellschaft Neukirch-Egnach umrahmt die Neujahrsbegrüssung in der Rietzelghalle. (Bilder: Trudi Krieg)

Die Musikgesellschaft Neukirch-Egnach umrahmt die Neujahrsbegrüssung in der Rietzelghalle. (Bilder: Trudi Krieg)

Max Eichenberger

max.eichenberger@turgauerzeitung.ch

Was die Volksvertreter im September 2016 beschlossen hatten, war unmissverständlich: das Sonnenblumenhaus soll nicht veräussert werden. Der Stadtrat tat 2015 diese Verkaufsabsicht kund. Nach dem Parlamentsveto und nach Ablauf einer Moratoriumsfrist liebäugelte der Stadtrat zwar weiterhin mit dieser Option. Er bekam dann aber vom Parlament den klaren Auftrag, die Abtretung von Grundstück und Haus an eine Stiftung vorzubereiten.

Damit sollte das Konzept realisiert werden können, welches der Verein Haus Max Burkhardt erarbeitet hatte. Dieser war auf den Plan getreten mit der Idee, im denkmalgeschützten Künstlerhaus «Kultur im Kammerformat» zu entwickeln. Dem Stadtrat wollte nichts einfallen, das der Stadt als Legat zugefallene Haus sinnstiftend zu nutzen. Ausser es zu vermieten. Das war ein Flop.

«Unwürdig, wie man mit Ehrenamtlichen umspringt»

Unterdessen hat eine Arbeitsgruppe von Vertretern der Stadt und des Vereins die erforderlichen Grundlagen erarbeitet: Baurechtsvertrag, Stiftungsurkunde, Organsiationsreglement und Leistungsvereinbarung. Grundbuchamt und Stiftungsaufsicht haben die Dokumente vorgeprüft.

Vizepräsident Dominik Diezi glaubte, man habe vertrauensvoll zusammengearbeitet. Als Jurist erstellte er das vertragliche Gerüst. Alles schien auf die in der Arbeitsgruppe mit Vizestadtpräsident Patrick Hug vorbereitete Lösung hinauszulaufen. Und jetzt das: Im Gremium beschloss der Stadtrat unvermutet, sich vom Parlament die Kompetenz zum Verkauf geben zu lassen (TZ 28.12.). Nur falls sich das Parlament dem widersetzen sollte, sei der Baurechtsvertrag mit der Stiftung gutzuheissen.

Diezi reagiert auf diesen Sinneswandel perplex. Der Verein fühle sich desavouiert. Entgegen dem, was fundiert vorbereitet worden sei, fälle der lavierende Stadtrat «wieder so einen einsamen Beschluss und präsentiert erneut eine Auswahlsendung». Das sei unsäglich und gebe auch nach aussen ein unmögliches Bild ab, ist Diezi enttäuscht. Zumal sich an der Ausgangslage seit Herbst 2016 «überhaupt nichts geändert» und man über ein Jahr gemeinsam auf das vorgezeichnete Ziel hingearbeitet hat.

Unwürdig sei – abgesehen von der Brüskierung inhaltlich – schon die Kommunikation gewesen. Unpersönlich über die Botschaft, ohne dass die Delegation oder der Verein offiziell informiert worden wäre, schmerzt Diezi die Art, «wie man mit Leuten umspringt, die etwas für Arbon bewegen wollen und dafür unzählige Stunden einsetzen. So schafft man kein Klima für ehrenamtliches Engagement». Und müsse sich nicht wundern, wenn die Bereitschaft dafür in der Stadt immer mehr schwindet.

Vertrauensentzug und Blossstellung

Das angebliche Risiko, das den Stadtrat die Knie schlottern liess, bestehe für die Stadt überhaupt nicht, entgegnet Dominik Diezi. Sollte es wider Erwarten nicht gelingen, das nötige Kapital aufzubringen, würde der Stiftungsrat binnen zehn Jahren die Liquidation beantragen. Das Haus fiele an die Stadt zurück. Verloren wäre überhaupt nichts.

Doch anstatt dass der Verein die Chance erhält, endlich mit der nötigen politischen Rückendeckung die Realisierung seines Konzepts anzugehen, stellt der Stadtrat ihn mit dem Vertrauensentzug bloss. Auch das unsachliche Argument, der Stiftungsrat sei überaltert, sei unteres Niveau, hält ihm Diezi dieses vor: «Der Altersdurchschnitt des Stadtrates ist, glaube ich, noch höher.» Der Stadtrat argumentiert, es gebe schon genug Kulturräume in Arbon. «Kultur im Kammerformat ist aber etwas ganz anderes als das Presswerk», betont Diezi.

«Der Stadtrat hat nicht begriffen, worum es geht»

Starker Tobak ist für Vereinspräsidentin Ruth Erat das Verhalten des Stadtrates, der den klar bekundeten Willen des Parlamentes einfach ignoriere. Und offensichtlich ohne Gegenprojekt auf Feld Eins zurückgehen will.

Auch grundsätzlich habe der Stadtrat nicht verstanden, worum es geht: «Die Stadt hat das Geschenk angenommen – und damit die Verpflichtung, seinen Schutz gemäss dem Bundesamt für Kultur und der kantonalen Denkmalpflege zu gewährleisten». Mit einem Verkauf der Villa wäre dies aber in Frage gestellt. Möglich wäre, was der Verein vorgeprüft habe, gegen eine Verkaufsabsicht, die dem Willen der Erblasserin widerspräche, rechtlich vorzugehen. Mit guten Chancen. Doch ein Rechtsstreit hiesse, dass das Haus wieder länger leer stünde. Das, so Ruth Erat, würde der Bausubstanz schaden. Genau das will der Verein nicht.

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