Apropos

Mit Ball und Karabiner geschossen Über hundert Jahre blieb er ziemlich unangetastet: 1961 wurde dem Forsthausplatz zwar eine Ecke abgezwackt. Damals war der neue Sportplatz Stacherholz erstellt worden. Jetzt wird er im östlichen Bereich umgegraben.

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Mit Ball und Karabiner geschossen

Über hundert Jahre blieb er ziemlich unangetastet: 1961 wurde dem Forsthausplatz zwar eine Ecke abgezwackt. Damals war der neue Sportplatz Stacherholz erstellt worden. Jetzt wird er im östlichen Bereich umgegraben.

Dort sind diese Woche die Gitterzäune gestellt worden und die Bagger aufgefahren, wo künftig bei der neuen Sporthalle die unterirdischen Garderoben zu liegen kommen werden. Die Junioren, die auf dem alten Platz weiter trainieren, können jetzt auf der reduzierten Fläche das Klein-Klein-Spiel üben. Später wird dann ein Teil des Baugeländes wieder Rasen.

Es wird nicht mehr der alte sein, der eine lange Fussballgeschichte erlebt hat. Umgeben von einer Bretterwand kickte der FC Arbon zu seinen glorreicheren 1.-Liga-Zeiten. Wer die Spiele sehen wollte, musste Eintritt zahlen. Schaulustige, die über die Wand kletterten, wurden hinaus komplimentiert; im Wiederholungsfall ziemlich rüde. Funktionäre gingen um den Platz und machten Billettkontrolle.

Schafften es die Arboner in die Cuphauptrunde und bekamen sie einen attraktiven Gegner zugelost, mussten Besucher tiefer ins Portemonnaie greifen. Die Grasshoppers waren auf dem Forsthausplatz ebenso schon zu Gast wie die Young Boys mit dem legendären Heinz Schneiter. 1961 oder 1962 setzte es gegen YB eine 0:16-Schlappe ab.

Gerammelt voll waren die Zuschauerreihen bei den Spitzenspielen jeweils – heute kommen, ohne Eintritt, längst nicht mehr so viele zu den Partien des FCA 05. Und wenn es stimmungsvoll wird, sind die gegnerischen Fans meist in der Überzahl.

Das Restaurant Forsthaus (heute «Giardino») vis-à-vis war das Clublokal des FC, ebenso der Schützen. Gegenüber, beim Sportplatz, stand das Schützenhaus, einst ganz an der Peripherie der Stadt. Von den Schiessständen der 300-Meter-Anlage wurde Richtung Süden geballert. Um den Zielhang hatte es Obstgärten – für Kinder ein Spiel- und Versteck-Eldorado.

Oft knallte es auch am Sonntagmorgen. Was die Anwohner am Ausschlafen hinderte. Inzwischen waren neue Wohnquartiere entstanden. Arbon wuchs westwärts. Es brauchte ein neues Schulhaus. Darum bot die Bürgergemeinde Hand zu einem Deal mit Stadt und Schulgemeinde: 1961–1963 entstand die Schul- und Sportanlage Stacherholz.

Die Schützen siedelten aus dem Wohngebiet aus und frönen seither im Tälisberg ihrem Hobby. Veteranen erinnern sich noch: wo im Sommer 2012 die Sporthalle eingeweiht werden wird, hantierten sie einst mit dem Karabiner.

Max Eichenberger