AMRISWIL: Vorsicht vor dem Hochstapler

Den Schauspieler Volker Ranisch dürfte der eine oder andere Fernsehzuschauer schon am Bildschirm gesehen haben. Morgen gastiert der Deutsche im Kulturforum mit einem Ein-Mann-Stück.

Drucken
Teilen
Volker Ranisch steht morgen alleine auf der Bühne des Kulturforums und spielt den Hochstapler Felix Krull. (Bild: PD)

Volker Ranisch steht morgen alleine auf der Bühne des Kulturforums und spielt den Hochstapler Felix Krull. (Bild: PD)

«Nein, diese Geschichte würde ich ungern mit anderen Schauspielern teilen», antwortet Volker Ranisch ehrlich und direkt. Wenn morgen Abend im Kulturforum die Scheinwerfer angehen, dann sind die Blicke einzig und allein auf den Deutschen gerichtet. Dass dabei die ganze Last auf seinen Schultern liegt, stört den 51-Jährigen nicht. «Dann nimmt mir auch keiner die Butter vom Brot», meint er lachend. Der Schauspieler vergleicht es mit einem Musiker. Im Orchester zu spielen, das mache Spass, aber ein Solokonzert am Klavier könne einem genau so viel Spass bereiten. Es sei einfach eine andere Form der Schauspielerei.

Das Stück, welches Ranisch nach Amriswil bringt, ist eine ­Adaption von Thomas Manns Hochstapler Felix Krull. Er ist der Sohn eines bankrotten und im Selbstmord endenden rheinischen Schaumweinfabrikanten. Felix Krull ist ein Träumer, Fantast und bürgerlicher Nichtsnutz.

Manns Roman, mit dem er schon früh Anfang des 20. Jahrhunderts begonnen hatte, basiert auf einer wahren Geschichte eines rumänischen Diebes, der nach Paris ging und später eine deutsche Gräfin heiratete. Mann nahm den Stoff erst 1951 gegen Ende seines Lebens wieder auf. Es wurde sein letzter Roman. Nicht zuletzt durch die Verfilmung mit Horst Buchholz in der Titelrolle bleibt Felix Krull einem breiten Publikum in Erinnerung.

Vor der Kamera mit Moritz Bleibtreu

Auch Ranisch spielte in zahlreichen Filmen und Serien mit – besonders in Krimis wie «Der Alte» oder «Tatort». In Bernd Eichingers Film «Der Baader Meinhof Komplex», der die Geschichte der deutschen Terrororganisation RAF skizziert, verkörpert ­Ranisch den umstrittenen Polizisten Karl-Heinz Kurras. Dieser erschoss einen Studenten unter mysteriösen Umständen und wurde dann freigesprochen. Jahre später stellte sich heraus, dass Kurras ein Stasi-Spitzel im Dienste der DDR gewesen war.

Ranisch stammt selbst aus der ehemaligen DDR und ist im Erzgebirge gross geworden. Nach einem Engagement in den 90er-Jahren am Schauspielhaus Zürich liess er sich in Mosnang im Toggenburg in einem alten Bauernhaus nieder. «Das Toggenburg ist sehr ähnlich wie das Erzgebirge, und ich habe mich schnell heimisch gefühlt», sagt Ranisch.

Voll des Lobes ist er auch über die Arbeitsbedingungen hier: «Die Kleinkunstszene in der Schweiz ist phänomenal. Sowohl vom Interesse der Menschen her, aber auch von ihrem Engagement», sagt Ranisch. Die Bürgerbeteiligung sei in der Schweiz grösser als in Deutschland. Praktisch in jedem Ort gebe es eine Bühne, auf der man spielen könne. Und diese wird morgen im Kulturforum aufgebaut.

Manuel Nagel

manuel.nagel@thurgauerzeitung.ch

Felix Krull. Hochstapler

Samstag, 23. September, 20.00

Kulturforum, Bahnhofstrasse 22