Apropos

Weibeln bis zur letzten Minute Die Zeiten scheinen endgültig vorbei, als es noch ein Gerangel gab, einen Platz auf einer Wahlliste zu ergattern.

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Weibeln bis zur letzten Minute

Die Zeiten scheinen endgültig vorbei, als es noch ein Gerangel gab, einen Platz auf einer Wahlliste zu ergattern. Auf Bezirksebene ist das personelle Reservoir zwar grösser, die Hemmung aber auch da auszumachen, von den Wählern ignoriert und auf einen Platz unter «ferner liefen» gesetzt zu werden.

Die «Rekrutierungsmasse» in der kleinräumigeren Lokalpolitik ist noch eingeschränkter – obwohl diese anderseits die Menschen näher berührt.

Es geht im Parlament um ortseigene Angelegenheiten: um den Steuerfuss und Fragen etwa, ob man auf dem König-Areal höher bauen darf und einer neuen Zone zustimmen soll.

Trotz engerem Bezug als auf Kantonsebene gelüstet es nicht viele Arbonerinnen und Arboner, statt dann und wann erfolglos und nervenstrapazierend die Faust im Sack zu machen, selber ins Geschehen einzugreifen.

Ein erster Schritt dazu wäre, sich bei einer den eigenen Anschauungen nahen Partei anzuschliessen, deren Versammlungen zu besuchen und Debatten mitzuprägen. Die Spezies der aktiven Parteigänger schrumpft besorgniserregend.

Ein nächster Schritt wäre, sich um einen Listenplatz für Wahlen ins Parlament zu bemühen. Heute ist es so, dass Parteipräsidien und Wahlausschüsse Albträume haben, wenn der Termin der Listenabgabe näherrückt und die Liste erst halbvoll ist.

Präsidentinnen und Präsidenten können ein Liedlein davon singen, wie zeitaufwendig und manchmal auch frustrierend die Rekrutiererei ist. Es bedarf – wie sie berichten – vieler persönlicher Gespräche, Telefonate sowie einer grossen Portion Motivierungs- und Überredungskunst.

Als einzige Partei hat die SP bis jetzt eine volle Liste beibringen können.

Doch auch dies erst nach einem Kraftakt an der Nominationsversammlung selber – nachdem der kurzfristige Absprung des Bisherigen Ueli Troxler Parteipräsident Bernhard Bertelmann gehörig ins Schwitzen gebracht hat. Die SVP beklagt «Wackelkandidaten» und musste eine noch unvollständige Liste provisorisch verabschieden. Laufs Woche wird die EVP ihre Kandidaten zusammengetrommelt haben. Den letzten Zwick an der Geissel werden die FDP und die CVP haben.

Der Termin für den FDP-Werbefotografen ist für übernächsten Sonntag anberaumt – einen Tag vor Ablauf der Abgabefrist. Gleichentags hofft auch die CVP, alle Köpfe beieinander zu haben.

Die Wähler können immerhin beruhigt sein: Es wird trotz Chnorz mehr Kandidaten geben, als Sitze im Parlament zu vergeben sind. Max Eichenberger