«An diese Lösung dachte niemand»

Der Zürcher Architekt Carl Fingerhuth ist Präsident der Kreuzlinger Stadtbildkommission und hatte den Vorsitz des Preisgerichts. Er empfindet das Siegerprojekt als einen wunderbaren Beitrag fürs Zentrum.

Urs Brüschweiler
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Blick von Osten: Entlang der Pestalozzistrasse gibt es einen überdeckten Gang vom Bärenkreisel bis zum Haupteingang. (Bild: pd/niggli+zbinden architekten bsa sia)

Blick von Osten: Entlang der Pestalozzistrasse gibt es einen überdeckten Gang vom Bärenkreisel bis zum Haupteingang. (Bild: pd/niggli+zbinden architekten bsa sia)

Herr Fingerhuth, das neue Stadthaus soll nahe beim Dreispitzsaal stehen. Welche architektonische Bedeutung hat das?

Carl Fingerhuth: Der Dreispitz und das Stadthaus sind beides öffentliche Bauten. Sie stören sich nicht gegenseitig, sondern entfalten eine gemeinsame Wirkung.

Was sind die Vorzüge des Siegers?

Fingerhuth: Es ist kein Trümmer, sondern ein niedriger, langer Bau. So ein Stadthaus gibt es auf der ganzen Welt noch nicht. Es ist ein Weiterbau am Schulcampus und integriert sich ins Gefüge. Es ist nicht nur ein schönes Haus, sondern eine städtebauliche Lösung und somit ein wunderbarer Beitrag fürs Zentrum.

Wie wichtig war, dass die Festwiese frei bleibt?

Fingerhuth: Kreuzlingen ist aus drei Dörfern entstanden, und die historische Mitte bildete stets diese Festwiese. Es ist den Architekten des Siegerprojekts gut gelungen, dass dieser Ort, der so wichtig ist für die Identität der Stadt, möglichst viel Kraft behält.

Eine viel diskutierte Frage bei der Planung des Stadthauses war die Sicht auf die Kirche St. Ulrich.

Fingerhuth: Das Stadthaus und die Kirche sollen sich nicht in die Quere kommen. Es stellte sich die Frage, von welchen Orten man am Stadthaus vorbei noch auf die Kirche sehen kann. Die Architekten haben eine Lösung gefunden, an die vorher niemand gedacht hatte. Die Projekte, die einen Klotz mitten auf dem Bärenplatz vorsahen, haben dieses Ziel deutlich verfehlt.

Hat sich die Jury schwer getan, einen Sieger auszuwählen?

Fingerhuth: Zuletzt waren noch zwei Stangen-Bauten und zwei Würfel-Bauten im Rennen und wir diskutierten über die richtige Typographie. Wir kamen dann einstimmig zu diesem Ergebnis.

DLegende (Bild: pd)

DLegende (Bild: pd)

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