AMRISWIL: Zur Strafe Justin Bieber

Auf ihrem Besen ritt die kleine Hexe am Sonntagnachmittag durch das Pentorama und hexte nicht nur, sondern zauberte den vielen Kindern mit ihren Eltern auch so manches Lächeln ins Gesicht.

Manuel Nagel
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Die kleine Hexe muss sich bei der Hexenprüfung beweisen – und erfährt dabei, dass sie als Hexe ein zu gutes Herz hat. (Bild: Manuel Nagel)

Die kleine Hexe muss sich bei der Hexenprüfung beweisen – und erfährt dabei, dass sie als Hexe ein zu gutes Herz hat. (Bild: Manuel Nagel)

Im Pentorama herrschte ein quirliges Gewusel von unzähligen kleinen Beinen. Nur wenige Tage nach dem Abba-Musical war diesmal die Besucherschar deutlich jünger, und die Erwachsenen waren klar in Unterzahl – waren im wahrsten Sinne des Wortes nur eine Begleiterscheinung. Allenfalls mussten sie noch das Portemonnaie zücken, um die Produkte eines Grossverteilers zu kaufen, der im Foyer mit einem Stand seine Lebensmittellinie für Kinder bewarb und verkaufte.

Vor Beginn liefen zwei Hexen vor der Bühne herum und hielten artig ihre schaurig gruseligen Köpfe hin, um mit den Kindern für ein spezielles Foto fürs Familienalbum zu posieren – und so den Kleinsten vielleicht auch etwas die Angst vor den Hexen zu nehmen. Dann gingen im Saal die Lichter aus und die Hexenparty konnte beginnen.

Eine hätte jedoch nicht mittun dürfen, da sie die Hexenprüfung noch gar nicht bestanden hatte: die kleine Hexe, gespielt von Camilla Gomes dos Santos. Im Interview mit unserer Zeitung verriet die Schauspielerin, dass Regisseur Matthias Keilich den Akteuren viel Freiraum in der Rollengestaltung liess und dass auch das Publikum die neuen Interpretationen gut aufnehme.

Poledance mit Hexenbesen und Deutschen-Bashing
Allerdings waren einige der Adaptionen durchaus gewagt, und manch ein Elternteil dürfte froh gewesen sein, dass die Gedanken der Kinder wohl noch andere sind als die eigenen. Zumindest als die Hexen zu Joe Cockers «You Can Leave Your Hat On» mit dem Besenstil einen Poledance hinlegten und zu 50 Cents Hit «P. I. M. P.» die Hüften kreisen liessen. Eher harmlos war hingegen die vom Hexenmeister zuerst ausgedachte Bestrafung, die kleine Hexe müsse nun drei Tage Justin Bieber hören – wobei sie dann doch ihren Besen abgeben musste. Als Erwachsener hingegen hat man sich gefragt, ob das andere nicht die grössere Strafe gewesen wäre.

Auch nicht im Original von Otfried Preussler zu finden ist das leicht subtile Bashing gegen den deutschen Oberförster, der aufgrund eines Zauberspruchs plötzlich Mundart sprechen musste.

Aber die Aufmerksamkeit der Jüngsten lag auf ganz anderen Dingen. So stürzte sich der halbe Saal auf das Mädchen, welches nicht nur aus Zeitungspapier gefaltete Rosen auf der Bühne verkaufte, sondern von der Bühne stieg und diese den Kindern verteilte. Für einen Moment wähnte man sich eher beim Rattenfänger von Hameln statt bei der kleinen Hexe, und die eine oder andere Mutter dürfte gespannt und angespannt gewesen sein, ob der Sprössling im dunklen Saal den Weg zurück auf den Stuhl wieder wohl behalten findet.

Den vielen leuchtenden Kinderaugen zum Ende der Vorstellung nach zu schliessen, konnten aber weder Hexen noch Dunkelheit den rundum gelungenen Musical-Nachmittag trüben.