Amriswil setzt auf Sonnenenergie

AMRISWIL. Die Amriswiler Einwohner haben die Möglichkeit, Naturstrom aus der eigenen Gemeinde zu beziehen. Im letzten Jahr wurden einige grosse Solaranlagen ans Netz angeschlossen. Auch im 2015 dürften weitere Anlagen dazukommen.

Maya Mussilier
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Pius Jäckle, Teamleiter EW Netzabteilung, zeigt die Anlage auf dem Dach der Muldenzentrale. Sie ist die viertgrösste Anlage im Thurgau. (Bild: Nana do Carmo)

Pius Jäckle, Teamleiter EW Netzabteilung, zeigt die Anlage auf dem Dach der Muldenzentrale. Sie ist die viertgrösste Anlage im Thurgau. (Bild: Nana do Carmo)

Vier Jugendliche stehen zwischen Sonnenblumen und halten ihre Daumen in die Höhe – mit diesem Bild werben die Technischen Betriebe Amriswil für lokalen Naturstrom, erzeugt von den unterdessen 82 in Betrieb genommenen Solaranlagen. «Wir bieten schon länger neben dem üblichen Strom auch Thurgauer Naturstrom an», sagt Karl Spiess, Geschäftsführer der Technischen Betriebe Amriswil. An der letztjährigen Weihnachtsausstellung awa haben die Technischen Betriebe erstmals für reinen Amriswiler Solarstrom geworben.

Ein starker Zuwachs

«Es ist uns wichtig, den hereinkommenden Solarstrom aus Amriswil zu vermarkten», sagt Karl Spiess. Im letzten Jahr konnte die Produktion von Amriswiler Solarstrom mehr als verdoppelt werden. «Wir hatten einen starken Zuwachs. Mit der Inbetriebnahme einiger grosser Anlagen konnten wir die Leistung um 1545 kWp (Kilowatt Peak) erhöhen. Das entspricht einer Zunahme von 116 Prozent.»

Grosse Anlagen kamen im letzten Jahr auf dem Dach der Muldenzentrale Oberthurgau (+634 kWp), im Industriegebiet Vorland (+118 kWp), beim Freizeitcenter 1001 (+280 kWp) sowie an der Schrofenstrasse (+253 kWp) dazu. «Die Tendenz geht in Richtung grosser Anlagen mit einer Leistung über 100 kWp», sagt Karl Spiess. Da ab 30 kWp Leistung eine Lastgangmessung vom Bund vorgeschrieben sei, würden sich grössere Anlagen auch dadurch besser rechnen.

Viele Anlagen auf Neubauten

Die Realisierung vieler Solaranlagen hat aber dazu geführt, dass bei der Erteilung von KEV-Beiträgen (kostendeckende Einspeisevergütung) eine längere Wartefrist besteht. «Deshalb ist bei der Realisierung grösserer Anlagen derzeit eine gewisse Zurückhaltung zu erkennen», sagt Karl Spiess. Im Privatsektor könne er allerdings kaum einen Rückgang erkennen. «Insgesamt ist festzustellen, dass bei Neubauten von Einfamilienhäusern und Mehrfamilienhäusern rund 50 Prozent mit einer Solaranlage ausgerüstet werden. Wo noch auf eine Anlage verzichtet wird, werden aber meistens die Leitungen für eine mögliche Nachrüstung eingebaut.» Karl Spiess rechnet damit, dass in diesem Jahr eine Leistung von gegen 4000 kWp Solarstrom in Amriswil erreicht werden wird, was etwa einem Drittel der maximal benötigten Leistung entspricht. «Die Leute sind bereit, mehr für Strom aus eigener Produktion zu bezahlen, aber es besteht noch ein grosser Erklärungsbedarf», stellt Spiess fest. Der Bezug von Amriswiler Solarstrom sei auch dem Projekt 2000-Watt-Gesellschaft zuträglich.

Weitere Dächer gesucht

Im laufenden Jahr werden weitere Anlagen dazukommen. So beispielsweise auf dem Dach des neuen Feuerwehrzentrums. «Weitere passende Standorte werden wir prüfen», sagt Spiess. Er gibt zu bedenken, dass ein Dach relativ neu sein muss, um der zusätzlichen Dachbelastung durch die Solarpanels standhalten zu können. Ebenfalls müssten sie gut zugänglich sein, und die Ausrichtung sei ebenfalls entscheidend. «Interessant wären gerade auch Ost- und Westdächer», betont Karl Spiess.

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