AMRISWIL: Schule ist auf dem richtigen Weg

Mit alt Nationalrat Rudolf Strahm referierte am Montagabend ein prominenter Gast vor Exponenten der Schule und des Gewerbes. Er zeigte auf, wie wichtig die Berufsbildung für den Wohlstand der Schweiz ist.

Manuel Nagel
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Rudolf Strahm sprach im Kulturforum vor über hundert Interessierten. (Bild: Manuel Nagel)

Rudolf Strahm sprach im Kulturforum vor über hundert Interessierten. (Bild: Manuel Nagel)

Manuel Nagel

manuel.nagel@thurgauerzeitung.ch

Schulpräsident Markus Mendelin kündigte ihn als «hochkarätigen Redner» an. Und Rudolf Strahm ist in der Tat jedem politinteressierten Menschen in unserem Land ein Begriff. Der eloquente alt Nationalrat und ehemalige Preisüberwacher war gern gesehener Gast in vielen Politsendungen des Schweizer Fernsehens.

Strahm ist aber auch Autor. Unter anderem publizierte er vor drei Jahren «Die Akademisierungsfalle» und 2010 «Warum wir so reich sind». Darin gibt er sich als kämpferischer Verfechter des schweizerischen dualen Berufsbildungssystems und erklärt, weshalb die Schweiz im internationalen Vergleich so gut dasteht.

Deutschsprachige Länder mit weniger Akademikern

Strahms erste Grafik war gleich ein Paukenschlag. Die deutschsprachigen Länder Schweiz, Österreich und Deutschland sowie die Niederlande haben nicht nur mit Abstand die geringste Jugendarbeitslosigkeit, sie kennen auch als einzige ein duales Bildungssystem mit der Berufslehre. «Wer eine Berufslehre abgeschlossen hat, unterliegt einem dreimal kleineren Risiko, arbeitslos zu werden und von Sozialhilfe abhängig zu sein», sagte Strahm. Viele Gewerbler im Publikum dürften zudem mit Genugtuung seine Aussage aufgenommen haben, dass Betriebe, die eine Berufslehre anbieten, auch Armutsprävention betreiben würden.

Im Laufe von Strahms Vortrag wurde mehr und mehr ersichtlich, dass eine hohe Prozentzahl bei der Maturitätsquote nicht eine bessere Ausbildung mit sich bringt. Eindrücklich war das Bild eines Concorso in Florenz. 2800 Personen absolvierten eine Prüfung, um sich für eine einzige Stelle als Erzieher in einem Florentiner Kindergarten zu bewerben. Der grosse Rest lande trotz Maturität in einem Restaurant als Kellner, arbeite als Fremdenführer oder als Verkäufer auf einem Markt. Italien stecke deshalb tief in der Akademisierungsfalle, lautete das Fazit.

Uni kann zur Sackgasse werden

«Zu meiner Zeit war die Berufslehre eine Sackgasse», sagte Strahm, und sprach damit die einst fehlenden Aufstiegsmöglichkeiten an. Heutzutage sei das aber nicht mehr so. Es gebe «keinen Abschluss ohne Anschluss». Die Weiterbildungsmöglichkeiten nach einer Berufslehre seien vielseitig und der Weg zu einer Hochschule nicht verbaut. Selbst der Lohn sei bei Absolventen einer Universität und einer Fachhochschule etwa gleich hoch. Viele Eltern wüssten das nicht.

Strahm meinte, dass manchmal eher die Universität zur Sackgasse werde. «Vielfach sind Personen mit Berufslehre begehrter auf dem Arbeitsmarkt als Uniabgänger», sagte der alt Nationalrat und belegte dies mit einer Studie, wonach Fachkräfte mit höherer Berufsbildung in Industrie und Gewerbe begehrter sind als Absolventen einer Hochschule.

«Somit ist unsere Schule also auf einem guten Weg», meinte Markus Mendelin und sprach damit die verschiedenen Angebote der Volksschulgemeinde in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Gewerbe an. Insbesondere die Handwerkerwoche eröffne guten Schülern, die vielleicht eher mit der Kantonsschule geliebäugelt hätten, neue Perspektiven.

www.rudolfstrahm.ch