AMRISWIL: Wer ist nun der Verlierer?

Es ist kein schöner Moment. Zumindest aus Sicht der Amriswiler nicht. Der Jubel einer kleinen Gruppe steht dem Schweigen einer grossen Mehrheit gegenüber. Aus und vorbei, der Traum vom Cupfinal ist ausgeträumt.

Rita Kohn
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Coach Ratko Pavlicevic stärkt seinem Team den Rücken. (Bild: Mario Gacchioli)

Coach Ratko Pavlicevic stärkt seinem Team den Rücken. (Bild: Mario Gacchioli)

AMRISWIL. Es ist kein schöner Moment. Zumindest aus Sicht der Amriswiler nicht. Der Jubel einer kleinen Gruppe steht dem Schweigen einer grossen Mehrheit gegenüber. Aus und vorbei, der Traum vom Cupfinal ist ausgeträumt.

Was ist passiert? Eigentlich liegt es auf der Hand: Die Volleyballer aus Näfels sind stärker als jene, die für Amriswil auf dem Spielfeld stehen. Aber ganz kann das nicht stimmen. Einen Tag zuvor hat es doch noch anders ausgesehen. Da sind die Amriswiler als Sieger vom Platz gegangen. Also bekommt die Frage einen ganz anderen Ton: Was ist passiert?

Entscheide und Rettungsaktion

Es wäre jetzt ganz leicht, dem Schiedsrichter die Schuld für das Scheitern der Amriswiler im Cup-Halbfinal in die Schuhe zu schieben. Immerhin hat er manchen Entscheid gefällt, der dem emotional aufgeladenen Publikum Protest- und Buhrufe entlockt. Aber Vorstandsmitglied Peter Zweifel winkt ab: «Es gewinnt oder verliert keine Mannschaft wegen eines Schiedsrichters.» Selbst dann nicht, wenn er fragwürdige Entscheide trifft.

Also muss es doch am Team liegen. Ist die Mannschaft an diesem Sonntagabend nicht zur Höchstform aufgelaufen? Hat sie nicht alles gegeben? Vor dem geistigen Auge taucht die Szene auf, in der die Anzeige kurz von der Wand verschwand. Der Neuzugang Bogdan Olefir ist in den Tisch mit der Elektronik geprallt, weil er einen Ball noch erwischen wollte. Es ist die spektakulärste, aber nicht die einzige Rettungsaktion.

Jubel und gelbe Karten

Die Emotionen kochen hoch. Kein Wunder, in der Halle stehen dicht an dicht knapp unter 1000 Zuschauerinnen und Zuschauer. Alle Fans aus der Region sind gekommen um das Spiel um den Cup-Finaleinzug zu sehen. Aus Näfels ist nur eine kleine Gruppe angereist. Sie sorgt allerdings dafür, dass auch jeder Punkt von Näfels bejubelt wird.

Und die Gruppe ist es auch, die mit Entsetzen zur Kenntnis nimmt, dass der Schiedsrichter gelbe Karten verteilt. Gleich zweimal – und das in beiden Fällen an Näfels. Es ist das Resultat eines mit allen Bandagen geführten Kampfes der Glarner. Sie wollen den Cup-Final. Vielleicht sogar eine Spur mehr als die Amriswiler. Und sie bekommen den Cup-Final.

Pauke und Herzschlag

Es hätte doch eigentlich alles gestimmt an diesem Abend. Der Nachwuchs steht nicht nur als Quick Mopper und als Ballmädchen im Einsatz. Auch die Pauken werden kräftig geschlagen. Im straffen Rhythmus dröhnen sie durch die Halle, dringen in den Körper ein und vermischen sich mit Herzschlag.

Nein, für schwache Nerven ist dieses Spiel nichts. Glücksmomente und Verzweiflung liegen zu dicht beieinander. Im einen Moment keimt die Hoffnung auf, dass die Amriswiler sich absetzen können, dann macht eine Aufholjagd der Näfelser alles zunichte. Oder umgekehrt. Gedanklich gibt man das Spiel verloren, dann rappeln sich die Amriswiler wieder auf, kämpfen sich Punkt um Punkt nach vorne.

Es ist ein bitterer Moment für die Amriswiler Fans wie auch für die Spieler, als Näfels im fünften Satz den Matchball verwertet. Aber auch wenn's grad schmerzt: Letztlich gehen aus diesem Spiel alle als Gewinner vom Platz: Näfels, das in den Cup-Final zieht. Die Zuschauer, die einen spannenden Kampf gesehen haben. Und die Amriswiler Spieler, die viel Einsatz gezeigt haben, auch wenn sie sich in diesem Match geschlagen geben mussten.

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