AMRISWIL: Landesweit am schlechtesten

Bietet die Oberthurgauer Metropole tatsächlich schlechte Lebensqualität, wie ein viel geteilter Post in den sozialen Medien weismachen will? Stadtpräsident Martin Salvisberg nimmt Stellung.

Rita Kohn
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In sozialen Medien findet sich derzeit ein Ranking, wonach Amriswil keine gute Lebensqualität haben soll. (Bild: Facebook)

In sozialen Medien findet sich derzeit ein Ranking, wonach Amriswil keine gute Lebensqualität haben soll. (Bild: Facebook)

Rita Kohn

rita.kohn@thurgauerzeitung.ch

Der Post ist lapidar: «Folgende Städte bieten landesweit die schlechteste Lebensqualität: Amriswil, Grenchen, Wohlen (AG), Neuhausen am Rheinfall, Oftringen, Spiez, Arbon, Steffisburg, Val-de-Travers und Le Locle.» Worauf sich die Aussage stützt, bleibt im Dunkeln. «Weiss jemand, wie man zu dieser Statistik kommt?», will daraufhin ein ­Amriswiler wissen. Und andere empören sich über die Aussage.

Nicht so Stadtpräsident Martin Salvisberg. Er schmunzelt, zieht ein anderes Ranking hervor, bei dem Amriswil im Mittelfeld zu finden ist. «Das mit den Statistiken ist so eine Sache», sagt er. Jede sehe etwas anders aus, je nachdem, welche Kriterien wie gewichtet würden. Als das erste Gemeinderanking im Jahr 2010 erschien, habe Amriswil reagiert. Damals war Amriswil ebenfalls nicht gut weggekommen. «Wir haben das Gespräch mit den Leuten gesucht, die das Ranking erarbeitet haben und wollten wissen, auf welchen Kriterien die Bewertung basiert», erklärt ­Salvisberg.

Folgen hatte die schlechte Plazierung beim ersten Ranking nicht für Amriswil. Seither nehme man das Ganze zwar zur Kenntnis. «Aber auch die jüngste Beurteilung wird kein Thema im Stadtrat sein.» Natürlich wünschte sich jede Stadt, von aussen eine gute Beurteilung zu bekommen. Doch sei es wesentlich wichtiger, wie die Stadt sich tatsächlich entwickle und wie sie von der Bevölkerung wahrgenommen würde. «Wir ­haben nirgends den Anschluss verpasst», sagt Martin Salvisberg voller Überzeugung. Die Stadt sei gut aufgestellt, die Infrastruktur entspreche den Möglichkeiten, Amriswil entwickle sich stetig. «Es gibt also kein Grund, sich irgendwie minderwertig zu ­fühlen.»

Ein Blick auf die kleine Liste der Städte mit der angeblich landesweit schlechtesten Lebensqualität zeigt zudem, dass sich Amriswil in guter Gesellschaft befindet. Auch Städte wie Arbon, Spiez oder Wohlen sind darunter zu finden. Alles kleine Städte, die sich, wie Amriswil auch, in den letzten Jahren stark entwickelt haben. Ein wesentlich wichtigerer Indikator für die Standortqualität sei im Übrigen die Bereitschaft von Investoren, in einer Stadt zu bauen, macht Martin Salvisberg deutlich. Ein Blick auf den Wohnungsbau in Amriswil zeigt, dass hier in den letzten Jahren überdurchschnittlich grosses Interesse der Investoren am Standort Amriswil bestand.