AMRISWIL: Treten für starke Frauen

In der sonntäglichen Erzählstunde stellten Mitglieder des Ortsmuseums die Femmes Tour Amriswil vor. Die Veloroute führt zu 13 Stationen in der Region, an denen bedeutende Frauen einst gelebt oder gewirkt hatten.

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
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Barbara Bieger, Karin Müller, Anneliese Ammann und Vreni Aepli zeigen die Broschüre «Frauen in der Arbeitswelt» mit den Kurzporträts und der Veloroute. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Barbara Bieger, Karin Müller, Anneliese Ammann und Vreni Aepli zeigen die Broschüre «Frauen in der Arbeitswelt» mit den Kurzporträts und der Veloroute. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Die traditionellen Erzählstunden im Ortsmuseum in Amriswil erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit. Rund 70 Besucherinnen und Besucher durfte Museumspräsident Eugen Fahrni am Sonntagnachmittag begrüssen. Unter den Anwesenden war auch Stadträtin Madeleine Rickenbach.

Erzählerinnen waren vier engagierte Frauen aus der eigenen Reihe: Vreni Aepli, Anneliese Ammann, Barbara Bieger und Karin Müller, Mitglieder des Ortsmuseums, stellten die Femmes Tour Amriswil vor. Diese wurde vor neun Jahren ins Leben gerufen unter dem Motto «Frauen in der Arbeitswelt». Die Ortsmuseums-Mitglieder haben in den vergangenen Jahren weiter recherchiert und in der Erzählstunde die 13 Stationen der Femmes Tour Amriswil ausführlich vorgestellt.

Da diese Stationen nicht nur im Zentrum, sondern auch ausserhalb von Amriswil zu finden sind, ist die Strecke als schweizweit einzige Femmes-Tour-Veloroute konzipiert. Die gesamte Route umfasst 13 Stationen auf 23 Kilometern.

In den 90er-Jahren kamen in den grösseren Schweizer Städten die ersten Femmes-Tour-Wanderrouten auf, die zu Wohn- und Wirkungsstätten von bedeutenden Frauen führen.

Wohn- und Wirkungsstätten bedeutender Frauen

In Kurzbiographien werden die Frauenschicksale aufgezeigt – aus einer Zeit, wo die meisten Frauen noch hinter dem Herd standen und keiner ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit nachgingen. Die Femmes Tour Amriswil führt zu folgenden Stationen: Frau Affentranger, die ab 1912 mit ihrem Ehemann und neun Kindern im mittleren Teil des Bohlenständerhauses lebte – Irma Lucia Gabriela Edda von Huenefeld, die ab 1933 bis 1961 zusammen mit mindestens 20 Katzen im Ostteil des Bohlenständerhauses wohnte – Elena Tedeschi, die als Dienstmädchen bei der Schuhfabrikantenfamilie Löw arbeitete – die beiden Schwestern Schadegg, die als Telefonistinnen in der Oberaacher Telefonzentrale tätig waren – Isa Staehelin, die das Kinderheim Heimetli ins Leben gerufen hatte und Mitgründerin des Behindertenheims Holdergarten, der heutigen Bildungsstätte Sommeri, war – Maria Dutli-Rutishauser, die als Schriftstellerin über 30 Bücher veröffentlichte und während 50 Jahren Kolumnen in «Meyers Modeblatt» sowie regelmässig Beiträge für den «Amriswiler Anzeiger» schrieb – Verena Baumann-Stäheli, welche die Wirtschaft «zum Roten Öpfel» in dritter Generation führt – Charlotte Kluge-Fülscher, die als Kunstmalerin arbeitete und in ihrem Elternhaus lebte – Aline Brauchli, die als Lehrerin im Schulhaus Mühlebach unterrichtete – Elsbeth Hoffmann-Straub, die als erste Ärztin in Amriswil praktizierte – die Kinderkrippe, die auf ein Legat von Frau Pfarrer Wellauer zurückgeht – Eva Hess-Wegmann, die nach dem Tod ihres Mannes, das Familienunternehmen leitete – die Wohnheime «Carmen» und «Aida», die von der Textilfirma Hess 1961 erbaut wurden und alleinstehenden Gastarbeiterinnen als Unterkunft dienten.

Die Karte mit der Route und den Stationen sowie die bebilderte Broschüre mit den Kurzporträts können im Ortsmuseum und im Stadthaus kostenlos bezogen oder unter www.ortsmuseum-amriswil.ch heruntergeladen werden.