ARBON: «80 Prozent ist’s egal, wo es stattfindet»

Das letzte Sommerlager im Lagerhaus «Rossfall» ist vorbei. Damit endet eine über hundertjährige Geschichte. Etwas Wehmut beschleicht auch Schulpräsidentin Regina Hiller.

Max.eichenberger@thurgauerzeitung.ch
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35 Dritt- bis Fünftklässler bildeten die letzte Gruppe, die ob Urnäsch eine Ferienwoche zubrachten. Waren da auch Emotionen im Spiel?

Andrea Hasler und Marianne Schilter haben ein Abschiedsfest organisiert. Gegen zwanzig ehemalige Lagerleiter sind gekommen. Es sind schöne Erinnerungen mit dem «Rossfall» verbunden, aber auch andere: wenn das Wetter schlecht war oder die Mausplage herrschte. Viele sind angetan, wie gut der «Rossfall» von der Schloss Kefikon AG als neuer Eigentümerin «zwäg gemacht» worden ist, ohne dass der Lagergroove verloren ging.

Und trotzdem führt die Primarschule dort keine Sommerlager mehr durch. Sie hat die Vereinbarung zur weiteren Nutzung gekündigt.

Wir hätten zwar den «Rossfall» weiter nutzen können, aber zu Konditionen, die jenseits unserer Schmerzgrenze liegen. 70 Franken pro Tag und Teilnehmer inklusive einer Betreuungsperson, die von der Vermieterin gestellt wird: das ist ein Hotelpreis – und gegenüber den Steuerzahlern nicht zu verantworten. Darin nicht eingerechnet sind übrigens auch Kosten von Hin- und Rückreise sowie Ausflüge und unserer Betreuungspersonen.

Wie viel teurer wäre das «Rossfall»-Lager gekommen?

Rund doppelt so teuer wie bisher. Hälftig teilten sich Schulgemeinde und Eltern in die Kosten.

Und einen Teil der Mehrkosten den Eltern zu überwälzen, liegt auch nicht drin…

Wir haben verschiedene Modelle geprüft. Es gab keine Lösung. Ich habe überwiegend Stimmen gehört, wir hätten die richtige Entscheidung getroffen.

Nächstes Jahr findet das Lager zu alten «Rossfall»-Konditionen im Haus Gonda in Ladir bei Ilanz statt.

Ja, in der ersten Ferienwoche wieder unter der Leitung von Andrea Hasler und Marianne Schilter. Wir sind froh, diese Lösung gefunden zu haben.

Dass weniger Kinder teilnehmen werden, davon gehen Sie nicht aus?

Nein, die letzten fünf Jahre war die Nachfrage ziemlich konstant. Und bei einer Fragebogenerhebung, die wir letztes Jahr gemacht haben, gaben 80 Prozent an, es sei ihnen egal, wo das Sommerferienlager stattfindet.

Max Eichenberger

max.eichenberger@thurgauerzeitung.ch