Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

AMRISWIL: «Wir sind hart, aber fair»

Die Fürsorgekosten sind zwar 2017 weniger heftig gestiegen als befürchtet. Sie bereiten der Behörde aber Sorgen. Stadträtin Daniela Di Nicola sucht neue Wege.
Rita Kohn
Das Sozialamt prüft genau, wer um Unterstützung bittet. (Bild: Manuel Nagel)

Das Sozialamt prüft genau, wer um Unterstützung bittet. (Bild: Manuel Nagel)

Rita Kohn

rita.kohn@thurgauerzeitung.ch

Einfach hat es niemand, der beim Sozialamt in Amriswil anklopft. Denn die Stadt fährt einen harten Kurs, wenn es um Unterstützungsgelder geht. Die für den Sozialbereich zuständige Stadträtin Daniela Di Nicola betont: «Wir sind hart, aber fair.» Sie würden genau hinsehen, wenn es darum gehe, ob jemandem Unterstützung gewährt werde. «Es gibt Gemeinden, in denen es für Hilfesuchende einfacher ist», gibt die Stadträtin zu. «Wir wollen niemanden schikanieren, aber auch nicht zum Anziehungspunkt werden.» Denn auch bei Hilfesuchenden spricht sich herum, wo die Türen weiter offen stehen.

Wer tatsächlich auf Hilfe angewiesen sei, würde diese auch bekommen, macht Daniela Di Nicola deutlich. Die Stadträtin sieht die Sozialhilfe aber nicht als eine Art Einbahnstrasse. «Es gibt Menschen, die aus ganz unterschiedlichen Gründen in Not geraten sind und nun Hilfe brauchen, um wieder in die Spur zu kommen.» Hilfe beispielsweise, sich nach schwierigen Zeiten wieder in einen Alltag einzugliedern und sich über kurz oder lang wieder selber ernähren zu können. Deshalb hätten sie ein Projekt umgesetzt, das den arbeitsfähigen Sozialhilfebezügern die Möglichkeit biete, sich nach und nach in der Arbeitswelt zu bewähren und wieder echte Chancen auf einen Arbeitsplatz zu haben. «Da sehen wir dann auch, wer sich ernsthaft darum bemüht, wieder Fuss zu fassen.»

Wer sich verweigert, muss mit Kürzungen rechnen

Wer zwar arbeitsfähig wäre, aber keinen Einsatz zeige oder sich gar verweigere, müsse mit Konsequenzen rechnen. «Das kann dann auch bedeuten, dass die Gelder gekürzt werden», führt die Stadträtin aus. Hingegen darf jemand, der sich ernsthaft bemüht, auch auf unkonventionelle Hilfe hoffen. So bemüht sich Daniela Di Nicola beispielsweise stetig, Arbeitgeber für Praktika zu finden. «Wir konnten auf diese Weise bereits auch Menschen zurück in den ersten Arbeitsmarkt helfen», freut sich die Stadträtin über den Erfolg. Und wer dort Fuss fassen kann und damit von der Sozialhilfe wegkommt, kann mit der Behörde auch vernünftige Rückzahlungsmodalitäten aushandeln. Denn im Thurgau gilt nach wie vor, dass Fürsorgegelder zurück erstattet werden müssen, sobald es die wirtschaftliche Lage des Betreffenden zulässt. Das führe jedoch dazu, dass der eine oder andere angesichts des hohen Schuldenberges, der sich angehäuft hat, gar keine Ambitionen habe, sich wieder eine Arbeit zu suchen. «Wenn er mit Arbeiten weniger Geld zur Verfügung hat als mit der Sozialhilfe, ist der Anreiz gering.»

Obwohl in den vergangenen Jahren der Anteil der ausgesteuerten Jugendlichen bei der Sozialhilfe stark zugenommen hat, seien aber nicht alle Menschen, die von der Fürsorge abhängig werden, in der Lage, sich irgendwann wieder selber zu erhalten. Wer krank oder von einer Suchtproblematik betroffen ist, könne nicht einfach so wieder integriert werden. «Wir müssen über die Bücher gehen und neue Lösungen suchen», sagt Daniela Di Nicola. Denn die Kosten seien nur dann in den Griff zu bekommen, wenn möglichst wenige Menschen Unterstützung brauchen.

Amriswil liegt bei den Städten im Mittelfeld

200 Franken kostete die Sozialhilfe die Amriswiler Einwohner 2016 pro Kopf. Damit liegt die Stadt im Mittelfeld. 438 Franken waren es in Arbon, 297 in Kreuzlingen, 234 in Frauenfeld, 145 Franken in Romanshorn und ganze 66 Franken in Weinfelden. «Das liegt aber nicht einfach daran, das die einen Sozialämter freigiebiger sind, als andere», macht die Amriswiler Stadträtin geltend. Es sei auch eine Frage des vorhandenen Wohnraums. Ein grosser Leerwohnungsbestand kann ein Anziehungspunkt sein, der die Sozialkosten in die Höhe treibt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.