AMRISWIL: Sie wirbelte viel Staub auf

Viele Jahre arbeitete Verena Bamert im Kindergarten Egelmoos und unterrichtete am Kindergartenseminar. Heute Abend kehrt sie für eine Lesung in der Bibliothek zurück.

Manuel Nagel
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Verena Bamert mit ihrem Roman «Schwerer als Luft – Das Leben der Harriet Quimby». (Bild: Manuel Nagel)

Verena Bamert mit ihrem Roman «Schwerer als Luft – Das Leben der Harriet Quimby». (Bild: Manuel Nagel)

Manuel Nagel

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@thurgauerzeitung.ch

Verena Bamert, Sie lesen heute Abend aus Ihrem Roman «Schwerer als Luft». Ist es für Sie auch ein Heimkommen?

Vor allem ist es für mich ein schönes Jubiläum. 1977 trat ich meine Stelle im Kindergarten Egelmoos an. Damals begann das Schuljahr ja noch im Frühling. Das sind nun genau 40 Jahre her.

Nebst Ihrer Tätigkeit als Kinder­gärtnerin unterrichteten Sie auch Methodik am Kindergärtnerinnenseminar hier in Amriswil. Ging das gut?

Das war damals gar nicht so eine einfache Sache, denn es bedingte, dass ich im Kindergarten keine volle Stelle haben konnte. Es war eines der ersten Jobsharing im Kanton Thurgau. Heute ist das selbstverständlich, aber damals wirbelte es enorm Staub auf, weil viele Eltern das Gefühl hatten, dass Kindern in dem Alter unmöglich zwei Bezugspersonen zugemutet werden können.

Sie wohnen nun in St. Gallen. Sind Sie noch oft in Amriswil?

Über diese 40 Jahre hinweg blieb eine Freundschaft zu Verena Hefti bestehen, die damals Leiterin des Kindergartenseminars war. Wir treffen uns heute noch wöchentlich, manchmal auch in Amriswil. Deshalb bin ich bestens informiert, was hier so läuft.

Dann wüssten Sie wohl auch ohne Ihre Teilnahme, dass heute Abend eine Lesung im Kulturforum stattfindet. Was erwartet die Besucher?

Ich werde erzählen, wie dieses Buch über Harriet Quimby entstanden ist und ich werde einzelne Stellen daraus vorlesen, die den Weg dieser Frau illustrieren, wie sie zur Pilotin wurde.

Wie sind Sie denn überhaupt zum Schreiben gekommen?

Schon während meiner Zeit als Kindergärtnerin habe ich immer geschrieben, Kindergeschichten zum Beispiel. Aber diese wanderten meist in eine Schublade. Auch später, als ich in der Erwachsenenbildung tätig war, schrieb ich oft. Das hat sich dann nach meiner Pensionierung vor rund zehn ­Jahren noch intensiviert.

Aber wieso gerade ein Roman über eine Luftfahrtpionierin?

Eine Freundin von mir leitet das «Quimby-Huus» in St. Gallen, welches vielen Leuten bekannt ist. Aber kaum jemand weiss, wer diese Harriet Quimby war. Also bat sie mich, etwas über diese Frau zu schreiben. Beim Recherchieren fand ich heraus, dass sie eine äusserst interessante und vielseitige Persönlichkeit war, die mir viel Eindruck gemacht hat. Zu einer Zeit, als das Frauenbild noch ein ganz anderes war, setzte sie sich vehement für die Sache der Frau ein. Und da hat es mich dann wirklich gepackt.

Wo haben Sie recherchiert?

Vor allem im Internet. Man findet enorm viel Material zu ihr. Auch, weil sie Journalistin war und selber schrieb. Davon ist ­vieles noch zugänglich. Ganz viel habe ich auch im Archiv der «New York Times» gefunden, in der oft über sie geschrieben wurde. In den Vereinigten Staaten ist sie eine sehr bedeutende Frau.

Haben Sie auch eine besondere Beziehung zum Fliegen?

Wie die meisten Leute finde ich das Fliegen faszinierend. Obwohl es zur Zeit von Harriet Quimby, vor über hundert Jahren, nicht mit heute vergleichbar ist, kann ich die Faszination dieser Frau gut nachvollziehen.

Erinnern Sie sich auch noch an Ihren ersten eigenen Flug?

Ja, sehr gut sogar. 1958 durfte ich als junge Frau zur Weltausstellung in Brüssel fliegen. Das war meine erste Flugerfahrung und es war ein wunderschönes Erlebnis.