«Antibiotika missbraucht»

Der Freidorfer Arzt Bernhard Wälti referiert, wie er seine Erfahrung in Tadschikistan weitergibt.

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Schweizer Hausärzte werden vom Bund gezielt eingesetzt, um in Tadschikistan Hausärzte für eine bessere Diagnose anzuleiten. Der Arzt Bernhard Wälti aus Freidorf war während einiger Wochen fünfmal in der früheren Teilrepublik der Sowjetunion. Er berichtete vor der SP Arbon über Land und Leute sowie das Gesundheitswesen.

Zwar würden tadschikische Ärzte ein Medizinstudium absolvieren, doch dann gehe es direkt in den Einsatz; begleitete Assistenzjahre würden fehlen. Der Arztberuf sei wenig angesehen, sagte Wälti. Viele Mediziner sind im Zweitberuf Bauern, um einen Teil des Lebensunterhaltes zu sichern. Arztpraxen und Spitäler sind mangelhaft eingerichtet, es herrscht Korruption. Oft fällt die elektrische Versorgung aus, so dass Apparate kaum Sinn machen. «Kein EKG, kein Röntgen, kein Quick ist möglich», sagt Wälti. Abwasser und frisches Wasser bilden ein Risiko.

Kinder sind gehunfähig und debil

Ärzte sind Staatsangestellte. Trotzdem wechseln laut Wälti «Nötli» die Hand, wenn Patienten auf gute Behandlung und Medikamente hoffen. Diagnosen seien aber häufig falsch, jahrelanges Leiden die Folge. Antibiotikum werde krass missbraucht. Irrglaube und Unkenntnis seien häufig. Inzest und Verwandtenehen kämen vor. Kinder einer betroffenen Familie seien gehunfähig und debil.

Schweizer Ärzte haben die Aufgabe, die Untersuchungstechnik, wie wir sie kennen, zu trainieren. Bernhard Wälti und seine Kollegen haben mittlerweile in der Hauptstadt Duschanbe und der Grossregion alle 48 einheimischen Ärzte aufgesucht und mit ihnen Qualitätszirkel gebildet, um den Erfahrungsaustausch zu fördern. Der Freidorfer Hausarzt kann sich weitere Einsätze in Tadschikistan vorstellen und lernt zu diesem Zweck Russisch.

In der Diskussion im SP-Lokal wurde nach Kindersterblichkeit, Lebenserwartung und Familienplanung gefragt. Auch der Tourismus, das politische System und die Wirtschaftsförderung interessierten. Im Inland würden die Frauen arbeiten, sagte der Referent, tadschikische Männer hielten sich in grosser Zahl als Saisonarbeiter in Russland auf. Russisch werde an den Schulen gelehrt, aber Tadschikisch als Umgangssprache gefördert. (hz)