Apfel-Trophäe an Obstverwerter

Der diesjährige Motivationspreis der Thurgauer Wirtschaft ist an die Mosterei Möhl verliehen worden. Ausgezeichnet worden ist ein standorttreues Familienunternehmen, das Firmentradition mit Produkte-Innovation in Einklang bringt.

Max Eichenberger
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Die Gebrüder Möhl (Markus, Mitte, und Ernst, rechts) nehmen den «Thurgauer Apfel» aus den Händen von Peter A. Schifferle (links) und TKB-CEO Peter Hinder entgegen. (Bilder: Max Eichenberger)

Die Gebrüder Möhl (Markus, Mitte, und Ernst, rechts) nehmen den «Thurgauer Apfel» aus den Händen von Peter A. Schifferle (links) und TKB-CEO Peter Hinder entgegen. (Bilder: Max Eichenberger)

stachen/Arbon. Der «Thurgauer Apfel» als Motivationspreis könnte für eine Mosterei nicht passender sein, betonte Regierungspräsident Claudius Graf-Schelling, ehemaliger Pfadi-Kollege von Mitinhaber Ernst Möhl, in seiner Laudatio. Zum einen sei der Apfel ein Symbol für den Kanton Thurgau mit seinen einst dominanten Obstgärten, mittlerweile auch zu einem wirkungsvollen Instrument des Thurgauer Standortmarketings geworden, so Graf-Schelling, selbst «begeisterter Konsument» der Produkte, die in den Stachener Hallen und Kellern entstehen.

Leuchtturm in Stachen

Als zwölftem Empfänger ist der von der Industrie- und Handelskammer (HK) Thurgau, dem Thurgauer Gewerbeverband (TGV) und der Thurgauer Kantonalbank (TKB) ausgerichtete Motivationspreis 2010 der Mosterei Möhl zuerkannt worden. Das vor 120 Jahren gegründete traditionelle Familienunternehmen vertrete einerseits wichtige unternehmerische Grundwerte und wirtschafte anderseits mit einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Optik, würdigte Gewerbeverbandspräsident Peter Schütz die Preisempfänger. «Möhl ist ein Leuchtturm in der Thurgauer Wirtschaft.»

Bodenhaftung und Innovation

Fleiss und Geschick, Verwurzelung und Bodenhaftigkeit zeichne die Gebrüder Ernst und Markus Möhl aus, die das Unternehmen heute in vierter Generation leiten, betonte Peter A. Schifferle, Präsident der Industrie- und Handelskammer Thurgau (IHK). Mit ihrer Unternehmenskultur und ihren innovativen Produkten sei die grundsolide und standorttreue Mosterei Möhl eine «glaubwürdige Botschafterin der Thurgauer Wirtschaft», sagte Schifferle vor versammelten Honoratioren aus Politik und Wirtschaft.

Und erinnerte, dass der Motivationspreis mit der Apfeltrophäe und 10 000 Franken dotiert 1999 aus dem Projekt «Chance Thurgau» heraus entstanden ist.

Einzigartig und zeitlos modern

Das strahlende Synonym der Marke Thurgau, das starke Bekenntnis zum Oberthurgauer Wirtschaftsstandort, die kreative Produktelinie mit entsprechendem Marketing hat laut TKB-CEO Peter Hinder die Jury beeindruckt. Zudem sei Möhl ein verlässlicher Arbeitgeber. Der Rohstoff, der bei Möhl veredelt wird zu Saft und Most, sei ebenso einzigartig wie zeitlos modern.

Das erfolgreiche Familienunternehmen bringe «Kontinuität und Wandel in Einklang, Konservierung und Innovation zur Harmonie», würdigte der in Arbon wohnhafte Regierungspräsident Claudius Graf-Schelling die Arbeit der Gebrüder Ernst und Markus Möhl sowie der 60 Mitarbeiter. «Es macht mich regelmässig stolz, wenn von der Mosterei Möhl und ihren Qualitätsprodukten die Rede ist», so Graf.

Beeindruckend sei, wie Möhl Brücken schlage zu neuen Produkten, aber auch täglich Brücken zu neuen Kunden. Als standorttreues Unternehmen habe Möhl in einem umkämpften Markt Erfolg. Most sei nicht nur ein gesundes, bodenständiges Getränk. Es trage auch namhaft zur Erhaltung einer vielfältigen Natur und zu einer schönen Landschaft bei.

Allerdings verhehlte er nicht, wie Fotografien dokumentierten, dass die Kulturlandschaft sich im Laufe der Zeit stark verändert hat und heute die Obstwälder nicht mehr so markant das Landschaftsbild prägen wie einst.

In vierter Generation

Angefangen hat die Möhl-Story damit, dass «Rössli»-Wirt Hans Georg Möhl um die vorletzte Jahrhundertwende auch andere Restaurants mit vergorenem Apfelsaft belieferte. Sohn Ernst Möhl Kellenberger konnte 1925 bereits einen Saurer-Lastwagen kaufen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm Ernst Möhl, der Vater der jetzigen Inhaber, das Ruder. Nach dessen frühem Tod sprang Ernst junior, damals 23jährig und Student, ins Wasser und übernahm die operative Leitung, 1977 dann zusammen mit dem jüngeren Bruder Markus. Sie schrieben die Familiensaga weiter, bewiesen sicheren Instinkt und Geschick, investierten in verschiedenen Etappen eine höhere zweistellige Summe in den Ausbau des Betriebs und blieben technologisch auf der Höhe der Zeit.

Eigenständig geblieben

Die Branche habe in den letzten vierzig Jahren einen ungeheuren Konzentrationsprozess durchgemacht, erinnerte Ernst Möhl gestern abend anlässlich der Preisübergabe. Von einst dreissig Betrieben seien drei Player übrig geblieben. «Und es erfüllt mich mit Stolz, dass wir heute eigenständig und gesund dastehen.» Die Preissumme gab Möhl weiter an das Projekt «Rokj», ein Sozialprojekt der Thurgauer Rotary Clubs zugunsten wirtschaftlich bedürftiger Jugendlicher.

Die «Apfel-Trophäe» geht in diesem Jahr an einen bodenständigen KMU-Betrieb.

Die «Apfel-Trophäe» geht in diesem Jahr an einen bodenständigen KMU-Betrieb.