Anwohner äussern Bedenken

Der Stadtrat Bischofszell hat ein Projekt für die Verlängerung der Laubeggstrasse in Richtung Bitziquartier in der Schublade. Auf grosse Gegenliebe stösst er damit jedoch nicht, wie ein Informationsanlass im Rathaus gezeigt hat.

Georg Stelzner
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Hier würde die verlängerte Laubeggstrasse in die Bitzistrasse münden; im Hintergrund das ehemalige Bischofszeller Schlachthaus. (Bild: Georg Stelzner)

Hier würde die verlängerte Laubeggstrasse in die Bitzistrasse münden; im Hintergrund das ehemalige Bischofszeller Schlachthaus. (Bild: Georg Stelzner)

BISCHOFSZELL. In den Quartieren Bitzi und Sattelbogen nimmt die Bevölkerung seit Jahren kontinuierlich zu, und das Obertor platzt bisweilen aus allen Nähten. Der Stadtrat sieht sich zum Handeln veranlasst, um die Situation zu entschärfen. Die Lösung soll darin bestehen, die Laubeggstrasse gegen Osten hin zu verlängern und auf Höhe des Turnerwegs in die Bitzistrasse münden zu lassen. Dazu müsste das ehemalige Schlachthaus abgebrochen und und ein rund 100 Meter langes Strassenstück neu erstellt werden. Im Bürgersaal des Rathauses informierten am Mittwochabend Stadtrat Boris Binzegger, Bauverwalter Sacha Derron und Projektleiter Christian Zwick über das geplante Bauvorhaben.

Zeitgewinn für Feuerwehr

«Ziel ist es, den Obertorplatz vom Verkehr zu entlasten und eine alternative Wegfahrmöglichkeit Richtung Bischofszell Nord zu schaffen», erklärte Binzegger. Er erinnerte daran, dass die ins Auge gefasste neue Sammelstrasse bereits vor zehn Jahren in den Richtplan aufgenommen und vom Regierungsrat genehmigt worden sei. Der für das Ressort Bau und Verkehr zuständige Stadtrat gab zu bedenken, dass die heutige Situation auch für die Feuerwehr problematisch sei. Derzeit habe sie gar keine andere Möglichkeit, als über den in einer Tempo-30-Zone befindlichen Obertorplatz zum Einsatzort zu gelangen. Von einer direkten Verbindung von der Bitzi- zur Grabenstrasse würde auch die Feuerwehr profitieren.

Christian Zwick wies darauf hin, dass im Osten der Gehweg bis zum alten Schlachthaus und der Einlenker von der Bitzistrasse bereits erstellt seien. Die vorgesehene Breite der verlängerten Laubeggstrasse bezifferte der Ingenieur mit fünfeinhalb Meter.

Sogwirkung befürchtet

Der Zeitplan sieht vor, das Projekt im Herbst öffentlich aufzulegen und die Gemeindeversammlung vom 1. Dezember über den nötigen Kredit abstimmen zu lassen. Ob es dazu kommen wird, ist nach der Diskussionsrunde vom vergangenen Mittwoch zumindest fraglich.

Unter den zahlreichen Votanten gab es nämlich keinen einzigen, der sich für die Realisierung des Projekts aussprach. Vielmehr wurde wiederholt die Befürchtung geäussert, dass eine Verlängerung der Laubeggstrasse eine unzumutbare Verkehrszunahme zur Folge hätte und die Sicherheit für nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer signifikant abnehmen würde. Daran konnte auch die Ankündigung Binzeggers nichts ändern, die heutige Kurve beim «Laubegge» in einen Einlenker umzuwandeln. Mehrere Anwohner beklagten. dass die Tempo-30-Limite schon jetzt von vielen Autofahrern nicht eingehalten werde. Als neuralgischer Punkt wurde auch die Einfahrt in die Grabenstrasse kritisiert. Dem alten Schlachthaus würde hingegen niemand nachtrauern. Jemand schlug vor, dieses Gebäude so oder so abzubrechen und am gleichen Standort neue Parkplätze zu erstellen.

Noch ist nichts entschieden

Zu Wort meldeten sich auch zwei ehemalige Stadtammänner. Bernhard Koch ersuchte den Stadtrat, das Projekt zurückzuziehen und die Notwendigkeit der geplanten Strassenverlängerung zu überdenken. Die Rahmenbedingungen hätten sich seit 2005 nämlich stark geändert, argumentierte Koch. Josef Mattle konstatierte eine unterschiedliche Interessenlage. Er schlug vor, die Schaffung einer Begegnungszone mit einer Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h in die Überlegungen mit einzubeziehen.

Stadtpräsident Thomas Weingart versicherte den skeptischen Bürgern, dass der Stadtrat nicht zu stolz sei, um sich über das Projekt weitere Gedanken zu machen. «Ein Konsens ist nicht vorhanden», stellte Weingart fest. «Wir müssen uns mit der Thematik nochmals befassen.»