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AMRISWIL: Schusterin bleibt bei ihrem Leisten

Ena Ringli ist Schuhproduzentin mit weltweiten Erfahrungen in ihrem Metier. Am Museumssonntag gab sie im Bohlenständerhaus Einblicke in dieses alte Handwerk.
Ena Ringli bringt den Besuchern des Bohlenständerhauses ihr Handwerk näher. (Bild: Trudi Krieg)

Ena Ringli bringt den Besuchern des Bohlenständerhauses ihr Handwerk näher. (Bild: Trudi Krieg)

Farbenfroh präsentierten sich nach neuem Leder duftende Schuhe von yép auf den Gestellen im Dachstock des Bohlenständerhauses. Probieren war erlaubt und erwünscht. Ena Ringli war am Museumssonntag zu Gast. Die Frau, die nach der Matura auszog, um das alte Schuhmacherhandwerk an den geeignetsten Plätzen der Welt zu lernen und auszuüben. Sie entwickelte für internationale Firmen Kollektionen und kehrte schliesslich zurück nach Weinfelden, wo sie im Elternhaus ihr Atelier eröffnete.

Das Handwerk gezielt gründlich gelernt

Ena Ringli erklärte die einzelnen Schritte der Schuhfertigung vom Leisten über die Brandsohle bis zum Schaft. «Schuster, bleib bei deinem Leisten» hat für sie noch Gültigkeit in unserer Zeit, in der viele vieles lernen, aber nichts mehr ganz gründlich, und kaum noch jemand weiss, was ein Leisten ist. «Ein Leisten ist ein Modell eines Fusses und als Passform eines Schuhs verantwortlich für den Grundaufbau», erklärte Ena Ringli den vielen interessierten Zuhörenden. Daran angepasst wird das Schuhoberteil, der Schaft modelliert. Zu den Grundlagen gehören auch eine Brandsohle und eine feste Fersenkonstruktion. Je länger diese sei, umso stabiler der Schuh.

Schweinsleder ist nicht geeignet

Wo genau die Leder herkommen, welche Ena Ringli in Italien kauft, könne sie nicht immer sagen, es sei deklarierte Rohware aus Italien meist aus Mitteleuropa, wo die Tiere dank des gemässigten Klimas am gesündesten seien. Rindsleder, aber auch Ziegenleder und manchmal Schafsleder werden verarbeitet. Schweinsleder findet Ringli nicht geeignet, weil es Feuchtigkeit schlecht aufnehme. Wichtig sei auch, ein Paar Schuhe immer aus der gleichen Tierhaut zuzuschneiden: «Jede Haut ist wieder etwas anders ­beschaffen. Das zeigt sich in der Struktur», sagte Ringli. Arbeiten müsse man immer paarig spiegelverkehrt beim Zuschneiden.

«Meine Schuhe sind farbig, aber relativ klassisch und von optimaler Passform», sagte Ringli. Allzu Modisches könne sie sich gar nicht leisten. Sie macht alles von Hand, vom Zuschnitt des Leders bis zur Fertigung. Mit dieser Arbeitsweise entsteht durchschnittlich ein Paar Schuhe pro Tag. In einer Schuhfabrik sind es sieben Paar pro Arbeitskraft je nach Modell und Machart.

Dass sie trotzdem ihre in ­kleinen Mengen individuell her­gestellten Schuhe relativ günstig verkaufen könne, sei wegen des Direktverkaufs ohne Zwischenhandel. Orthopädische Schuhe stellt sie nicht her. Das wäre wieder ein anderes Paar Schuhe.

Trudi Krieg

amriswil@thurgauerzeitung.ch

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