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AMRISWIL: Orgel trifft auf Saxofon

Die «Klangwurzeln» gaben vor dem Jahreswechsel ein Konzert. Auf dem Programm stand ein Ausflug in die Opernwelt.

Es ist eine selten gehörte Kombination: Orgel, Trompete und Saxofon. Zwar kennt man die Symphonie von Saint-Saëns, wo im majestätischen Finale die ersten beiden Instrumente zusammen auftreten. Doch scheinen die hippen Töne eines Saxofons und der schwere, gravitätische Orgelklang zwei verschiedenen Welten zu entstammen.

Das Trio Amriswiler Klangwurzeln hat am Silvesterkonzert bewiesen, dass es eine erstaun- liche Überschneidungsfläche zwischen diesen Welten gibt – und dass das Saxofon sogar für Opernarien taugt. Nicht ganz wie Anna Netrebko klang das zwar. Diese habe man, scherzte Haubrich, Organist, Pianist und Mitbegründer der «Klangwurzeln», leider nicht verpflichten können. Und doch klang es überzeugend, teils sogar ergreifend.

Mit Georges Bizet klingt das alte Jahr aus

Mit einer Ouvertüre aus Nabucco begann der Abstecher in die Oper, ein langsam zu Festlichkeit anschwellendes Stück. Hier bereits durfte das Saxofon, gespielt von Fabio Signer, einige melo- dische Einwürfe machen und auch die Trompete, gespielt von Karl Svec, musste nicht zurückstehen. Sehr viel inniger und verträumter war dann das «Lied an den Mond» des tschechischen Komponisten Antonín Dvorák. Beeindruckend, wie Haubrich auch diese Stimmung zu evozieren vermochte. Schliesslich wurde die Orgel einst erfunden, um die Majestät Gottes zu loben und eine maximale Klangwirkung zu erzielen.

Spätestens, als das Blumen- duett aus der Oper «Lakmé» ertönte, war das Publikum sichtlich eingenommen von der Klang- mischung. Viele genossen die entrückenden freischwebenden Töne mit geschlossenen Augen. Wenn man wollte, konnte man sich mit geöffneten Augen vorstellen, sie direkt dem Himmel abzulauschen. Die «Klangwurzeln» musizierten nämlich lange Zeit unsichtbar auf der Empore.

Für Mozart und Bizet trat das Trio dann doch noch in Erscheinung. Hinter der Weihnachts- dekoration spannten das Saxofon und die Trompete zusammen, um eine Komposition des viel- geliebten Österreichers zur Aufführung zu bringen. Natürlich musste es zu dieser Jahreszeit «In diesen heil’gen Hallen» aus der «Zauberflöte» sein, das der fortgeschrittenen Stunde entsprechend – das Neujahr klopfte bereits an die Tür – höchst feierlich interpretiert wurde.

Bevor das Publikum dann in die Silvesternacht entlassen wurde, standen noch zwei Stücke von Bizet auf dem Programm. In «Habanera» gelang es dem Saxofonisten wunderbar, die von den Eigenarten der Liebe berichtende Gesangsstimme nachzuahmen. Gerade noch in das alte Jahr passte «Au fond du Temple Saint» – es hätte viel schöner nicht ausklingen können.

Tobias Bolli

tobias.bolli@thurgauerzeitung.ch

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