AMRISWIL: Jetzt braucht es innovative Leute

Gross war die Enttäuschung bei Kindern und Eltern, als die Stadt die Gelder für das Projekt «open sunday» strich. Stadtrat Richard Hungerbühler sieht nun Wege, wie das Angebot wieder anlaufen könnte.

Rita Kohn
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Stadtrat Richard Hungerbühler steht vor der Turnhalle Nordstrasse und blickt trotz Schwierigkeiten optimistisch in die Zukunft. (Bild: Donato Caspari)

Stadtrat Richard Hungerbühler steht vor der Turnhalle Nordstrasse und blickt trotz Schwierigkeiten optimistisch in die Zukunft. (Bild: Donato Caspari)

Rita Kohn

rita.kohn@thurgauerzeitung.ch

Es war ein herber Schlag für die Betroffenen: Die Turnhallentüren blieben im vergangenen Winter sonntags für die Kinder geschlossen. Das, obwohl das Projekt «open sunday» regelmässige Besucherzahlen aufweisen konnte. Die Stadt hatte den Jahresbeitrag an das Projekt gestrichen. Ein Aufschrei ging durch die Bevölkerung. Man verweigere den Kindern die Unterstützung, hiess es. Das mag der zuständige Stadtrat Richard Hungerbühler so gar nicht gelten lassen. Denn gestrichen worden ist der Beitrag nicht aus Spargründen.

«Wir konnten uns nicht mehr einverstanden erklären mit dem Einsatz der Gelder», sagt Hungerbühler. Die Stiftung idée suisse, die hinter dem Projekt stand, habe einen enormen administrativen Aufwand betrieben, der sehr teuer geworden sei. «Wir wollten, dass das Geld mehr für die Kinder selber eingesetzt wird.» Gespräche mit der Stiftung über eine mögliche Reduktion der administrativen Kosten seien leider erfolglos verlaufen.

Eltern wollten das Projekt retten

Nach wie vor ist die Stadt bereit, einen Beitrag an ein Projekt wie «open sunday» zu leisten. Dafür braucht es aber eine Trägerschaft. Kurzzeitig sah es so aus, als sei diese gefunden. Das Elternforum im Einzugsbereich des Schulhauses Nordstrasse, in dem die «offene Turnhalle» stattfand, zeigte sich daran interessiert, das Projekt organisatorisch zu unterstützen. «Leider hat sich nun aber die Zahl der Mitglieder des Elternforums drastisch verkleinert, so dass es wohl nicht mehr die Ressourcen hat, als Trägerschaft aufzutreten», bedauert Richard Hungerbühler. Mit dessen Vorstand sind aber weiterhin Gespräche im Gange und man sucht nach einer gemeinsamen Lösung.

Er ist überzeugt, dass es ­möglich sein kann, das Projekt dennoch auf privater Basis weiterzuführen. Dazu brauche es einerseits eine Trägerschaft, andererseits aber auch die Hilfe von Vereinen, die hin und wieder die Betreuung übernehmen könnten. «Es ist nicht festgeschrieben, dass die Turnhallentüren jeden Sonntag geöffnet sein müssen, oder dass das Projekt nur auf den Winter beschränkt sein muss», sagt Richard Hungerbühler. Es gebe viele verschiedenen Vari­anten.

Schule signalisiert Bereitschaft

Nicht nur der Stadtrat würde das Projekt weiterführen, auch die Schule hat ihre Bereitschaft signalisiert, die Turnhalle weiterhin zur Verfügung zu stellen. Damit sind wichtige Voraussetzungen erfüllt, um einer Gruppe von innovativen Leuten die Grundlage für eine Weiterführung des Projektes zu bieten. Amriswil wäre, käme eine private Initiative zustande, in guter Gesellschaft. In mehreren Gemeinden haben sich private Trägerschaften gefunden, die dem Grundgedanken, den Kindern am Sonntag eine Möglichkeit zu bieten, sich zu bewegen, nachleben möchten. Es sind verschiedene Modelle gewählt worden, die in der einen oder anderen Form auch für Amriswil in Frage kommen könnten.

«Schön wäre es, wenn sich nun genügend Leute finden würden, die bereit sind, etwas zu starten», sagt Richard Hungerbühler. Dem Stadtrat ist klar, dass die konsequente Durchführung eine grosse zeitliche Belastung darstellt. Es würden aber Gelder zur Verfügung stehen, so dass auch eine kleine Aufwandsentschädigung möglich wäre, sagt er. Das Modell müsse den Ressourcen angepasst sein, damit das Projekt nicht nach kurzer Zeit wieder eingestellt werden muss. Hier gelte es, den besten Turnus zu finden.

Bevor es aber an konkrete Planungen gehen kann, muss feststehen, wer sich engagieren kann. «Der Stadtrat wird die Vereine anschreiben», sagt Richard Hungerbühler. Ihm sei sehr wohl bewusst, dass ein solches Engagement grad auch für Vereine mit einem Meisterschaftsbetrieb nicht einfach zu bewältigen sei. Jedoch sollte die Belastung auf möglichst viele Schultern verteilt werden.

Ob das Projekt bereits im kommenden Herbst starten kann, ist also noch unklar. Für Hungerbühler steht aber fest, dass es ­keine Weiterführung unter idée suisse gibt. Notfalls müsse eine weitere Saison auf das Bewegungsangebot verzichtet werden, bis sich die Möglichkeit für eine Trägerschaft ergibt und wieder mit einer «offenen Turnhalle» gestartet werden kann.

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