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AMRISWIL: Mit Leidenschaft und Che Guevara

Die kubanische Show «Pasion de Buena Vista» gastierte am Freitagabend im Pentorama. Sie brachte viel Lebensfreude mit und weckte bei einigen Besuchern sogar heimatliche Gefühle.
Manuel Nagel
Zwei Tänzerinnen flankieren Sänger José Guillermo Puebla Brizuela, der zu den Stars der kubanischen Musikszene gehört. (Bild: Manuel Nagel)

Zwei Tänzerinnen flankieren Sänger José Guillermo Puebla Brizuela, der zu den Stars der kubanischen Musikszene gehört. (Bild: Manuel Nagel)

«Otra! Otra!», schallt es kurz nach 22 Uhr aus vielen Kehlen durch das Pentorama. Offensichtlich sitzen viele Spanischsprachige oder zumindest -sprechende im Publikum. Doch nun stehen sie alle und fordern lautstark eine Zugabe von den kubanischen Künstlern, die während der vergangenen zwei Stunden einen Hauch Karibik in den Oberthurgau gebracht haben.

Einer dieser Besucher ist Blado Gonzalez aus Muolen. «Ich bin voll Fan von der kubanischen und karibischen Musik», sagt der gebürtige Kolumbianer. Er erzählt, dass diese Musik ihn an seine Eltern erinnert. «Sie haben immer zu diesen Liedern getanzt. Ich kann sie alle mitsingen.»

Vielen anderen Besuchern ohne lateinamerikanische Wurzeln dürften die Lieder spätestens seit Wim Wenders Dokumentarfilm «Buena Vista Social Club» ein Begriff sein, an dessen Namen sich diese Show anlehnt. Und diese Erwartungen erfüllt das Ensemble aus Tänzern, Sängern und Orchester dann auch. Es singt nebst andern «Dos Gardenias» oder das weltberühmte «Chan Chan» von Compay Segundo, einem der Stars des Films aus dem Jahr 1996.

Ihr Grossvater komponierte einen Welthit

Doch die Künstler, die an diesem Abend über die Bühne des Pentoramas tanzen und singen, sind nicht irgendwelche Musiker. Sängerin Felicitas-Ethel Frias-Pernia wird in der kubanischen Musikszene genau so gefeiert wie Sänger José Guillermo Puebla Bri­zuela oder dessen Bruder Ramon Puebla, der musikalische Leiter des Orchesters und der Show. Grossvater der Beiden ist übrigens kein geringerer als Carlos Puebla, der mit «Commandante Che Guevara» wohl die Hymne schlechthin auf den Revolutionär geschaffen hat. Klar, dass Enkel José den Welthit zum Besten gibt.

«Bei dieser Musik stehen sogar die Toten auf», meint Rozalia Balvinszky lachend nach der Show. Sie ist extra mit dem Zug aus Adliswil angereist und hatte zuvor keine Ahnung, wo denn dieses Amriswil überhaupt liegt.

In allen Ecken der Schweiz

Das Ensemble reiste von Donnerstag bis gestern Sonntag einmal rund um die Schweiz. Mit St.Moritz, Amriswil, Basel und Genf machte «Pasion de Buena Vista» auf seiner Europatournee buchstäblich in allen vier Ecken des Landes Halt. Und überall dürften sie wie in Amriswil nach der Pause ein gutes Dutzend Besucher auf die Bühne geholt haben, um mit ihnen zu tanzen. Auch Rozalia Balvinszky wird von einem der rassigen Tänzer entführt und lässt dann vor den übrigen 300 Besuchern ihre Hüften kreisen, als wäre sie erst gerade 20 Jahre alt. «Das Temperament von uns Ungaren ist ähnlich wie das der Kubaner», erklärt sie.

Auch wer nicht auf die Bühne geholt wird, geniesst den Abend und tanzt an seinem Platz mit. Kaum jemand, der einfach so auf seinem Stuhl sitzt und nicht im Takt mitwippt – oder zumindest kubanische Nüsse knabbert, die ins Publikum geworfen wurden.

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