AMRISWIL: Mit Postauto auf Spurensuche

Eine ungewöhnliche Idee nimmt Formen an. Andreas Müller und Florian Rexer planen ein Theater im Bus. Premiere ist Mitte September, das Stück tourt durch drei Thurgauer Städte.

Rita Kohn
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Andreas Müller freut sich auf das Theater im Bus. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Andreas Müller freut sich auf das Theater im Bus. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Rita Kohn

rita.kohn@thurgauerzeitung.ch

Es ist eine kleine Gemeinschaft, die in den Genuss des neuesten Theaterprojekts in Amriswil kommt. Nicht etwa weil die Veranstaltung elitär wäre. Das Projekt findet vielmehr in einem eng begrenzten Rahmen statt: in einem Postauto. Die Passagiere, die sich da durch die Stadt führen lassen, steigen nicht einfach in einen Bus ein, sie nehmen quasi in der ersten Reihe des Geschehens Platz.

Dass das Spielen eines Theaters auf einem so begrenzten Raum eine besondere Herausforderung darstellt, waren sich die Initiatoren Andreas Müller und Florian Rexer von Anfang an bewusst. Das war eine der grossen Herausforderungen, als es darum ging, die Idee umzusetzen. Die Kleinräumigkeit garantiert dem Publikum, dass es wirklich voll ins Geschehen eingebunden ist, ohne davon betroffen zu sein.

Das Stück ist auf die Situation zugeschnitten

Das Stück dreht sich um die Thurgauerin Martha Buschor, die 1917 an ihrem 25. Geburtstag spurlos verschwand. Die Passagiere des Postautos machen sich also im Prinzip auf eine Zeitreise, die sie nicht nur um 100 Jahre zurückversetzt, sie lernen auch die verschiedenen Schauplätze der ­Lebens-, Leidens- und Liebesgeschichte der jungen Verschwundenen kennen. Dadurch wird dem Publikum auch eine höchst reizvolle Stadtführung geboten. Die verschiedenen Orte bekommen eine neue Form von Lebendigkeit.

Bei der Wahl des Stückes haben Florian Rexer als Regisseur und Andreas Müller als Projektleiter bewusst auf eine Geschichte gesetzt, die sich ideal in die Umgebung einfügt. Die Möglichkeiten im Postauto scheinen auf den ersten Blick auch stark eingeschränkt. Dass aber viel mehr möglich ist, beweist das kleine Ensemble, das den Fall der Martha Buschor präsentieren wird.

Vorerst drei Stationen

Obwohl es eine Amriswiler Produktion ist, bleibt das fahrende Kleintheater nach der Premiere am 16. September nicht im Oberthurgau. Schon jetzt stehen zwei weitere Aufführungsdaten und -orte fest. Am 28. Oktober wird «Verschwindibus» ab dem Bahnhof Frauenfeld unterwegs sein, am 4. November ab dem Bahnhof Weinfelden. Wenn das Projekt auf ein positives Echo stösst, werden weitere Aufführungen folgen. Man wolle aber zunächst Erfahrungen sammeln, erklären die Initianten.

Die Tickets für die erste Aufführungsstaffel sind schon im Vorverkauf. Erste Karten sind auch bereits verkauft, obwohl sich die Leute erst an die Sache herantasten müssen. Es sei für das Publikum natürlich reizvoll, auf jedem der etwas über 35 Plätze quasi in der ersten Reihe zu sitzen und damit so dicht am Schauspiel zu sein, wie sonst selten, sagt Andreas Müller.

Anklang gefunden hat die Idee nicht nur bei den Schauspielern und bei Theaterfreunden, sondern auch bei Partnern, wie etwa Postauto. «Wir haben da offene Türen vorgefunden», sagt Andreas Müller, erfreut über die Bereitschaft, sich auf etwas Neues, Ungewöhnliches einzulassen. Auch die Kulturstiftung des Kantons Thurgau steht dem Projekt sehr positiv gegenüber.

Regisseur Florian Rexer macht immer mal wieder durch Produktionen auf ungewöhnlichen Bühnen und Vorführungen an speziellen Orten von sich reden. Er hat sich für die relative Enge des Busses einiges einfallen lassen. Das fahrende Kleintheater ist jedoch auch für ihn ein Novum. Er ist, wie auch der Projektleiter Andreas Müller, jedoch davon überzeugt, dass das Erlebnis für die Passagiere bei dieser Form von Darbietung etwas Aussergewöhnliches ist und eine neue Form von Erlebnistheater bringt.

Verschwindibus, 16. September, 10.30 und 13.30 Uhr ab Bahnhof Amriswil. Informationen und Bilette auf der Homepage unter www.verschwindi-bus.ch.