AMRISWIL: Rampenlicht auch für die Musiker

Heute abend feiert das Musical «Heicho» im Pentorama Premiere. Für die Livemusik sorgt die Atlantis Big Band. Für Bandleader Gilbert Tinner ist die Mitwirkung an einem solchen Projekt eine neue Erfahrung, auf die er sich freut.

Georg Stelzner
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Gilbert Tinner, musikalischer Leiter der Atlantis Big Band, im Amriswiler Pentorama. (Bild: Reto Martin)

Gilbert Tinner, musikalischer Leiter der Atlantis Big Band, im Amriswiler Pentorama. (Bild: Reto Martin)

AMRISWIL. So gross wie bei «Heicho» war das Aufgebot an Musikern noch bei keiner Musicalproduktion der Oberthurgauer Festspiele. Mit der Verpflichtung der Atlantis Big Band, die für ihre Probenarbeit vor drei Jahren von Hauptwil nach Weinfelden umgezogen ist, tragen die Veranstalter dem hohen Stellenwert der Musik in diesem Genre Rechnung. Bandleader Gilbert Tinner freut das besonders. «Ich bin ein Verfechter der Livemusik, gerade bei Musicalaufführungen», sagt der 50jährige Arrangeur und Komponist. Leider sei der Kostendruck heute so gross, dass oft bei der Musik gespart werde.

Tinner plädiert dafür, die Musiker nicht in einem Orchestergraben zu «verstecken», wie das häufig der Fall ist, sondern sie so zu plazieren, dass das Publikum sie zu Gesicht bekommt. Tinner: «Ein Musical muss atmen.» Im Amriswiler Pentorama wird das der Fall sein. Die Atlantis Big Band mit ihren bis zu 20 Musikern spielt unmittelbar neben der Bühne, auf gleicher Höhe, wie die Darsteller agieren.

Der Reiz des Neuen

Bei einer Musicalproduktion zu spielen, ist für die Atlantis Big Band und ihren musikalischen Leiter eine neue Erfahrung. «Genau das reizt mich aber an dieser Aufgabe», betont Tinner. Der Kontakt zu den Oberthurgauer Festspielen sei durch Manuela Gerosa, die als Sängerin seit vielen Jahren mit der Atlantis Big Band auftritt, zustande gekommen. Die Zusage zum Mitmachen an diesem Projekt sei aber nicht vorschnell, sondern erst nach einer sorgfältigen Abwägung erfolgt, führt Tinner aus. «Wir mussten uns zunächst einmal vor Augen führen, was überhaupt auf uns zukommen wird, und haben uns dann dafür entschieden, diese spannende Herausforderung anzunehmen.»

Bei einem Musical sei das Timing überaus wichtig, erklärt Tinner. Da bestehe ein Zeitplan, der von allen Beteiligten auf, neben und hinter der Bühne strikt eingehalten werden müsse. In einem Konzert gebe es diesbezüglich mehr Freiheiten, weil man über eine gewisse Reaktionszeit verfüge. Für ihn als Bandleader habe die Zusammenarbeit mit dem Regisseur eine grosse Bedeutung. «Mit ihm bespreche ich, was aus meiner Sicht möglich ist und ob es mit der Band in der aktuellen Besetzung gespielt werden kann.»

Für Musical arrangiert

Im Musical «Heicho», einem Werk aus der Feder des Amriswilers Heiner Gabele, gelangen rund 30 Songs zur Aufführung. Es sind keine neuen Werke, sondern bestehende Lieder mit einem hohen Wiedererkennungswert. Gilbert Tinner hat sie für «Heicho» seit Beginn dieses Jahres eigens arrangiert. Der Bandleader erläutert, worauf es ihm bei dieser Arbeit besonders ankommt: «Ich möchte die Leute nicht erziehen, sondern sie auf gutem Niveau unterhalten. Das ist meine Zielsetzung.» Tinner kennt die Big-Band-Mitglieder naturgemäss sehr gut. Dieser Umstand hat den Vorteil, dass er ihnen die Musik gewissermassen auf den Leib schreiben kann.

Für jeden Geschmack etwas

Die Palette der Songs im Musical «Heicho» ist sehr breit und reicht von Rock 'n' Roll über Jazz, Funk und Pop bis hin zum Schweizer Volkslied. Zeitlich werden dabei die Dezennien seit den Sechzigerjahren des letzten Jahrhunderts abgedeckt. «Ich bin mir deshalb ziemlich sicher, dass alle Zuhörer im Publikum die eine oder andere Nummer kennen werden», sagt Tinner.

Auch hinsichtlich des Aufführungsortes ist der Bandleader guter Dinge: «Ich kenne das Pentorama; es macht Spass, hier zu spielen.» Von einem Erfolg wird Tinner dann sprechen, «wenn die Aufführung beim Publikum gut angekommen ist». Musiker hätten ein feines Gespür dafür und würden das sofort merken.