Arbeitgeber üben sich in Selbstkritik

Mehr Engagement vor wirtschaftspolitischen Abstimmungen fordert Arbeitgeberpräsident Dennis Reichardt nach dem Desaster vom 9. Februar von den Unternehmern. Den Verband stimmt die Entwicklung in Arbon zuversichtlich. lm Juni wird erstmals ein Wirtschaftsgipfel veranstaltet.

Max Eichenberger
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Da war der Chef schon abgesetzt: Mitglieder der Arbeitnehmervereinigung Arbon im runden Sitzungssaal, wo jeweils der AFG-Verwaltungsrat tagt. (Bild: Max Eichenberger)

Da war der Chef schon abgesetzt: Mitglieder der Arbeitnehmervereinigung Arbon im runden Sitzungssaal, wo jeweils der AFG-Verwaltungsrat tagt. (Bild: Max Eichenberger)

ARBON. Als die Einladung der Arbeitgebervereinigung Arbon und Umgebung (AVA) an die Mitglieder erging, sass Daniel Frutig als Konzernchef der Arbonia-Forster-Gruppe noch im Sattel. Eigentlich wäre er persönlich Gastgeber der Generalversammlung am Konzernsitz in Steineloh gewesen und hätte die Führung durch das Corporate Center übernommen. Mit AVA-Präsident Dennis Reichardt sitzt Frutig im Vorstand der Thurgauer Industrie- und Handelskammer.

Hausherr ausgebootet

Doch inzwischen ist Frutig vom Verwaltungsrat ausgebootet worden. Einstimmig, wie Personalchefin Sandra Pitt, die ihn bei der Begrüssung vertrat und neu in den AVA-Vorstand delegiert wird, vorausschickte. In der schnellebigen Wirtschaft kommt es mitunter zu abrupten Wechseln und Strategieänderungen. Schon Edgar Oehler, der erste Hausherr und Erbauer des markanten silbernen Tempels, musste das erfahren. Dabei steht das Corporate Center noch keine sieben Jahre. Und zuletzt hat Frutig den Konzern derart umgebaut, dass kein Stein mehr auf dem andern blieb. Verschiedene Geschäftseinheiten sind veräussert worden. Noch wartet die STI Steinach, ehemals Hartchrom, auf ihre Loslösung von der AFG. Vorher dürfte es jedoch, vernimmt man die Befürchtung aus Gewerkschaftskreisen, noch zu einem weiteren Personalabbau kommen.

Arbon kommt voran

Die Ereignisse im Haus liessen die AVA-Vertreter jedenfalls nicht unberührt. Nach der Führung durch den eigenwilig-modernen Bau und dem Apéro ging man dann doch zur Tagesordnung über. Und da erkennt Dennis Reichardt für Arbon mit Blick in die Zukunft positive Tendenzen – und macht sogar einen Gegentrend aus: Während die Spitze des Baubooms in der Ostschweiz gebrochen sei, komme Arbon gut voran. HRS sei Dank: Denn der Motor ist die jetzt anlaufende Entwicklung im Saurer WerkZwei: «Hier entstehen in den nächsten Jahren 800 Arbeitsplätze und Wohnraum für 1200 Menschen.»

Von diesen Aussichten beflügelt, werde die Stadt in Zusammenarbeit mit den Gewerbe- und Arbeitgeberorganisationen am 1. Juni zum ersten Mal einen öffentlichen Arboner Wirtschaftsgipfel mit illustren Protagonisten im Seeparksaal veranstalten. Das Programm des Anlasses werde so aufgebaut sein, dass daran auch die Bevölkerung teilnehmen kann.

Zügel nicht aus der Hand geben

Der für die Wirtschaft desaströse Ausgang der Abstimmung über die Masseinwanderungsinitiative vom 9. Februar hat Dennis Reichardt zu einer Feststellung und einer Erkenntnis gebracht: «Wir Unternehmer dürfen den Kopf jetzt nicht in den Sand stecken.» Und: «Wir dürfen uns die Zügel nicht noch einmal waghalsig aus der Hand nehmen lassen. Wir müssen uns politisch künftig stärker einmischen», erwartet er auch ein entsprechendes Engagement der Mitglieder in den nächsten wirtschaftspolitischen Auseinandersetzungen.

70 Firmen, 3586 Mitarbeiter

70 Firmen mit noch 3586 Mitarbeitern gehören der Arbeitgebervereinigung aktuell an. Eine bessere Vernetzung werde die neue Internet-Plattform unter Federführung der IHK bringen. Neu und einheitlich geregelt hat die AVA die Unterstützung der Kindertagesstätten in der Region Arbon: Alle Institutionen werden, nach Einwohnern (79 Rappen) hochgerechnet, gleich alimentiert.

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