Annäherung an den Berufsalltag

BISCHOFSZELL/SITTERDORF. Ab Februar 2013 bieten die Bischofszeller Sekundarschulen Bruggfeld und Sandbänkli das Programm Lift an. Dessen Ziel ist es, Schüler mit einer geringen Chance auf eine Lehrstelle rechtzeitig an die Arbeitswelt heranzuführen.

Brenda Zuckschwerdt
Merken
Drucken
Teilen
Noch pauken sie im Klassenzimmer: Schülerinnen und Schüler des Sekundarschulzentrums Bruggfeld in Sitterdorf. (Bild: Brenda Zuckschwerdt)

Noch pauken sie im Klassenzimmer: Schülerinnen und Schüler des Sekundarschulzentrums Bruggfeld in Sitterdorf. (Bild: Brenda Zuckschwerdt)

Bei der Suche nach einer Lehrstelle kommt es nicht nur auf die Noten an. Auch die Persönlichkeit eines Schülers ist ausschlaggebend. Wer Mühe hat, pünktlich zu sein, wer nicht richtig kommunizieren kann oder unzuverlässig ist, für den stehen die Chancen schlecht, in der Arbeitswelt Fuss zu fassen.

Um solchen jungen Leuten auf die Sprünge zu helfen, hat das Netzwerk für sozial verantwortliche Wirtschaft NSW/RSE vor vier Jahren das Jugendprojekt Lift (die Abkürzung steht für: Leistungsfähig durch individuelle Förderung und praktische Tätigkeit) ins Leben gerufen. Schweizweit sind bereits 60 Schulen dabei, sieben davon im Kanton Thurgau. «Es ist ein geniales Projekt», sagt Valeria Fragola, Fachlehrkraft an der Sekundarschule Sandbänkli in Bischofszell. Sie setzt sich gemeinsam mit Martin Herzog, Schulleiter im Bruggfeld, für die Einführung von Lift an den Bischofszeller Sekundarschulen ein.

Erster Kontakt zur Arbeitswelt

Das Prinzip des Projekts ist einfach: In Zusammenarbeit mit dem Gewerbe werden für die betreffenden Jugendlichen Plätze geschaffen, an denen sie in ihrer Freizeit zwei bis vier Stunden pro Woche einfache Arbeiten verrichten können: Regale einräumen beispielsweise oder den Hofplatz wischen. Dabei geht es nicht darum, Jugendliche anzulernen oder sie an einen bestimmten Beruf heranzuführen. «Das Projekt ist keine Konkurrenz zur Berufsberatung oder einer Schnupperlehre», betont Valeria Fragola.

Für ihren Einsatz erhalten die Schüler ein kleines Entgelt, das einen gewissen Anreiz bieten soll. Noch wichtiger sei für die Jugendlichen aber die Erkenntnis, dass ihre Arbeit wichtig ist und geschätzt wird. «So bekommen sie das Gefühl dazuzugehören.» Das Arbeitsverhältnis läuft idealerweise von der ersten bis zur dritten Oberstufe. Am Ende erhalten die Jugendlichen ein Arbeitszeugnis, das ihnen helfen kann, eine Lehrstelle zu finden.

Schüler machen freiwillig mit

Parallel zur Arbeit in den Betrieben werden die Jugendlichen in zwei Lektionen pro Woche von Valeria Fragola und Martin Herzog gecoacht. Sie lernen etwa, dass es wichtig ist, pünktlich zu ein oder sich bei Krankheit rechtzeitig beim Chef abzumelden.

Die Schulbehörde hat in der Zwischenzeit grünes Licht für das Projekt gegeben. Die Klassenlehrer der beiden Sekundarschulzentren Bruggfeld und Sandbänkli sind derzeit dabei, Schüler auszuwählen, die von Lift profitieren könnten. Diese können aus allen Sekundarstufen kommen. Sind die Jugendlichen und deren Eltern einverstanden, wird eine Vereinbarung mit Lift getroffen.

Für die erste Gruppe rechnet Martin Herzog mit fünf bis sieben Schülern. Nächsten Februar beginnt das Coaching; ab Frühling sollen sich die Jugendlichen dann in die Betriebe begeben.