AMRISWIL: Nicht wie im Werkunterricht

Sekundarschüler schnuppern diese und nächste Woche an zwei Nachmittagen in zahlreiche Betriebe der Stadt hinein – so auch bei der Schreinerei Warger.

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«Der Schreiner ist ein Genauer, ein Tüpflischiisser», sagt Franz Warger zu den fünf Jungen, die ihm auf Schritt und Tritt durch seinen Schreinereibetrieb folgen. Vergangenen Dienstag und kommenden Donnerstag verbringen die Sekundarschüler der zweiten Klasse den Nachmittag in einem oder zwei Betrieben in oder in der Nähe von Amriswil.

Unter über 20 verschiedenen Berufen konnten sich die Jugendlichen entscheiden – vom Augenoptiker bis hin zum Zeichner. Fünf von ihnen interessieren sich für den Schreinerberuf. Es sind fünf Jungen. Doch Schreinermeister Franz Warger relativiert und sagt: «Es gibt immer mehr Frauen in diesem Job.» Tatsächlich sind zwei von sechs Interessenten im zweiten Block an diesem Nachmittag Mädchen.

Doch zuerst will Warger den fünf Jungen die Vorteile seines Berufes schmackhaft machen. Er tut dies unter anderem auch über den Geruchssinn. «Riecht mal daran», sagt er zum Quintett, als sie im Holzlager stehen und er ihnen ein Stück Nussbaumholz entgegenstreckt.

Rechnerische Fähigkeiten, dafür keine Fremdsprachen

Vor zehn Jahren sei das Lager noch zehnmal so gross gewesen, erzählt er – und gleich wird klar, dass dies auch eine Kostenfrage war. Ein Kubikmeter Nussbaumholz koste 2500 Franken. Für einen Tisch brauche man diese Menge, verbunden mit der Frage, was denn ein Kubikmeter sei. Einer der fünf weiss die Antwort sofort. Dreidimensionales Vorstellungsvermögen brauche ein Schreiner, sagt Warger wenige Minuten später im Büro zu den Jungen. Dazu gute rechnerische, zeichnerische und gestalterische Fähigkeiten. Fremdsprachen seien hingegen nicht so gefragt.

Sie arbeiten gerne mit den Händen oder mit Holz, meinen die fünf Schnuppernden übereinstimmend. Deshalb hätten sie sich für diesen Betrieb entschieden. Doch in Wargers Schreinerei erfahren sie, dass der Schreinerberuf nur bedingt mit dem Werkunterricht verglichen werden kann. «Auch der Schreiner arbeitet heute mit dem Computer», sagt Warger und lässt eine Maschine programmieren, die bohrt und fräst. Innert drei Minuten, nachdem das Brett in den Automaten geschoben wurde, sind die drei Arbeiten erledigt. «Früher hätten wir dazu eineinhalb Stunden und drei Maschinen gebraucht, sagt Franz Warger.

Zum Ende der Führung erfahren die Schüler von einem Schreiner im vierten Lehrjahr, wie viel er verdient und was ihm an seinem Beruf gefällt. Das Schönste sei, wenn man einen Auftrag bekomme, alles plane, das Ganze aufbaue und dann seine Arbeit in den Händen halte.

Manuel Nagel

manuel.nagel@thurgauerzeitung.ch