AMRISWIL: Schwindlig vor lauter Kreiseln

Comedian Michael Mittermeier gastierte mit seinem aktuellen Programm «Wild» im ausverkauften Pentorama. Mit seinen Witzen, die teils unter der Gürtellinie lagen, begeisterte er 1200 Zuschauer.

Sara Carracedo
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Michael Mittermeier ist das erste Mal im Pentorama zu Gast. (Bild: Sara Carracedo)

Michael Mittermeier ist das erste Mal im Pentorama zu Gast. (Bild: Sara Carracedo)

Sara Carracedo

amriswil

@thurgauerzeitung.ch

Die Schweiz und ihre Bewohner sind für vieles bekannt und sorgen für Vorurteile, welche vor allem als Steilvorlage für Deutsche Komiker dienen und gerne genutzt werden. So kann es sich auch Mittermeier nicht verkneifen, die Schweizer als «CK-Fetischisten» zu bezeichnen und sagt: «Wenn man Schweizerdeutsch in Deutschland hört, denken viele, die Klingonen sind auf Kriegspfad.»

Punkt 20 Uhr stürmt der Komiker, der schon 30 Jahre Bühnenerfahrung auf dem Buckel hat, vor die 1200 Zuschauer, läuft auf und ab und tastet sich mit ­seinen Witzen langsam an die Humor-Grenze des Schweizers. Denn Michael Mittermeier ist ein Komiker, der vor keinem Thema zurückschreckt. So kommt es, dass seine saloppen und obszönen Gags zu Beginn noch nicht bei jedem eine Punktlandung ist. Er spricht gleich die Abschaffung des Frühfranzösisch in der Schweiz an: «Find ich gut! Die Kinder schon im Schulalter blasen lassen, find ich schon hart», fügt jedoch gleich hinzu: «Ich weiss, der war schlecht, aber der Gag musste sein» und meint trocken, dass dies in Bayern ein Lacher gewesen wäre.

Was dem Komiker dann doch schwer zu schaffen gemacht hat, war die Fahrt von Bayern nach Amriswil. «Du bist schon lange im Thurgau unterwegs und denkst dir nach 14 Kreisverkehren – wann kommen wir da endlich an?»

Mittermeier will eigenen Ort gründen

Diese Kreisel werden in den zwei Stunden mehrmals gekonnt eingebracht. Kurz vor dem Ziel habe er zwei Schilder gesehen: «Rechts ein Schild: Frauen-Feld. Geile Sache! Und links ein Schild, da steht Romans Horn. Das passt ziemlich gut zusammen. An dieser Stelle muss man sagen – ihr geilen Schweine. Allein schon der Name dieses ominösen Ortes, verborgen hinter 20 Kreisverkehren, Zusatzkreiseln und Tunnels, sagt ja schon alles: Der Amris will. Aber viele wollen hier. Auch der Doz will. Alle wollen. Ich könnte es nicht erfinden. Danke, liebe Schweizer. Ich gründe meinen eigenen Ort: Michael will.» Damit knackt der Komiker sein Publikum. Es spendet ihm tosenden Beifall.

«Es war Mittermeiers erste Aufführung in Amriswil», sagt Veranstalter Lorenz Hauser. «Wir wollen vermehrt aufs Land gehen und nicht immer nur in den grossen Städten spielen.» So erreiche man auch ein anderes Publikum. Hauser zeigt sich zufrieden: «Die Besucher sind glücklich, wir hatten eine ausverkaufte Halle und alles verlief nach Plan – was will man als Veranstalter mehr?»