AMRISWIL: Über Facebook Verwandte gefunden

Beat Oswald, Archivar des Thurgauer Staatsarchivs, weiss viel über seine ausgewanderten Oberaacher Verwandten. Im Ortsmuseum erzählte er von ihnen.

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
Drucken
Teilen
Bild: Yvonne Aldrovandi

Bild: Yvonne Aldrovandi

AMRISWIL. Einmal mehr mussten Stühle zusammengerückt werden: Rund 70 Besucher hatten sich zur sonntäglichen Erzählstunde im Ortsmuseum Amriswil eingefunden. Beat Oswald sei ein Sammler und Jäger, sagte Ortsmuseumspräsident Eugen Fahrni bei seiner Begrüssung. Er jage nach Dokumenten und Geschichten.

Bereits zum zweiten Mal konnte der Archivar vom Thurgauer Staatsarchiv in Frauenfeld als Gast-Erzähler gewonnen werden. Vor zwei Jahren berichtete er von Carlos Oswald, dem Enkel eines Oberaacher Auswanderers, der die Skizze für die weltberühmte Christusstatue in Rio de Janeiro gezeichnet hatte.

Anhand eines Stammbaumes brachte Beat Oswald an diesem Sonntagnachmittag seine Familienforschung näher, die er seit rund 16 Jahren betreibt. Auf der halben Welt gebe es Oswalds, erzählte er den Besuchern. Bei seinen Recherchen über das Oberaacher Oswald-Geschlecht sei er auf viel Spannendes, Amüsantes, aber auch Tragisches gestossen.

Dabei habe er festgestellt, dass Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota für Oswalds ein wichtiger Ort war. Innerhalb von dreissig Jahren seien einige Vorfahren dorthin ausgewandert. Die erste Urkunde, die Beat Oswald ausfindig machen konnte, zeigt, dass Strubenhof, Götzenhof, Rümelishof in Oberaach um 1590 herum drei Erblehenhöfe des Pelagistifts Bischofszell waren. In einer Beschreibung der Höfe erscheint Conrad Oswald als Lehensnehmer. Beat Oswald beleuchtete verschiedene Familienzweige.

Von Polen nach Bessarabien

Ein Oberaacher Familienvater sei im Zusammenhang mit den grossen Auswanderungen des 19. Jahrhunderts nach Polen aufgebrochen. Seine Söhne seien später nach Bessarabien (im heutigen Moldawien) gezogen. Deren Nachkommen hätten sich nach dem Zweiten Weltkrieg auf verschiedenen Kontinenten niedergelassen.

John C. Oswald (1824–1905), der sich in Minneapolis erfolgreich emporgearbeitet hatte, habe im Jahre 1891 für den Bau der evangelischen Kirche in Amriswil 500 Franken gespendet, erwähnte Beat Oswald. Johannes Oswald (1854–1934) betreute als Lehrer im Amriswiler Schulhaus Mühlebach zwischen 80 bis 90 Schüler.

Für die Ahnenforschung brauche es viel Zeit, Freude, Ausdauer und zudem Glück. Es sei wie ein grosses Puzzlespiel. «Viele Teile zusammen ergeben irgendwann ein Bild», äusserte sich Beat Oswald. Auch über Facebook sei er schon auf Verwandte gestossen. «Ich finde es ein wunderbares Hobby», verriet seine Frau Rahel Oswald-Reinhart. «Die Puzzleteile, die Beat immer wieder findet, sind sehr spannend.»

Abschliessend erkundigte sich eine Museumsbesucherin, weshalb Beat Oswald nicht ausgewandert sei. «Ich bin zu sehr mit dem Thurgau verbunden», meinte der Archivar, der mit seiner Familie in Sirnach lebt, mit einem zufriedenen Lachen.

Aktuelle Nachrichten