AMRISWIL: Happy Birthday, Pentorama!

Vor zehn Jahren wurde der Nachfolger der altehrwürdigen Festhütte eingeweiht. Anstelle des riesigen Holzschopfes prägt nun ein modernes Fünfeck das Zentrum der Stadt. Die TZ blickt zurück.

Manuel Nagel
Drucken
Teilen
Ein ungewohntes Bild: Der Vorplatz des Pentoramas ist noch leer und unbemalt – und an einen Kreisel mit Bassist hat damals bestimmt noch niemand gedacht. (Bild: Reto Martin (9. Oktober 2007))

Ein ungewohntes Bild: Der Vorplatz des Pentoramas ist noch leer und unbemalt – und an einen Kreisel mit Bassist hat damals bestimmt noch niemand gedacht. (Bild: Reto Martin (9. Oktober 2007))

Manuel Nagel

manuel.nagel@thurgauerzeitung.ch

Selbstverständlich gibt es sie, die Amriswiler, die auch heute noch «ihrer» Festhütte nachtrauern. Doch zehn Jahre nach der Eröffnung ist die Skepsis, die anfänglich dem fünfeckigen Gebäude entgegenschlug, bei den meisten gewichen. Das Pentorama geniesst eine hohe Akzeptanz bei der Bevölkerung der Stadt.

Vor allem das Geld war im Vorfeld der Abstimmung ein grosses Thema. Nicht wenige prophezeiten ein finanzielles Fiasko. «Steuerversenkungsanlage», «Tränenhof» oder «Zur fröhlichen Pleite» waren Namensvorschläge aus der Bevölkerung. Durchgesetzt hat sich dann schliesslich der Name Pentorama.

Der Name kam vom Stadtpräsidenten

«Wir sind überzeugt, dass wir für den neuen Festsaal einen zukunftsträchtigen Namen ausgewählt haben. Das griechische Pento steht für fünf und rama für ausstellen», erklärte der damalige Stadtammann Peter Kummer an der Ustrinkete, an der das Geheimnis des neuen Namens gelüftet wurde. Der Name Pentorama kam übrigens von Peter Kummers Nachfolger, dem aktuellen Stadtpräsidenten Martin Salvisberg. Sein Vorschlag machte in sechs Runden das Rennen bei seinen Stadtratskollegen. Salvisberg war es auch, der das Organisationskomitee für die Eröffnung leitete. Anfang November 2007 wurde das neue Wahrzeichen Amriswils mit einem dreitägigen Fest eingeweiht. Es war die vierte Eröffnung einer Festhalle im Zentrum Amriswils. 1850 wurde die erste Festhütte gebaut, 1875 folgte die zweite, und die dritte Version stand von 1907 bis 2006 fast ein Jahrhundert lang.
 

19 Bilder
DAniel Eggenberger (graues T Shirt) und Ernst Schneider (blaues T Shirt) von der Feuerwehr Amriswil, arbeiten auf 12 Meter Höhe mitten in Amriswil. Sie demontieren die Blitzableiter der Festhütte, die begehrte Souvenirs sind. Man müssen sie schon fast bewachen, meint Ernst Schneider.
Susann Basler © TZ
3. MAi 2006
DAniel Eggenberger (graues T Shirt) und Ernst Schneider (blaues T Shirt) von der Feuerwehr Amriswil, arbeiten auf 12 Meter Höhe mitten in Amriswil. Sie demontieren die Blitzableiter der Festhütte, die begehrte Souvenirs sind. Man müssen sie schon fast bewachen, meint Ernst Schneider.
Susann Basler © TZ
3. MAi 2006
Amriswil TG - Festhuette Rueckbau 17.5.2006
©  MAYA MUSSILIER / Thurgauer Zeitung 
17.5.2006 (Bild: MAYA MUSSILIER)
Amriswil TG -  Baustelle neues Stadthaus Pentorama in Amriswil.
©  NANA DO CARMO  / TZ
12.07.2006 (Bild: NANA DO CARMO)
Grundsteinlegung auf der Baustelle des neuen Stadthauses von Amriswil mit dem Namen Pentorama
Susann Basler © TZ
4. Juli 2006
Grundsteinlegung auf der Baustelle des neuen Stadthauses von Amriswil mit dem Namen Pentorama
Susann Basler © TZ
4. Juli 2006
Grundsteinlegung auf der Baustelle des neuen Stadthauses von Amriswil mit dem Namen Pentorama
Susann Basler © TZ
4. Juli 2006
Amriswil TG - Das Pentorama in Amriswil, gesehen aus einer Höhe von 32 Meter. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))
Amriswil TG - Beilage Pentorama, Amriswil. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))
Amriswil TG - Eventhalle Pentorama in Amriswil. (Bild: Andrea Stalder (Andrea Stalder))
Amriswil TG , 07.09.2011 / BudesrŠtin Leuthard auf besuch bei der CVP Thurgau im Pentorama Amriswil . Bild: Donato Caspari (Bild: Donato Caspari (Donato Caspari))
Amriswil TG - Alt Bundesrat Hans-Rudolf Merz spricht im Pentorama in Amriswil. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))
Amriswil TG - Alt Bundesrat Adolf Ogi im Gespräch mit Gästen am Neujahrsapéro der Thurgauer Kantonalbank (TKB) im Pentorama Amriswil. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))
Amriswil TG -  Abdankung von  Peter Sigrist im Pentorama Amriswil.
Bild: Nana do Carmo / TZ
31.01.2014 (Bild: Nana do Carmo)

Die thurgauische Stadt Amriswil habe sich einen Traum erfüllt, schrieb die Zürcher «Sonntags-Zeitung» am 18. November 2007, als sie dem Neubau eine ganze Seite widmete. Das Pentorama habe «eine Anziehungskraft weit über die Region hinaus» stand geschrieben.

Basel, Bern, Zürich und Amriswil

Man träumte von Veranstaltungen von nationaler Ausstrahlung, was damals viele Amriswiler noch nicht glauben wollten. Doch mit der neuen Halle kamen plötzlich Künstler in den Oberthurgau, die bisher nur in Schweizer Grossstädten aufgetreten waren. Als das weltbekannte italienische Orchester Rondo Veneziano auf Schweizer Tournée war, standen auf den Plakaten die Spielorte Basel, Bern, Zürich und – Amriswil.

«Das Pentorama ist in hohem Masse identitätsstiftend, das ist keine hohle Phrase», sagte der damalige Stadtrat und Präsident der Baukommission, Urs Schach. «Es ist ein einzigartiger Farbtupfer und eine grosse Bereicherung in der Ostschweizer Saallandschaft.»

Ausgerechnet zwei Zürcher sorgten also dafür, dass die Schweizer Event-Landschaft nicht mehr in Zürich aufhört. Die beiden jungen Architekten Pascal Müller (Jahrgang 1971) und Peter Sigrist (1970) seien von der Bezeichnung «Festhütte» fasziniert gewesen und hätten sich davon inspirieren lassen, sagt man. Ihr eigenwilliger Bau sorgte international in Fachkreisen und -publikationen für mehr Beachtung als in der Region. Die Schweizer Post ehrte deshalb das Gebäude 2009 mit einer Briefmarke.

Für Architekt Peter Sigrist war es deshalb ein ganz spezielles Gebäude. Nach der Diagnose Hirntumor trat er der Freimaurerloge bei. Sein Wunsch war es deshalb, nach der Tradition der Freimaurer verabschiedet zu werden.Nach Sigrists Tod im Januar 2014 fand die Abdankung in «seinem» Pentorama statt.
 

Alle Namensvorschläge der Amriswilerinnen und Amriswiler